Francois Loeb

DUMPFBACKIG

Ich sitze wie jeden Freitag am späten Nachmittag am Stammtisch im Hirschen. Könnte mir den Arbeitswochenschluss nicht anders vorstellen. Meine Stammtischbrüder wohl auch nicht. Es ist so wohltuend im wahrsten Sinne des Wortes so angenehm eingebettet zu sein. Die Runde die am runden Tisch im hinteren Gastraum zusammenkommt und stets mit einem "RESERVIERT Schild gekennzeichnet ist, besteht aus 8-10 Freunden aus allen Berufsschichten. Vom Geschäftsleitungsmitglied eines mittleren Konzerns bis hin zum Strassenbahninnenraumreiniger fehlt keine Schicht der Bevölkerung. Der paffende Arzt, obwohl er um die Schädlichkeit seines Tuns bestens weiß, sitzt neben dem Opernsänger der seinen Kopf zur Stimmschonung immer vom Arzt abwendet, bis zum Hausmann mit seinen vom Waschen schrundigen Händen, ist der Querschnitt durch unsere Stadtbewohnerschaft beinahe perfekt. Heute Abend entspannt sich beim dritten Bier eine emotionale Diskussion um politische Gestalten.

Als die Rede auf die Regierungschefin fällt, heizt die Stimmung sichtlich auf, kaum ein blondiertes Haar ihrer Frisur wird an ihrer in der vergangenen Woche erbrachten Leistung als gut befunden. Zeit dass sie abberufen wird, meint der Arzt lustige Rauchwölklein in den Wirtschaftshimmel kringelnd. Und wir beginnen über mögliche Nachfolgerschaft zu diskutieren. Beschließen bei der Wahrheit bleiben zu wollen, also die Verdienste der Amtsinhaberin in den vergangenen Jahren nicht außer Acht zu lassen. Aber, wendet der Wagenreiniger ein, aber seht mich an, ich kann jahrzehntelang perfekt putzen und in einer Woche nicht, dann kassiere ich bereits einen Verweis . Und schlampe ich einen ganzen Monat, droht mir die unehrenhafte Entlassung, die Versetzung in die eisigkalte, dann glühendheisse Tätigkeit des Geleise-Reinigers, als Aufgabe das Auspuhlen von Kaugummi und Zigarettenstummeln aus den Straßenbahnschienen. Dabei streift sein strafender Blick den Arzt. Und ihr, ja ihr geschieht nichts fügt er bei.

Sie fährt weiter Staatskarossen, gibt meinen sauerverdienten Obolus den ich in Form von Steuern ihr abzugeben habe mit leichter Hand aus. Ein allgemeines Nicken der Runde bestätigt seine Aussage. Nun, bemerkt der Konzernchef, Du kannst dich wirklich nicht beklagen, wenn Du bedenkst was ich abzugeben habe. Deshalb spendiere ich jetzt eine Runde, damit ich die als Spesen abbuchen kann. Ein sonniges Lächeln umspielt seine Lippen in Vorfreude der Schaumgeburt die gleich erfolgen wird. Dumfbackig ist das alles bemerkt der Hausmann. Steht mit der Bemerkung auf er müsse jetzt kochen gehen. Dumpfbackig? An seinem Platz erhebt sich als er entschwunden ist ein großes Fragezeichen das dumpf seine Backen aufbläst und dadurch vier Lachgrübchen in seinem gekrümmten Kopfbereich aufweist.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.09.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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