Gherkin

Meine Stilberaterin von KnautschKnittery





Meine Stil- und Typ-Beraterin (Mein persönlicher Image- und Outfit Supervisor) von „KnautschKnittery“ hat mir ein sehr großes Paket geschickt.

Ich hatte es schon so sehnsüchtig erwartet.

Bin selbst nicht dazu in der Lage, ein sinnvoll kombiniertes Freizeit-, Dating- oder Business World-Outfit zusammen zu stellen. Es mangelt an Geschmack, vor allem aber an diesem ganz speziellen Gespür für die heutige Herren-Mode.

Ich bin durchaus der weltungewandte Doppel-Depp, der ein teures weinrotes Sakko trägt, mit einem billigen grellbunten T-Shirt darunter. Passend dazu, Badeschlappen. Thermo-Hose und BaseCap vom Billig-Discounter runden das Bild ab. So gehe ich, entsetzliche Vorstellung, in eine Szene-Kneipe. Aber ich mach´s.

Ich stehe in den Herren-Boutiquen herum wie der Papst im Table Dance Night-Club, hilflos, bemüht, überfordert und grenzenlos beeindruckt, immanent verstört, verunsichert, verpeilt.

Ich mag es weder schrill noch besonders gediegen, ich bin einfach nur der „aus der Mitte der Gesellschaft“ kommende Typ Mann, weder Geck noch Gentleman, weder ein Ladykiller noch ein Mauerblümchen. Mit ein wenig Geld auf dem Konto und ein bisschen „Spaß in den Backen“

Aus der Not eine Tugend machend, wandte ich mich an KnautschKnittery. In einem zaghaften Brief fragte ich an: „Dürfen bei Ihnen auch Hetero-Männer um Aufnahme in den erlauchten Kreis der zu Beliefernden bitten?“

Eine „Heidi“ meldete sich: „Aber selbstverständlich sind wir für ALLE da, ob nun gay oder straight, ob Single oder verheiratet, ob Opa oder Jüngling, ob Sie Ihr Outfit für Ihre Freizeit oder zu geschäftlichen Zwecken benötigen. Wenn Geld vorhanden ist, in ausreichendem Umfange, werden wir Sie einkleiden - geschmackvoll, nach gängiger Mode, von Kopf bis Fuß. Sehr gern.

Sofern Sie ein Outfit-Problem haben, gleich aus welchem Grund, wir helfen Ihnen. Sagen Sie uns nur, ob ein Mann oder eine Frau Ihr persönlicher Image- und Outfit- Supervisor werden soll. Manche Herren lassen sich von einer Frau nichts, aber auch rein gar nichts vorschreiben, andere Herren lehnen entrüstet ab, von einem Mann vorgeschlagen zu bekommen, welche Kleidung sich zu tragen schickt „these days“.

Wenn Sie wünschen, bin ich, Heidi, Ihre ganz persönliche Stil-Beraterin. Wir müssen vorab einige wichtige Fragen klären, hernach erhalten Sie von mir, quasi in einem Abonnement auf Lebenszeit (oder so lange, wie Sie es eben wünschen) monatlich ein nettes Paketchen, mit allem, was das Männerherz höher schlagen lässt (und was nicht mit Fußball, Autos und Frauen zu tun hat!). Na, was meinen Sie? Haben wir hier einen Deal?“

Ich willigte ein. Das Bild dieser süßen Heidi, im knappen Outfit, Junge Junge.. Es lag dem Fragenkatalog bei (480 Fragen, zum Teil sehr persönlich). Ich war be-geis-tert...

Einige Fragen erschlossen sich mir nicht so ganz. Warum wollen die wissen, wie oft ich mir die Fußnägel schneide und zum Friseur gehe? Wollen die vielleicht, stickum, wissen, ob ich ein Chaot oder ein Ordnungsfanatiker bin, ein Messie oder ein totaler Narzisst, Egomane, Egozentriker?

Ich beantwortete wahrheitsgemäß diese 480 Fragen. Brauchte dazu fast 5 Stunden. Auf über 600 Blatt Papier wursteten die mich da aus. Ermüdend, enervierend, und, verzeihen Sie, geradezu bloß stellend. Sexuelle Ausrichtung, ein biometrisches Foto, diverse Fotos von ganz normalen Begebenheiten (Eis schleckend, vom Strand aus fröhlich in die Linse winkend, beim Tandem Radfahren, auf dem Rummel mit „Hau den Lukas“ imponieren wollend, eine Strickmütze tragend, erkältet, schlecht gelaunt und Nase bohrend), eine selbst geschriebene Kurz-Vita (Handschriften-Probe!) und, ganz zum Schluss noch, die Frage: Heimlicher Rebell oder angepasster Spießer???

Danach wartete ich gute 9 Wochen auf Heidis Antwort. Die supersüße, schnuckelige Typ-Beraterin von KnautschKnittery ließ mich dann wissen, dass ich „sehr gern bei KK angenommen worden sei, nach gründlicher Prüfung meines pekuniären Status´ durch Schimmelpfeng und Creditreform, plus Schufa-Abfrage“. Alles paletti.

„Harren Sie der Dinge, die da auf Sie zukommen werden! Am 10.10, einem schönen Herbst-Donnerstag im Oktober, wird das 1. Paket an Sie unsere Lagerhallen verlassen und Sie am bereits 11.10. in Gelsenkirchen erreichen. Wir wissen, wie sehr Sie sich darauf freuen, lieber Kunde. Ich persönlich, Heidi, Ihre Typ- und Image-Beraterin bei KK, werde Sorge tragen, Ihnen das beste Outfit zu Ihrem Typ zusammen zu stellen. Absolut nur das BESTE!

Wenn Ihnen doch einmal, bei der Ihnen ab dann monatlich zugehenden Paketpost von KK, etwas nicht zusagen sollte, dies kommt allenfalls unter 100 Zusendungen nur 1 x vor, dann werden wir diese Retoure klaglos sofort zurücknehmen. Wir bitten allerdings hier um einen ausführlichen „Mängel-Bericht“. Vielen Dank. Ihre KK-Heidi.“

Am 12. Oktober, einem Samstag, kam das große Paket an. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Ich hatte mich im Fragen-Katalog als „mutig, offen für Abenteuer und Erfahrungen aller Art“, und natürlich als Freigeist und Nonkonformist bezeichnet.

Das hatte ich jetzt davon.

Als ich das Paket auffetzte, kam ein Kilt heraus, ein echter schottischer Kilt. Und das Mitte Oktober. Es ist sehr frisch geworden dort draußen. Schon jetzt verspürte ich so ein Ziehen und Zerren in der Leistengegend, unangenehm. Es war ein Black Gothic Premium Schottenrock von EMP!

Wunderlich auch die weiteren „Gaben“: Doc Martens Schnürstiefel, goldfarben, ein Muskegon Gatsby Cap von Stetson, pink (!), ein BLOUSE Figaro Hemd aus extrem bunt bedruckter Popeline, Dschungel-Muster mit riesigen Orchideen, schrill, schräg, äußerst gewöhnungsbedürftig. Und ein Präsent: Ein Seidenhalstuch - ganz unten dann die Rechnung.

729,45 Euro. („Diesen Betrag werden wir am Montag, 14.10.2019, dankend von Ihrem bei uns hinterlegten Bankkonto freundlichst einzustreichen wissen!“)

Ich packte alles wieder ein und schickte das Zeug an KnautschKnittery. Beim Firmen Logo hatte ich die beiden ersten KN weggestrichen, und weiter hinten ein IG (herzlos und sehr dreist) eingefügt. Nun stand da: Autsch Igittery. Ja, so wollte ich das lesen: Autsch und Igitt - in einem Aufwasch. Nie wieder würde ich bei denen etwas ordern. Allerdings, um diese Heidi, die ich nun leider quitt geworden bin, um die Heidi tut´s mir ein wenig leid. So eine süße Schnuckel Stilberaterin finde ich mein Lebtag nie mehr wieder. Hab ich mir selbst zuzuschreiben. Auf zum KiK, Zeeman oder NKD, Klamotten shoppen!


Ach ja... Heidi... Eine Anfrage nach einem Date blieb leider unbeantwortet....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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