Heinz-Walter Hoetter

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg

 

 

 

 

Ich war ja so weit weg von meinem Elternhaus.

Mit Tränen in den Augen ging ich damals fort.

Zu jener Zeit hielt ich es einfach nicht mehr aus.

Ich wollte nur einfach weg, an einen anderen Ort.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Ich war in der Fremde, wo mich keiner kannte.

Meine Mutter schrieb mir manchmal einen Brief.

Weit weg von zu Haus, wohin es mich verbannte.

Ich las ihre Zeilen, sie gingen mir ins Herz so tief.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Die Straßen des Lebens sind nicht leicht zu verstehen.

Ich wanderte immer weiter, kam nirgendwo richtig an.

Als ich meine Heimat verließ, war ich noch sehr jung.

Ich habe mich seit der Zeit verändert, wurde ein Mann.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Hier draußen in der weiten Welt bin ich jeden Tag allein.

Manchmal denke ich, was würde meine Mutter jetzt sagen?

Ich habe keine Freunde, kein Mädchen in meinem Dasein.

Meine Sehnsucht nach zu Haus ist groß an machen Tagen.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

In einer sternenklaren Nacht lag ich an einem weiten Strand.

Ich war hungrig, hatte seit Tagen nichts gegessen, war halbtot.

Dann schlief ich ein, und ich träumte von einer liebenden Hand.

Meine Mutter kam auf mich zu und brachte mir das Abendbrot.

 

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Eines Tages hielt ich meinen Daumen ganz hoch in den Wind.

Ich wollte wieder nach Haus, in meine Heimat, wo ich mal war.

Doch ich war schon alt geworden, wie im Flug die Zeit verrinnt.

Kalt und grau sind die Tage, aber das Bild vom Elternhaus war klar.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Eines Tages war es soweit. Ich kam wieder in meiner Heimat an.

Ich war lange unterwegs gewesen, suchte nach meinem Elternhaus.

Doch niemand kannte mich mehr, ich war nur noch ein alter Mann.

Mutter lag schon längst auf dem Friedhof, ich brach in Tränen aus.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Wo einst meine Elternhaus stand, da war jetzt eine breite Autobahn.

Ich stand nur sprachlos da und schaute hinaus zum fernen Horizont.

Die Vergangenheit war nur noch Erinnerung, sie verblasste sodann.

Ich packte meine Sachen und ging wieder dorthin, wo mein Herz wohnt.

 

Nur weit weg von zu Haus, ja nur ganz weit weg.

Ich wollte raus aus der Enge, weit weg vom Dreck.

 

Ich bin jetzt weit weg, weiter weg als zuvor von meinem Elternhaus.

Mit Tränen in den Augen gehe ich nun von hier ein zweites Mal fort.

Meine Heimat kannte ich nicht mehr, sie war mir nur noch ein Graus.

Ich wollte einfach wo anders sein, ganz schnell weg an einen anderen Ort.

 

Nur weit weg von meinem einstigen Zuhause, ja weit weg, ganz weit.

Am fernen Horizont ging die Sonnen unter, ich war zum Sterben bereit.

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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