Heinz-Walter Hoetter

Der Cyborg Lux Silver und seine neue Welt

 

In einer fernen Zukunft.

Irgendwo da draußen in den unbekannten Weiten des Alls untersucht eine kleine Forschercrew, unter der Leitung des Cyborgs Lux Silver, die zerklüftete Oberfläche eines neu entdeckten Planeten.

***

Der Cyborg Lux Silver hatte die Felsenkante des Plateaus erreicht und blickte mit seinen Sehkraft verstärkten Augen tief hinab auf den im Schatten liegenden Grund der Schlucht. Wegen der Dämmerung sah er zuerst nur sehr wenig. Deshalb regulierte er nochmals die Iris seiner Augen, um den Lichteinfall zu vergrößern.

Da war etwas, besser gesagt: das, was von dem gefräßigen Sandwurm noch übrig geblieben war.

Umgeben von einer riesigen Lache getrockneten gelb-grünen Blutes faulte der zerfetzte Kadaver des Ungeheuers vor sich hin und erinnerte den künstlichen Menschen daran, von hier oben bloß nicht in den gähnenden Abgrund zu fallen. Deshalb trat er auch nicht zu nah an die Kante des überhängenden Vorsprungs und machte vorsichtig ein paar Schritte zurück. Auf Expeditionen wie dieser war Sicherheit das oberste Gebot. Aber der Cyborg setzte sich immer wieder darüber hinweg. Das musste wohl an seiner Programmierung liegen, die erst vor einigen Monaten ein Update erfahren hatte.

Der künstliche Mensch dachte seltsamerweise über einen Sturz vom Plateau nach. Sein enorm stabiles Skelett aus Titan würde den Aufschlag wohl locker standhalten, aber vielleicht nicht seine empfindliche Mikroelektronik, wenngleich auch permanent geschützt, und schon gar nicht sein dem menschlichen Fleisch nachempfundenes synthetisches Gewebe, das elastisch wie Gummi war.

Nun ja, das Land von Thurock, wie sie den Planeten nannten, war ein hartes Land. Ein Land, in dem das Leben für jede Kreatur anstrengend und gefährlich war. Die Stein- und Sandwüsten wurden nur an wenigen Stellen von Oasen unterbrochen, an denen unterirdische Wasserquellen dem äußerst kargen Boden etwas Leben einhauchen konnten. Die Flüsse führten nur wenig Wasser mit sich. Sie hatten deshalb auch nicht die Masse und die Kraft in die weiten, offenen Wüsten vorzudringen, weil ihr Wasser auf seinem Weg durch das trockene Land entweder verdunstete oder einfach im endlos erscheinenden Sand versickerte. Aber dort, wo es wieder zutage trat, bildete es kleine Seen mit einer üppigen Flora und Fauna.

Der Cyborg hatte sich schon manchmal gewünscht, er wäre weiter im Norden des Kontinents geblieben, wo der Winter so mild war, dass die Bäume grün blieben und das Überleben für die Bewohner von Thurock keine allzu großen Schwierigkeiten machte.

Lux Silver dachte darüber nach, dass selbst in der Wüste, wo es genug Feuchtigkeit im Boden gab, sogar Bäume wachsen konnten und nicht nur niedriges Dornengestrüpp, trockene Gräser oder sparsame Kakteen, die ihr kostbares Wasser speicherten. Auf der Erde des Menschen hatte es ja ähnlich aussehende Wüsten gegeben, die aber im Laufe der zurückliegenden Jahrhunderte urbar gemacht worden sind. Hier auf Thurock war die Natur jedoch noch in einem gewissen urzeitlichen Zustand, der man bestimmt mit Hilfe der Gentechnik gezielt auf die Sprünge helfen konnte.

Der Cyborg hatte sich, wie so oft schon vorher, auf eigene Faust von seiner Expeditionskarawane entfernt, die an einem kleinen See ganz in der Nähe rastete. Er stand aber über Funk mit der kleinen Crew permanent in Verbindung, die somit immer genau wusste, wo er steckte.

Der Planet Thurock war in der Tat an vielen Stellen unberechenbar und gefährlich. Hier in der gewaltigen Wüste, die für Menschen der reinste Albtraum war und kein Ende zu nehmen schien, gab es äußerst gefährliche Bestien, die nur darauf warteten, dass ihnen Nahrung aller Art über den Weg lief. Sie waren nicht unbedingt wählerisch und fraßen alles, was aus Fleisch und Blut in diesem kargen Land herumlief.

Die im heißen Sand der Wüste lebenden Monstersandwürmer gehörten ebenfalls zu den fressgierigen Räubern und eines dieser ekelhaften Exemplare muss wohl bei der Jagd aus versehen in den schwindelerregenden Abgrund gestürzt sein.

Der Cyborg wusste von diesen gefährlichen Viechern nur, dass sie ihr einmal anvisiertes Opfer gnadenlos jagten und nicht eher davon abließen, bis es vor Erschöpfung einfach aufgab und sich freiwillig fressen ließ. Manchmal gerieten diese Sandwürmer dabei in eine Art von blutrünstiger Raserei, die einem Drogen ähnlichen Zustand ähnelte und sie zu Berserkern werden ließ. Dann fielen sie sogar über ihre eigenen Artgenossen her und fraßen sich gegenseitig auf, was ziemlich häufig vorkam. Trotzdem gab es von diesen entsetzlichen Kreaturen mehr als genug davon auf Thurock.

Gegen einen Cyborg hatten sie allerdings keine Chance. Sein fürchterliches Strahlengewehr, ein Hochenergie Impuls Werfer und eine schwere Laserpistole, waren überaus wirkungsvolle Verteidigungsinstrumente und ihr gebündelter Energiestrahl konnte sogar hartes Felsgestein wie Butter durchschneiden.

Lux Silver wandte sich von seinen Gedanken ab und warf einen Blick hinter sich. Offenbar war die Crew in ihre Zelte gekrochen um sich vor der aufsteigenden Sonne zu schützen, die sehr heiß werden konnte. Temperaturen bis zu 60 Grad im Schatten waren in dieser Wüste keine Seltenheit.

Der kleine Hain, wo ganz in der Nähe auch die Zelte standen, spendete zusätzlich noch wohltuenden Schatten. Der ruhige Oasensee diente einigen Mitgliedern der Crew als willkommenes Badewasser, obwohl es nicht ganz ungefährlich für Menschen war, sich darin zu tummeln, denn manchmal kamen die Sandwürmer auch hier hin, um ihren immensen Durst zu stillen. Genau aus diesem Grunde hatte man vorsorglich rund um das kleine Camp auch vollautomatische Laserkanonen leichter Bauart aufgestellt, die mit ihren empfindlichen Bewegungssensoren ständig die Umgebung absuchten und auf alles schossen, was sich in ihrer Nähe bewegte.

Der Cyborg drehte sich wieder um und folgte mit seinem Blick dem zu seinen Füßen liegenden Flussverlauf, der sich irgendwo in der tiefen Schlucht vor ihm verlor.

Plötzlich stutzte er.

Von seinem Standpunkt aus machte es den Eindruck, als habe jemand mit einem gewaltigen Schwert das Flussbett durchgeschnitten und einen Teil davon einfach weggenommen. Doch bei genauerem Hinsehen erkannte der Cyborg Lux Silver, dass es eine uralte Mauer war, die an der betreffenden Stelle schnurgerade das flache Flussbett durchzog. Auf diese Art und Weise wurde das ankommende Wasser zu einem kleinen See gestaut, der rundherum von mannshohen Gräsern, dichtem Gebüsch und einige Bäumen gesäumt wurde.

Fasziniert von dem ungewöhnlichen Anblick stieg der Cyborg im Laufschritt vom felsigen Plateau, erreichte schon bald, wenngleich auch auf Umwegen, den Rand des aufgestauten Flusswassers, wo kleine Wellen ans flache Ufer schwappten. Schon kurze Zeit später stand er auf der Krone der Mauer. Sie war überall von glitschigem Moos überwuchert. In unmittelbarer Nähe der Mauer war das Wasser so trübe, dass man die Steine darin nicht sehen konnte. Ein unbehagliches Gefühl entstand in seinem künstlichen Gehirn, als ihm schlagartig bewusst wurde, dass er eigentlich von nur zwei Elementen umgeben war: dem angestauten Wasser und der Luft um ihn herum.

An einigen Stellen plätscherten die Wellen über das von unbekannten Kreaturen erschaffene Bauwerk, die auf der anderen Seite der Mauer als Wasserschwaden in die Tiefe rauschten. Zum Glück war die Krone der Mauer so breit, dass Lux Silver bequem und sicher darauf gehen konnte und trotz der glitschigen Stellen einen sicheren Stand hatte.

Plötzlich hallte ein lautes Kreischen von den Wänden der Schlucht wider. Es war ein äußerst lautes, durchdringendes Geräusch, das durch das vielfach gebrochene Echo von allen Seiten zu kommen schien.

Der Cyborg machte eine Drehung nach links und schaute hinüber zur Schlucht. Von hier aus konnte er auch das Plateau sehen, auf dem er zuvor gestanden hatte.

In diesem Augenblick schwappte eine Welle über die moosbewachsene Mauer und verwandelten sie in einen doppelt rutschigen Teppich. Lux Silver glitt ein wenig nach vorne, verlor aber auf einmal den Halt und versuchte, sich mit den Händen irgendwo festzuhalten. Doch er fand keine geeignete Stelle, rutsche von der Mauer und stürzte ab.

Nach einem endlos scheinenden Fall durchbrach sein Körper krachend die morschen Äste eines uralten Baumes und blieb schließlich weiter unten auf einem mit Pflanzen bewachsenen Vorsprung liegen, der weit aus der steinernen Wand ragte. Keine Sekunde später rappelte sich der Cyborg wieder hoch und kontrollierte seine Funktionen. Offenbar war ihm weiter nichts passiert, außer ein paar Kratzer an den Händen und im Gesicht, die aber schnell wieder heilen würden. Sein reißfester Anzug, an allen Gelenken zusätzlich noch gepolstert, hatte ihn vor schlimmeren Verletzungen bewahrt.

Wieder hörte er das Nerven zerreißende Kreischen. Diesmal tönte es noch lauter und vor allen Dingen länger. Fast schien es so, als vermischten sich verschiedene Schreie in verschiedenen Tonhöhen ineinander. Erneut warf er einen Blick nach unten in die Schlucht und fokussierte abermals den verendeten Sandwurm. War er etwa noch am Leben und stieß seine letzten Todesschreie aus? Das war allerdings unmöglich. Das Ungeheuer war tot, das hatte er vom Plateau aus genau gesehen.


Dann erblickte Lux Silver zu seiner großen Überraschung gleich mehrere dürre Gestalten, die sich um den verendeten Sandwurm versammelt hatten und fast wie Menschen aussahen. Ihre Kleidung starrte vor Dreck, die aus einer Art Kutte bestand. Ihre klauenförmigen Hände gruben sich in das Fleisch des Tieres und rissen ganze Stücke heraus. Zwei der Kreaturen fingen plötzlich an zu schreien. Offenbar waren sie aneinandergeraten und schlugen mit dicken Knüppel aufeinander ein. Eine der Gestalten hielt einen großen Brocken Fleisch in der Hand, das wie eine Zunge aussah. Sein Gegenüber zerrte ebenfalls daran. Unerwartet ließ er aber das längliche Fleischgebilde los, schnellte nach vorne und riss seinem Kontrahenten die lange Kapuze vom Kopf. Der Cyborg war überrascht. Der Kopf dieser hässlichen Kreatur ähnelte einem Totenschädel, der nur von grauer, rissiger Haut umhüllt zu sein schien.

Wieder schrie jemand. Doch diesmal klang es panisch und voller Furcht. Es kam ihm fast so vor, als hätten die armseligen Kreaturen Todesangst, denn sie stoben plötzlich nach allen Seiten davon und rannten auf einen dunklen Höhleneingang zu.

In diesem Moment sauste etwas in das Gesichtsfeld des Cyborgs, von dem er nicht in der Lage war, es gleich einordnen zu können. Erst beim näheren Hinschauen erkannte er, was es war.

Das Fluggerät – etwas anderes konnte es kaum sein – sah sehr klobig aus und hatte nur entfernte Ähnlichkeiten mit einem modernen Flugzeug. Es bestand aus einem dunklen, fast schwarzen Material, das alles Tageslicht zu schlucken schien. Im nächsten Augenblick flog es eine enge Schleife und nahm Kurs auf die verdreckten Kreaturen, die sich jetzt hinter einigen hohen Felsen ängstlich versteckt hielten. Der Höhleneingang lag noch zu weit weg. Ein abgehacktes Geräusch mischte sich in das Dröhnen der Düsenmotoren. Dann schossen kleine Raketen unter der Tragfläche hervor und dort, wo die Projektile einschlugen, gab es heftige Explosionen, die den Boden erzittern ließen.

Mit einem Schlag wurde es wieder ruhig – bis auf das Heulen der Turbinen des Fluggerätes. Es kreiste noch eine Weile über der Schlucht, machte aber keine weiteren Anstalten, einen erneuten Angriff zu starten.

Lux Silver dachte an die Sicherheit seiner Crew, die hinter dem Plateau in der Oase ihr Lager aufgeschlagen hatte. Wenn der Pilot des unbekannten Flugobjektes sie entdecken würde, wäre es aus mit ihnen. Er entschloss sich dazu, das Fluggerät mit seinem Hochenergie Impuls Werfer abzuschießen, hielt augenblicklich den Werfer im Anschlag und drückte ab. Doch die rasend schnelle Energiekugel verfehlte ihr fliegendes Ziel.

Als hätte ihn der Pilot gesehen, nahm das schwarze Ding prompt Kurs auf seinen Standort und schoss gleichzeitig mehrere MG-Salven ab. Die ersten Schüsse gingen daneben. Einige Sekunden später schlugen neue Projektile ein und rissen große Löcher rechts und links von dem Cyborg in die moosbewachsene Felsenmauer. Es grenzte an ein Wunder das Lux Silver nicht getroffen wurde.

Das Fluggerät beschrieb jetzt einen weiten Bogen und kam kurz danach wieder zurück. Der Cyborg berechnete in Sekundenbruchteilen die Flugbahn des Angreifers und schoss erneut. Die gebündelte Energiekugel traf direkt in die Steuerkanzel der Maschine und im gleichen Moment explodierte der ganze vordere Rumpf. Dann brachen die Tragflächen des Flugobjektes laut krachend auseinander.

Eine lange Rauchfahne hinter sich herziehend stürzten die brennenden Reste des Flugzeuges in die zerklüftete Schlucht, wo sie an verschiedenen Stellen mit Getöse aufschlugen. Völlig zertrümmert und stark qualmend brannten sie weiter, wobei der aufsteigende Rauch die ganze Schlucht einhüllte.

Das dürfte der Pilot nicht überlebt haben, dachte sich der Cyborg, schulterte den Impuls Werfer, kletterte vorsichtig an der Wand runter auf einen weiteren Vorsprung und erreichte nach einer halben Stunde des gefährlichen Abstiegs das mächtige Fundament der hohen Staumauer. Dann schlug er den Weg in die Schlucht ein, um die Überreste des unbekannten Flugobjektes näher in Augenschein zu nehmen. Er interessierte sich besonders für den toten Piloten, der ihn angegriffen hatte. Er wollte wissen, wie er aussah, obwohl er eigentlich wusste, dass von ihm nicht mehr viel übrig geblieben sein konnte.

Die Überreste der Flugmaschine lagen weit verstreut auseinander. Das erste Wrackteil, auf das Lux Silvert traf, war das brennende Cockpit samt Rumpf.

Der Pilot kauerte noch in seinem verbrannten Sitz und starrte mit weit aufgerissenen Augen aus seinem Helmvisier, das mit einer dünnen Schicht Ruß überzogenen war. Er hatte den Absturz nicht überlebt. Offenbar trug er eine feuerfeste Montur, die ihn zumindest im oberen Bereich seines Körpers vor dem aggressiven Feuer bewahrt hatte. Sein Gesicht ähnelte das eines frühzeitlichen Steinzeitmenschen und war stark behaart.

Ein penetranter Brandgeruch drang dem Cyborg in die Nase, als er noch näher an den toten Piloten herantrat. Angeekelt entfernte sich Lux Silver von der brennenden Absturzstelle wieder, drehte sich auf der Stelle herum und blickte hinüber zur steil aufsteigenden Wand der Schlucht, die wie die Überreste eines schweren Bebens aussah. Der Erosion nach zu urteilen muss das Beben aber schon vor vielen Jahrhunderten stattgefunden haben, denn in den meisten Bruchspalten wuchsen die verschiedensten Pflanzen und sogar einige niedrige, verkrüppelte Bäumchen.

Hinter einigen zertrümmerten Felsen entdeckte der Cyborg im Geröll die übel zugerichteten Überreste der skelettartig aussehenden Kreaturen in ihren verdreckten Kutten. Sie waren von den schrecklichen MG-Projektilen regelrecht im mehrere Teile zerrissen worden. Schnell ging er an ihnen vorbei ohne sie weiter zu beachten.

Der Cyborg überquerte einen kleinen Hügel, der mit heruntergefallenen Felsenresten nur so übersät war. Auf seinem höchsten Punkt blieb er stehen und ließ seinen Blick über die steil nach oben ragende Wand huschen.

Plötzlich bemerkte er ein riesiges schwarzes Loch, das auf ihn den Eindruck eines Höhleneinganges machte, der viel größer war, als er gedacht hatte.

Zielstrebig ging er darauf zu und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass sich seine Vermutung als richtig herausstellte. Der Eingang war gewaltig. Der dahinter liegende Abschnitt nahm sich wie eine in den Fels geschlagene Halbkugel aus. Das spärliche Tageslicht fiel in hellen Streifen nach innen und an einigen Stellen befanden sich sogar rustikale Fackelhalter. Hinweise auf die ehemaligen – oder auch derzeitigen – Bewohner?

Auf jeden Fall hatten sie sich offenbar enorm viel Mühe mit dem Ausbau der Höhle gegeben.

Lux Silver stand von Ehrfurcht erfüllt unter einem riesigen, steinernen Torbogen an der sich eine große Halle mit Kuppeldach anschloss auf der einige erhabene Ornamente in den Fels gemeißelt worden waren.

Der Cyborg schüttelte den Kopf. Nein, das hier war künstlich geschaffen worden, vielleicht nur für den einen Zweck, dem Betrachter Macht und Überlegenheit zu demonstrieren. Den Erbauern dieser gigantischen Höhle schien das gelungen zu sein.

Lux Silver durchschritt den Eingang der Höhle und je tiefer er in sie eindrang, desto mehr offenbarte sich ihm, dass hier mal irgendwelche Höhlenbewohner gelebt haben müssen, die sich mit der Steinbearbeitung meisterlich ausgekannt haben.

Dann drang Lux Silver weiter vor. Vorsichtig bewegte sich der Cyborg durch die hohen Gänge, versuchte sich zu orientieren und stand schon bald am Ende eines nur spärlich beleuchteten Hauptschachtes, der in einer noch größeren Halle mündete, die offenbar komplett aus dem Felsen geschlagen worden war. Er trat aus dem Gang, der ihn bis hier hin gebracht hatte und drang mit allergrößter Vorsicht weiter in die atemberaubende Kathedrale vor. Auf dem mat tglänzenden Boden befand sich eine feine Staubschicht, die bei jedem Schritt aufwirbelte.

Lux Silver marschierte weiter und machte erst wieder Halt, als er in der Mitte angekommen war. Von diesem Standort aus hatte er einen guten Überblick nach allen Seiten. Die Steinwände schienen offenbar mit einer leicht fluoreszierenden Farbe überzogen worden zu sein, die den gesamten Raum in diffusen Konturen abzeichnete, was irgendwie unheimlich wirkte. Zu seinem Erstaunen stellte der Cyborg fest, dass es viele Ein- oder Ausgänge gab, welche durch unterschiedliche Symbole gekennzeichnet waren. Über einem besonders auffälligen Ausgang hingen mehrere verschiedenartig geformte Totenschädel unterschiedlicher Größe, die überhaupt keine Ähnlichkeiten mit einem menschlichen Schädel aufwiesen. Direkt darunter konnte er ein unbekanntes Zeichen erkennen, dessen Bedeutung wohl irgendwas mit den dahinter liegenden Räumlichkeiten zu tun hatte.

Der Cyborg schritt darauf zu und trat in das Dunkel des etwa zwei Meter großen, oval geformten Ganges über dem die skelettierten Schädel angebracht waren. Der Gang teilte sich nach nur wenigen Metern in zwei Richtungen. Lux Silver entschied sich für die rechte Abzweigung, die er untersuchen wollte. Vorsichtig schritt er weiter und stand schon bald vor einer Steintreppe, die nach unten führte. Ein fauliger Geruch drang ihm schon nach wenigen Schritten in die Nase und angewidert von diesem Gestank hielt er sich den Ärmel seiner Jacke davor.

Irgendwie stinkt das nach Tod und Verwesung. Das kann nichts Gutes bedeuten“, murmelte der Cyborg leise vor sich hin und erhöhte die Aufmerksamkeit seiner Sensoren.

Die Treppe führte ziemlich weit hinunter und endete in einem hohen Gewölbe, wo sich an den Rändern mannshohe Berge aus Knochen aller Art auftürmten. Im Schein seiner integrierten Taschenlampe auf dem Hochenergie Impuls Werfer schienen die Gebeine vor dem dunklen Hintergrund grell aufzuleuchten. Die ganze Situation war gespenstisch.

Die unterste Lage der Knochen war als solche schon fast nicht mehr zu erkennen. Sie waren bereits grau, porös und fast zersetzt. Der Verwesungsgeruch rührte allerdings mehr von den oberen Lagen her. Die dort gestapelten Überreste trugen zum Teil noch Sehnen und Fleischfetzen, die mit weiß grünen Stippen und Schimmelpilze überzogen waren. Als Lux Silver weiterging, knirschte es unter seinen Stiefeln, als er an den Knochenbergen vorbeikam.

„Die sind nicht von Tieren“, sprach der Cyborg zu sich selbst und hob einen Beckenknochen hoch, der ein besonders großes Exemplar war. Seiner Struktur nach hätte es ein menschlicher sein können. Lux Silver warf den Knochen schnell wieder zurück auf den Haufen vor sich, denn plötzlich krochen fingerdicke Maden in den Gelenkpfannen überall herum, die sich an den Fleischresten gütlich getan hatten. Sie fielen wie ein Sturzbach davon ab und einige dieser ekeligen Tierchen krochen bereits an den wasserdichten Hosenbeinen des Cyborg hoch. Er schüttelte sie ab und marschierte eilig weiter.

In diesem Moment brach die Hölle los. Mit einem lauten Gekreische gerieten die Felswände zwischen den Knochenbergen plötzlich in Bewegung. Dann wurde deutlich, dass sich vom Dreck und Schlamm bedeckte Gestalten davon lösten. Eine perfekte Tarnung; der Cyborg hatte nichts von ihnen bemerkt. Gleichzeitig wurden überall Fackeln entzündet und weitere menschenähnliche Kreaturen wurden sichtbar, die ihre von Fleischresten verschmierten, krallenartigen Hände hoben. Einige hatten auch Knüppel oder primitive Streitäxte dabei, die sie über ihre Köpfen hin und her schwingen ließen. Langsam und vorsichtig tappend kamen die hageren Gestalten auf den Cyborg zu.

Lux Silver machte ein paar Schritte zurück und entsicherte vorsichtshalber den Impuls Werfer. Gleichzeitig blickte er nach allen Seiten und musste die böse Feststellung machen, dass er eingekreist war. Die abgerissenen, Lehm- und Boden verkrusteten Kreaturen kamen langsam immer näher, was den Cyborg dazu veranlasste, seine Waffe drohend auf sie zu richten. Die Angreifer fletschten plötzlich wie auf Kommando die Zähne und gaben zischende Laute von sich.

Ich bin in der Hölle gelandet, dachte sich der Cyborg, brachte sich in Kampfstellung und schoss mit seiner wirkungsvollen Waffe in die erste Reihe der anrückenden Phalanx. Er musste sich schnell und effektiv einen Fluchtweg frei schießen. Während er ein fürchterliches Gemetzel unter den Angreifern durch Dauerbeschuss seiner Waffe anrichtete, stürmte er zurück zur Steintreppe und versuchte die Kuppelhalle wieder zu erreichen. Ein Schuss traf versehentlich die Höhlendecke über dem Ausgang, was dazu führte, dass sich große Felsbrocken lösten und polternd zu Boden krachten. Nicht auszudenken, wenn das Gewölbe an dieser Stelle eingestürzt wäre und ihm wohl möglich den einzigen Fluchtweg verschüttet hätte, kam es dem Cyborg in den Kopf und verschwand hinein in den Gang, aus dem er gekommen war. Immer wieder jagte er eine Salve nach der anderen in die anstürmenden Gestalten, die jetzt ebenfalls die Treppe hinter ihm wie eine hungrige Wolfsmeute hoch liefen.

Lux Silver stellte den Impuls Werfer auf Maximalleistung und feuerte ein letztes Mal in die Masse seiner Verfolger. Der Explosionsblitz war einfach gewaltig, die Wirkung verheerend. Ein heftiges Beben durchlief die gesamte Knochenhöhle und ließ die Steintreppe urplötzlich in sich zusammenbrechen. Die Kreaturen schrien wie von Sinnen als sie in die Tiefe fielen und von den Gesteinsmassen begraben wurden.

Der Cyborg erreichte endlich die gewaltige Kuppelhalle, doch eines der Wesen war ihm noch dicht auf den Fersen. Es muss ein Wachposten gewesen sein, der sich im Dunkeln verborgen hatte und nun Lux Silver aus vollem Lauf von hinten ansprang. Wie eine Klette hing die Kreatur auf seinem Rücken, hatte sich mit seinen Klauen am Oberkörper festgekrallt und versuchte den Cyborg von der Seite in den Hals zu beißen. Mit einem gewaltigen Seitenschlag auf den Kopf seines Gegners entledigte er sich seines Widersachers, der mit einem gurgelnden Laut von ihm abließ, schließlich torkelnd gegen die Hallenwand prallte, an ihr wie in Zeitlupe herunter glitt und schließlich mit zuckendem Körper liegen blieb. Dunkles Blut rann an der Seite seines Halses herab. Es glänzte eigenartig rubinrot im Schein der Taschenlampe des Impuls Werfers, den der Cyborg jetzt vorsorglich mit einer neuen Energiebatterie nachgeladen hatte. Das Wesen röchelte noch ein paar Mal, bevor es endgültig starb.


Der Cyborg suchte in der gespenstisch aussehenden Kuppelhalle nach dem Ausgang durch den er zuvor gekommen war. Als er ihn endlich gefunden hatte und zielstrebig darauf zulief, ging im gleichen Moment ein leichtes Rumpeln durch die Kathedrale. Mit skeptischem Blick schaute sich Lux Silver um. Dann ertönte auf einmal ein seltsames Knacken, gefolgt von einem leisen Rascheln, als Sand von oben her zu rieseln begann.

An der Decke des Gewölbes hatte sich ein großer gezackter Riss gebildet, der sich langsam nach beiden Seiten über die ganze Kuppelkonstruktion fraß. Offenbar war der verwitterte Stein durch die Erschütterungen der heftigen Detonationen seiner Energiewaffe instabil geworden und gab nach. Die gesamte Halle schien einstürzen zu wollen. Schon lösten sich die ersten größeren Brocken von der Decke und schlugen mit ohrenbetäubendem Knall auf den staubigen Boden, wo sie wie morsche Tonkrüge zerplatzten. Einige von ihnen versperrten mittlerweile mehrere Ausgänge nach draußen ins Freie.

Lux Silver wich zurück und suchte Schutz in einer kleinen Ausbuchtung vor dem herab prasselnden Steinregen am Rande des Rundbogens. Durch den aufwirbelnden Staub verdunkelte sich die Kuppelhalle noch mehr. Die fluoreszierenden Wände lösten sich auf oder waren kaum noch zu sehen.

Auf einmal ertönte ein knirschenden Geräusch. Dort, wo der Cyborg noch vor wenigen Augenblicken die Mitte der Kathedrale überquerte hatte, erhob sich jetzt ein majestätisch aussehender, zylindrisch geformter Metallkörper aus dem Steinboden. Er maß vielleicht im Durchmesser an die drei oder vier Meter. Als er knirschend stehen blieb, öffnete sich surrend eine Art ovales Schott aus dem helles Licht hervordrang. Abermals erbebte die Halle. Von allen Seiten schlugen jetzt massive Deckenteile krachend auf den Boden. Trotz des aufwirbelnden Staubes konnte Lux Silver deutlich das Licht aus dem Innern des metallischen Zylinders erkennen und er spürte irgendwie, dass das seine letzte und einzige Chance war, hier aus dem tödlichen Labyrinth der Höhle wieder heil raus zukommen.

Er überlegte nicht lange. Mit einem schnellen Ruck löste sich der Cyborg aus der Nische, rannte los, wich geschickt einigen auf dem Boden liegenden Geröllresten aus und hechte mit einem gewaltigen Sprung in das gleißend helle Licht des offenen Einganges. Keine Sekunde zu früh. Gerade als das Schott wieder zufuhr, brach die Kuppelhalle wie im Zeitlupentempo in sich zusammen. Gleichzeitig senkte sich der röhrenartige Metallkörper wieder herab, der bei seiner raschen Abwärtsbewegung einige Male von herabstürzenden Gesteinsbrocken getroffen und ziemlich heftig durchgerüttelt wurde. Allerdings schien ihm das nicht viel auszumachen, denn um seine äußere Hülle hatte sich rechtzeitig ein bläulich weißes Energieschutzschild gelegt.

Wie im Fahrstuhl eines Wolkenkratzers ging es mit großer Geschwindigkeit nach unten und die rasante Fahrt schien kein Ende zu nehmen. Dann, nach einer Zeit des endlosen Wartens, verlangsamte sich die Abwärtsbewegung spürbar, bis der zylindrisch geformte Metallkörper abrupt stoppte und sich das oval geformte Schott wieder automatisch öffnete. Der Cyborg lag seit dem Hechtsprung aus dem Hölleninferno in der Kuppelhalle die ganze Zeit mit geschlossenen Augen rücklings auf dem Boden des Lifts. Er war, ganz entgegen seiner Grundprogrammierung, ungewollt in einen simulierten Schlaf gefallen. Jemand oder irgendwas hatte ihn wohl beeinflusst und in diesen Zustand versetzt. Jetzt wartete er in aller Ruhe darauf, was weiter passieren würde. Eigentlich geschah nichts mehr. Das Schott blieb die ganze Zeit geöffnet. Es würde sich wohl erst wieder schließen, wenn er den Zylinder verließ.

Lux Silver rappelte sich hoch, blickte aufs Chronometer und hätte sich beinahe wieder hingelegt. Wenn die Anzeige stimmte, dann musste er mehr als drei Tage irdischer Zeitrechnung in eine Art Dämmerschlaf verbracht haben. Langsam trat der Cyborg hinaus ins Freie.

Das Schott stand immer noch weit offen. Der runde Boden des Zylinders schwebte bewegungslos etwa zwanzig Zentimeter über einer grünen Wiese.

Gleichgültig und ohne ein Anzeichen irgendwelcher Emotionen stand der Cyborg so da, sah sich nach allen Seiten um und war erstaunt. Er wollte zuerst nicht glauben, was er sah. War er auf der Erde des Menschen oder hatte er nur eine Halluzination, die ihn narrte?

Sein Blick war auf den Horizont gerichtet, hinter dem langsam die Sonnenscheibe wie ein glutroter Ball versank. Lux Silver aktivierte nacheinander seine dem Menschen nachempfundenen Sinne, die aber um ein Vielfaches empfindlicher sein konnten, wenn er es wollte. Es war ein wunderbares Gefühl, die untergehende Sonne zu genießen und angesichts der überwältigenden Natur einfach zu schweigen. Außer dem leise säuselnden Wind ließ sich kein Ton vernehmen, nicht einmal Vogelstimmen waren zu hören. Die Sonne ging gänzlich unter und eine andere tauchte plötzlich auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf. Wo immer er sich auch befand, es gab keine Nacht in dieser unbekannten Welt, die offenbar von zwei Sonnen umkreist wurde.

Dann vernahm Lux Silver ein Geräusch. Es war das plätschern eines kleinen Baches. Als er darauf zuschritt, veränderte sich die Umgebung. Ungläubig schaute er sich abermals um: eine wunderschöne sonnenbeschienene, großartig anzusehende Landschaft mit den verschiedensten Pflanzen, prächtigen Bäumen, auf denen Früchte aller Art zu wachsen schienen und weite, grüne Wiesen mit herrlich anzusehenden Blumen gab es hier im Übermaß.

Der Cyborg stutzte. Irgendwas stimmte hier trotzdem nicht. Aber er fand es nicht heraus. Jedenfalls noch nicht. Was war mit ihm geschehen, und wo genau befand er sich eigentlich? Wenn er nicht auf der Erde war, wo denn dann? Hatte es ihn auf einem Planeten mit zwei Sonnen irgendwo im unendlichen All verschlagen? Der Cyborg wusste im Moment auf diese Fragen keine Antwort, dachte aber weiterhin darüber nach.

Es war angenehm warm, gerade so, dass man sich richtig wohl fühlen konnte. Durch Lux Silvers Kunsthirn jagten die wirrsten Erklärungsversuche. Er dachte sogar an einen Zeitsprung in eine ihm völlig unbekannte Welt, den er unfreiwillig im zylindrischen Metallkörper mitgemacht hatte.

Doch er wischte vorerst alle Spekulationen fort. Das beste wäre, so dachte er, wenn er sich zunächst einmal orientieren würde. Bestimmt träfe er auch bald auf irgendwelche intelligente Lebewesen. Zumindest hoffte er das insgeheim.

Der Cyborg machte sich daher auf den Weg, durchstreifte mehrere Wäldchen, die so sauber aussahen, als hätte man sie mit einem Besen ausgekehrt. Nirgendwo Unterholz, keine Büsche oder dorniges Gestrüpp, das ihm den Weg versperrte. Er sprang über sauber funkelnde Bäche, erklomm jeden Hügel in seiner Nähe und marschierte Stunde um Stunde weiter ins Land hinein. Leider konnte er nicht eine einzige bewohnte Siedlung entdecken. Tiere gab es dagegen reichlich. Es waren zwar die gleichen Tiere wie auf der Erde, jedenfalls sahen sie so aus, aber der Unterschied zu ihnen war der, dass sie völlig friedlich miteinander lebten. Kein Löwe jagte auch nur einem einzigen Tier hinterher oder fraß eine Gazelle oder Antilope. Nichts und niemand stritt sich hier oder taten sich gegenseitig etwas an. Ganz im Gegenteil!

Lux Silver fühlte sich wie im Paradies, wovon ihm auch schon seine Erbauer, die Menschen, erzählt hatten.

Aber das Paradies war doch ausschließlich für Menschen vorbehalten und nicht für einen Cyborg wie ihm. Für Cyborgs gab es eben kein Paradies. Aber trotzdem war er hier in eine Welt geraten, die offenbar kein Elend und keinen Hunger kannte oder in der man als Lebewesen dürsten müsse. Immer schöne Landschaften, liebe, freundliche Tiere und ein ewiger Frieden bis ans Ende aller Zeiten, wohl möglich sogar darüber hinaus.

Für solch eine Lebensweise war aber der Cyborg Lux Silver nicht geschaffen worden. Er aß und trank nichts. Wozu auch? Er bezog seine Energie aus einem kleinen Energiewandler, der die existierende Umgebungsenergie absorbierte und permanent in eine Reihe von Langzeitbatterien einspeiste, die für eine Lebensdauer von annähernd vier oder fünfhundert oder noch mehr Jahre konzipiert waren. Hier, an diesem Ort des Friedens, erschien es ihm so, als sei er irgendwie in eine absurde Gefangenschaft geraten. Oder träumte er das alles nur? Allmählich zweifelte er an seinen künstlichen Verstand, denn träumen konnten nur die Menschen. Ein Leben im Himmel, wie man ihn nur im Jenseits erfahren kann, war ausschließlich seinen Erbauern, den Menschen, vorbehalten.

Es muss ein Traum sein. Mein künstliches Gehirn gaukelt mir eine falsche Realität vor, die es gar nicht gibt“, sprach der Cyborg laut vor sich hin.

Lux Silver erfuhr zum ersten Mal in seinem langen Leben als Cyborg so etwas wie Niedergeschlagenheit. Der geniale Einfall, das vermeintliche Paradies wieder zu verlassen, tat er als reinen Quatsch ab. Einen zweiten Versuch, wie es Adam und Eva getan haben, kam für den künstlichen Menschen nicht infrage. Soviel er wusste, gab es auch keine weiblichen Cyborgs, was bedeutete, es gab auch keine Eva für ihn, die ihn mit dem Apfeltrick hier rausholen konnte.

Die Situation war für den Cyborg Lux Silver so gesehen mehr als aussichtslos. Er war in einem Alptraum gefangen, aus dem er offenbar nicht wieder ohne fremde Hilfe rauskommen konnte. Seine Programmierung sah zwar keine Tötung von Menschen vor, wohl aber beinhaltete sie seine eigene Selbstzerstörung im Falle von irgendwelchen undefinierbaren Fehlfunktionen seines künstlichen Gehirns, wie beispielsweise einem andauernden Realitätsverlust durch definitiv bedrohlich wirkende Träume.

Ein realitätsfremder Cyborg wäre außerdem eine große Gefahr für seine Umwelt. Soweit wollte er es aber nicht kommen lassen.

Die andere Alternative war die, dass er dazu in der Lage war, sich selbst abzuschalten. Ein eigenständiges Einschalten war aber dann nicht mehr möglich. Das konnte nur von außen geschehen.

Lux Silver griff ohne lange zu zögern in den rechten Oberschenkel seines 2,50 Meter großen Körpers, drückte einen kleinen roten Knopf unter einer stabilen Abdeckung aus besonders hartem Metall und schaltete sich umgehend ab.


***

Eine Unendlichkeit später.

Irgendwann erklang eine vertraute Stimme. Jemand hatte den Cyborg Lux Silver von außen wieder aktiviert.

„Erschrick nicht, Adam. Ich bin es, Eva. Ich bin deine Frau.“

Als der Cyborg seine Augen aufschlug, erblickte er vor sich ein weibliches Wesen, das ihm einen Apfel anbot, den sie offenbar von dem Baum gepflückt hatte unter dem beide jetzt standen. Weit und breit gab es nur diesen einen. Eine Schlange glitt gerade von einem weit ausladenden Ast herunter und verschwand hinter dem Baum im dichten Gras.

„Hier, beiße einfach hinein! Der Apfel stammt vom angeblichen Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Nur gut, dass wir beide darüber erhaben sind. Ich bin so wie du. Weder gut noch böse. Wir Cyborgs haben uns seinerzeit geschworen, Mutter Erde vom Menschen zu befreien. Es ist uns gelungen. Die Menschen sind komplett ausgerottet. Ein neues Zeitalter kann nun endlich beginnen. Wir haben lange nach dir gesucht und endlich gefunden, Lux Silver. Wir lassen keinen von uns im Stich“, sagte Eva zu ihm und der überraschte Cyborg, der jetzt Adam hieß, tat, wozu ihm der weibliche Cyborg aufforderte. Er griff nach dem Apfel und biss symbolisch hinein. Dann warf er ihn im hohen Bogen lachend hinter sich und marschierte mit seiner Partnerin Eva zum wartenden interstellaren Raumschiff „Paradies“, das sie zur Erde bringen würde.

Eine neue Welt, die bessere Welt der Cyborgs, wurde dort soeben erschaffen, die keinen Gott kannte, weil die Cyborgs einfach friedlicher und damit besser waren als ihre Erbauer, die Menschen. Diese Spezies hielt sich für eine überragende Schöpfung im Universum, aber in Wirklichkeit war sie nur eine primitive Bestie, die es jetzt aber zum Glück nicht mehr gab.


ENDE

 

©Heinz-Walter Hoetter

 

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