Anneliese Leding

Der Bauantrag

Der Bauantrag oder Kleider machen Leute / Eine wahre Geschichte

Es war Anfang April und es war schon sehr warm für die Jahreszeit. Mein Mann und ich hatten beschlossen, ein großes Gartenhaus auf unserem Grundstück erstellen zu lassen. Der Kaufvertrag des Hauses ging reibungslos mit der Herstellerfirma über die Bühne. Dann machte uns der Chef des Unternehmens darauf aufmerksam, dass wir eine Baugenehmigung beantragen müssten und das werde erfahrungsgemäß mindestens sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen. An meinem Geburtstag im Mai sollte die Einweihungsfeier sein. Uns war jetzt bewusst, dass das nicht klappen würde. Von Freunden und Bekannten hörten wir immer wieder, dass ein gewisser Herr Winter im Bauamt seine Stellung immer wieder ausnutzte und ständig etwas auszusetzen hatte.

Das rief mich auf den Plan und ich hatte mir vorgenommen, mit unserem Bauantrag ins Bauamt zu gehen und mit dem Herrn persönlich zu sprechen. Dafür brezelte ich mich so richtig auf. Nachdem ich Make-Up aufgetragen hatte, die Fingernägel rot lackiert und die Haare gestylt hatte, holte ich mein rotes Kostüm mit dem kurzen Röckchen und die roten Stöckelschuhe aus dem Schrank. Zufrieden stand ich vor dem Spiegel. Jetzt konnte es losgehen. Ich nahm alle Unterlagen mit.

Als ich den mit Fliesen ausgelegten Flur im Bauamt betrat, hörte ich das Klack, Klack meiner Stöckelschuhe. Zwei Herren kamen mir entgegen und fragten mich überfreundlich, ob sie mir helfen könnten. Ganz Frau lächelte ich sie an und fragte, wo der Herr Winter sein Büro habe. Sofort wurde ich umringt und man brachte mich persönlich zu ihm. Hinter dem Schreibtisch saß also der gefürchtete Herr. Strahlend ging ich auf seinen Schreibtisch zu, noch immer umringt von den hilfsbereiten Herren, brachte mein Anliegen vor. Herr Winter erhob sich und kam auf mich zu. Ich konnte auf ihn herab sehen. Sein Körper hing in einem etwas zu großen grauen Anzug. ich ihn so vor mir sah, tat er mir irgendwie leid, aber das ließ ich jetzt nicht gelten. Ich spielte meine Rolle als hilfloses Weibchen weiter, und es machte mir inzwischen richtig Spaß. Inzwischen kam ein weiterer Herr ins Büro und nun stand ich hier umringt von vier Herren und diskutierten über meinen Bauantrag. Natürlich zeigte ich sehr viel Interesse an der Arbeit der einzelnen Herren, und wir kamen immer mehr ins Gespräch. Herr Winter behielt den Bauplan und ich verabschiedete mich herzlich und bedankte mich, ließ natürlich nicht unerwähnt, dass ich nie erwartet hätte, auf so hilfreiche Mitarbeiter des Amtes zu stoßen. Man begleitete mich sogar hinaus.

Als ich abends meinem Mann davon erzählte, fing er lauthals an zu lachen und sagte: „Noch haben wir keinen Bescheid.“ Keine Woche verging, bis der Brief vom Bauamt kam. Wir erhielten die Genehmigung. Schnell wurde der Chef der Gartenhaus-Firma informiert. Der fragte sichtlich irritiert, wie denn die schnelle Zustimmung zustande gekommen sei. Ich tat ganz unschuldig, und wir konnten im Mai meinen vierzigsten Geburtstag im neuen Gartenhaus feiern. Natürlich wurde das Thema Bauantrag ausführlich auf meiner Feier erörtert.

 

© Anneliese Leding

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