Celine Malinowski

Einsame Verbundenheit

,,Hi", sagte er, ohne sie anzusehen.

,,Hi", gab sie mit gesenktem Blick als Antwort. 
Sie fand es unerträglich ihm nicht in die Augen zu sehen. 
Ihr Blick wanderte weiter nach oben und fand sein Gesicht. 
Sie wartete auf den liebevollen Blick von damals, die Umarmung, der Kuss. 
Der Schmerz sitzt tief. Die Stille macht ihn noch schlimmer. Unerträglich. 
Erinnerungen kehren zurück. 
Gemeinsam sein. Die Einsamkeit schien soweit entfernt. Mit einem Schlag war sie da. Ganz plötzlich, ohne dass einer der Beiden sie hätte bemerken können. Sie aufzuhalten schien unmöglich. Nun sitzt sie überall. 
Eine Zahnbürsten vereinsamt im Badezimmer. Ein paar Hausschuhe steht einsam im Flur herum. Eine Seite des Bettes bleibt unbenutzt. Ein Platz am Esstisch leer.

,,Na dann", sagte er mit einem kurzen Blick nach oben. Das Unvermeidbare lässt sich kaum weiter hinauszögern. 
Ihm kamen Gedanken. Erinnerungen. 
Gemeinsame Kochabende, Filmabende. 
Wie gerne hätte er einfach nur neben ihr gesessen, sie angesehen, all die kleinen Unvollkommenheiten übersah er. Nur das Perfekte trat in sein Blickfeld. 
Wieso endete das? Was war bloß geschehen? 
Schon kamen in die Schwierigkeiten in den Sinn, übers Aufräumen, übers Ausgehen, über vollkommen sinnlose Dinge. Nichts schien die Beiden in ihrem Streitwahn zu stoppen.

,,Na dann.", wiederholte sie. 
Was war nur geschehen? Sowas passiert doch nur anderen. Sie lieben sich doch. 
Sie sah ihn, wie er sie das erste Mal ansprach. In einer Bar. Beide etwas angetrunken und unbeholfen. Beide einsam. Beide wollten die Chance ergreifen, die Chance den Weg aus der Einsamkeit zu finden.
Niemals hätte sie gedacht, dass es möglich wäre sich noch einsamer zu fühlen, als es vor ihm war. 

Er schaut ihr jetzt direkt in die Augen. 
Gang kurz schaut er in ihre großen, grauen, glänzenden Augen. 
Er sieht die Tränen, die sie geweint hat und die Tränen, die sie noch weinen wird, sobald er weg ist. Er sieht ihren Versuch stark zu sein. 

Sie hält es kaum aus, in seine Augen zu sehen. In seine tiefen, blauen, verschlingenden Augen. 
Sie möchte ihn aufhalten zu gehen. Ihm mit ihrem Blick verständlich machen, dass sich alles ändern kann.
Auch wenn sie weiß, dass sich nie etwas ändern wird. Nie. Dafür ist es zu spät. 

Er greift nach seiner Tasche. Die letzten Sachen, die sie vor der vollkommenen Einsamkeit bewahrt hatten, stecken nun darin. Nichts lässt sich mehr aufhalten. 

Es wird besser werden. Mit der Zeit wird es besser werden. 
Wie ein Mantra. Ständig wird es wiederholt. In den Köpfen. Der Beiden. 

Ein kurzes höfliches Lächeln zum Abschied, weil es sich so gehört. Dann gehen beide für immer auseinander. Um ihr neues Glück und etwas gegen die Einsamkeit zu finden, das Einzige, das sie je verband. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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