Celine Malinowski

Grund zu gehen

,,Sicherheit."
,,Sicherheit?"
,,Ja, wieso wiederholst du das so abwertend?"
,,Sicherheit. Nach allem was passiert ist?"
Ein kurzes Schweigen. Der tägliche Lärm aus dem Café.
Die Gespräche, das Klingeln der Kasse, die freundlichen Stimmen, der Kellner, die Kaffeemaschinen, klirrendes Geschirr.
Das alles, kann man nur in dieser kurzen Pause hören.
Doch meine Gedanken sind woanders. Sie kehren zurück an den Tag.
Der Tag, der mein Wendepunkt hätte sein sollen.
Für mich. Für ihn. Für uns.
Aber es war doch meine Schuld. Ich habe ihn provoziert.
Ich weiß, dass es falsch war, dass es niemand vertseht, dass es nie jemand vertsehen wird.
Aber es waren doch auch nur ich und er in dieser Situation, wie soll es dann einer nachvollziehen können?

Ihre Hand, die sich auf meine legt und ihr tröstender oder vielleicht mitleidiger Blick, reißen mich aus meinen Gedanken.
,,Du musst das doch sehen können, du musst nicht so leben.
Du bist kein Opfer oder willst du dazu werden?"
Jetzt sehe ich es. Es ist Mitleid.
Niemand tröstet mich mehr, das haben sie noch nach den ersten Malen gemacht.
Mittlerweile sehe ich um mich herum nur noch Mitleid.
Mitleid, weil mich alle nach und nach aufgeben.
Immer wieder renne ich zurück und lande am selben Punkt.
,,Ich bin kein Opfer. Ich werde auch niemals eines sein."
Nein, ich bin der springende Punkt. Der Punkt, der alles auslöst, der Schuld trägt.
Ich muss mich ändern, dann wird sich auch alles andere ändern.

Ihre Hand zieht sich von meiner zurück. Ihr Blick verwandelt sich von Mitleid in Wut.
,,Was muss denn noch passieren, damit du das endlich einsiehst?"
Was muss passieren? Dass ich endlich sehe, was alle um mich herum sehen?
Damit ich es mir endlich eingestehe?
,,Ich.. weiß es nicht."
Gerne hätte ich ihn jetzt in Schutz genommen, doch ich weiß, was dann passiert.
Ich hätte sie damit nur verärgert.
Das ist mir in letzter Zeit schon zu oft passiert, dadurch habe ich so viele Freunde, Menschen, die sich um mich sorgen, verloren.
Wieso kann ich mich jetzt anpassen? Wieso schaffe ich es nicht, ihm alles recht zu machen? Kenne ich ihn nicht gut genug?

,,Ich weiß nicht mehr, wie ich dir noch helfen soll und kann. Du musst es selbst einsehen.
Ich gebe mir Mühe, immer für dich da zu sein und ich war immer für dich da."
Sie holt Geld aus ihrer Tasche, so viel, dass es für ihren und meinen Kaffee reicht.
,,Es tut mir leid. Ich muss gehen, aber du darfst dich melden, wenn es wieder passiert."
Bumm.
Das ist der härteste Schlag. Das tut mehr weh als seine Schläge.
Ich kenne dieses Handeln, die taktvollen Worte und das Gehen.
Sie wird nicht mehr auf meine Nachrichten antworten. Sie wird sich nicht mehr melden.
Sie wird einfach gehen.
Sie war die Letzte, die Verbliebene all meiner Freunde.
Ich sollte sie aufhalten, mein Leben ändern, nicht mehr zurück gehen. Keine Angst haben.
Vor dem Alleinsein, denn das ist der Grund, der mich bei ihm hält.
Ironisch, dass ich durch ihn nur alle verliere.

Sie steht auf, greift ihre Tasche und geht.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Celine Malinowski).
Der Beitrag wurde von Celine Malinowski auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Geschichten und Gedichte aus dem Wald. von Eveline Dächer



(Für Kinder von 3 - 9 Jahren)

Hier gibt es Gedichte und Geschichten von Bäumen, Blumen, Pflanzen, von Fuchs und Hase, von Spinnen,+ Käfern, Raupen + Schmetterlingen, Ameisen, Eulen, Fledermäusen, von Gnomen und Elfen, kurz alles was im Wald so kreucht und fleucht , wunderschön mit Wunsch- und Traumbildern illustriert.
Es ist so ein liebens - und lesenswertes Büchlein geworden, dass nicht nur Kinder ihre Freude beim Lesen haben werden.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Zwischenmenschliches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Celine Malinowski

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Mann im Mond von Celine Malinowski (Kinderträume)
Die Nachrichtensprecherin von Norbert Wittke (Zwischenmenschliches)
Meine Schuljahre von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)