Brigitte Waldner

Der Diebstahl des weißen Lammfellimitats


Ich schenkte meiner Mutter in 2007 oder 2008 ein weißes Lammfellimitat,
sie hatte Krebs im fortgeschrittenen Stadium.
Das Fell lag in ihrem Zimmer unbenutzt auf einem Bett.
Ein paar Mal legte sich die Katze darauf.
Sicher wollte meine Mutter das Fell nicht mehr benutzen,
dass es mir neu erhalten blieb,
oder weil sie nicht mehr in der Lage war, es zu benutzen
und die meiste Zeit, von der Chemotherapie stark geschwächt, darniederlag.
Vielleicht dachte sie, dass ich es nach ihrem Tod sonst wegwerfen würde,
und das war ihr einfach zu schade.

Voriges Jahr oder vor zwei Jahren sah ich es beim Räuber-Nachbarn
zum Trocknen über seinem Balkongeländer hängen.
Ich dachte mir, wie immer, jetzt hat er auch so eines wie ich;
ich merkte nicht einmal, wie immer, dass es meines war,
das ich schließlich von meiner Mutter wieder zurückgeerbt hatte.
Als ich das Lammfell jetzt suchte, anlässlich dass eines
bei einem Discounter um 16 Euro angeboten wurde,
meines war teurer, das glaube ich mich zu erinnern,
bemerkte ich erst, dass es mir gestohlen wurde.
Meine Mutter hatte Krebs. Brustkrebs mit Lungenmetastasen.
Sie hustete und hüstelte unaufhörlich jahrelang.
Das Lammfell lag zehn Jahre im seit 2009 unbewohnten Zimmer.
Aber der Nachbar-Räuber grauste sich vor gar nichts und nahm es mit.
Nicht einmal Krebs schreckte ihn ab.

Den Kiwaran erzählte der Seniorräuber laufend,
dass ich völlig meschugge sei im Kopf, aber selber konnte er auch nicht sauber sein.
Wie meschugge muss einer erst sein, wenn er von einer Krebskranken
das Lammfellimitat stiehlt, das zwar neuwertig, aber zehn Jahre alt war?
Wie intelligent müssen erst Kiwara sein, dass sie den Gaunern alles glauben
und den anständigen Menschen nichts?

© Brigitte Waldner

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