Brigitte Waldner

Roma oder Sinti als Nachbarn


Roma und Sinti sind heute kein fahrendes Volk mehr,
sie sind sesshaft und haben schönste Häuser,
die meisten von ihnen sind anständige Leute,
die das Leben ohne Straftaten bewältigen.
Ihre Herkunft aus Zentralindien merkt man ihnen
an ihrer dunkleren Hautfarbe und an Gesichtszügen an,
die man als derb oder grobschlächtig beschreiben könnte,
Ihre Sprache, Romanes, sprechen sie nicht mehr.

Rudi, der Räuberssohn der siebenköpfigen Romafamilie,
lernte das Einbrechen und Stehlen als Kind bei seinem Vater.
Es ist sein Bestreben, auf Kosten anderer zu leben,
was auch gelingt mit Hilfe der Kiwarei,
die gegen ihn und seinen Räuberklan unter keinen Umständen vorgeht,
egal was sie hier anstellen: Plündern, rauben, stehlen,
alles manipulieren, Abwasser in fremde Gärten einbringen,
in private Wasserleitungen Abwässer einleiten,

private Wasserquellen ableiten und für immer entwenden
mit Hilfe erschlichener Hinterrücksgenehmigungen bei der Gemeinde,
Abwasserrohre in Nachbarkeller öffnen,  fremde Keller unter Wasser setzen,
Körperverletzungen, dass man voller blauer Flecken ist, ins Gesicht sprühen,
fremde und eigene Sachen und Bäume beschädigen
und die Sachschäden der Nachbarin unterstellen,
dass sie für die Reparaturen nicht nur aufkommen muss,
sondern auch noch unschuldigerweise strafrechtlich verfolgt wird,

bevorzugt zuerst Schlüssel stehlen, zum spurlosen Einbrechen
und dann auch noch die Lebensmittel in fremden Küchen vergiften,
dass man als Opfer erst mal eine Zeit lang ahnungslos betäubt ist,
nicht weiß, was los ist und sich nicht einmal wehren kann.
Rudis Mutter passt auf, das niemand was sieht
und übernimmt noch im Garten die Beute.
Darauf angesprochen, dass sie beim Raub von Zeugen gesehen wurden,
sagen sie und ihre Tochter: „Das bildest du dir ein,

du brauchst eine psychologische Beratung.“
Seit 1931 hier zugezogen, hält der Räuberklan zusammen
und bildet bereits die 5. Generation zum Stehlen aus,
sie heißt Levi und ist zwölf Jahre alt.
Früher spielte Rudis Räubervater Gerhard Gitarre und Schlagzeug,
ein Video kann man auf Youtube sehen,
das Jagdhorn blies er als Jäger bis ins hohe Alter.
Aber Rudi und seine Geschwister spielten keine Instrumente.

Während Siegfried aus der zweiten Generation
noch häufig Gefängnisstrafen absitzen musste,
gelang es den folgenden Generationen,
lebenslänglich frei von strafrechtlicher Verfolgung zu bleiben,
obwohl sie die schwereren Taten begingen als Siegfried,
aber die Kiwarei ging gegen sie nicht mehr vor.
Sie konnten stehlen wo und was sie wollten,
auch Schafe, Lämmer, Ziegen, Kälber, Wild und Brennholz.

Wer weiß schon, wie viele Plünderungen und Vergiftungen
alter Leute mit langfristigen Todesfolgen sie mutmaßlich am Gewissen haben?
Was sie wissen wollten, erfragten sie freundlichst
und nutzten es hinterrücks zum Plündern. Spuren verwischten sie sorgfältig.
Wenn sie zu Besuch kam, sagte Gerhards Mutter häufig:
„Gebt mir nichts mit, sie nehmen mir immer alles weg.
Für Gerhard kann ich keine Garantie geben.“
Aber vor ihr selber war gar nichts sicher.

Es war so verrückt, als hätte in jedem das Räubergen gesteckt,
das von Generation zu Generation weitervererbt wurde.
Jedes Vertrauen wurde erschlichen und hinterrücks genutzt,
das Opfer zu misshandeln und fremdes Gut zu stehlen.
Wenn man den Räuber erwischte, wurde früher entschuldigt und Besserung gelobt,
und später wurde attackiert, provoziert und bedroht,
verleumdet und mit Spray gesprüht oder scharf geschossen.
Rief man die Kiwarei zu Hilfe, wurde man mit aus der Luft gegriffenen Anzeigen

beschäftigt, finanziell ruiniert, abgewehrt und ruhiggestellt,
damit die siebenköpfige Hydra narrenfreie Hand hatte,
ihrem Hobby, dem erpresserischen Raub und der Plünderei
in Nachbarhäusern in aller Ruhe nachzugehen.
Tragisch war, dass den Gaunern alles geglaubt wurde
und die Opfer als nicht glaubwürdig abgewimmelt wurden.
Die Kiwarei hatte ihre Vorschriften, die sie befolgen musste,
die Taten der örtlichen Roma und Sinti zu dulden, die sie leugneten.

Je schwerer die Taten wurden, umso mehr Normalität räumte man ihnen ein,
so änderten sich die Zeiten innerhalb von fünf Generationen.
Gegen sie vorzugehen, wurde unmöglich gemacht.
Man musste sich von den Räubern alles gefallen lassen,
wenn man nicht als verrückt in einer psychiatrischen Einrichtung landen
und niedergespritzt werden wollte, wo man mit Elektroschocks
zurechtgebracht wurde, von seinen Anschuldigungen abzusehen
und an die Räuberfamilie eine finanzielle Entschädigung zu bezahlen.

Man war beraubt, geplündert, sachbeschädigt und vergiftet,
man hatte alle Angehörigen innerhalb kurzer Zeit verloren
durch plötzliche Krankheit und Tod,
man hat ein Haus verkauft, der Großteil des Geldes wurde geraubt,
aber man musste eine finanzielle Entschädigung an die Räuber bezahlen,
dafür, dass sie das alles höchst kriminell und organisiert bewerkstelligt hatten,
man glaubt, was Schlimmeres könnte nicht mehr folgen,
aber, es kann sich noch steigern, es kann noch schlimmer kommen,

man kann weiterhin terrorisiert werden und man kann nichts dagegen machen,
man kann sogar umgebracht werden. Es würde als Unfall oder Suizid durchgehen.
Gegen eine gutorganisierte siebenköpfige Hydra,
die unter den Kiwaran Freunde hat, kommt man nicht an.
Da ist es besser, man packt seine Sachen und zieht um,
in eine Gegend, wohin die Räuber nicht mehr folgen können.
Am sichersten wäre man auf einer unbewohnten philippinischen Insel.
Von Nachbarn geschädigt zu werden, die Roma sind, ist nicht abstellbarer Terror.

© Brigitte Waldner

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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