Inge Offermann

Eisvogel am Federbach

Blassblau wölbte sich der Februarhimmel über gelbbraunen Wiesen, schlanken Pappeln und braunen Äckern. Auf dem Friedhof blühten wächsern Christrosen unter Azaleen und ein Häher rätschte in einer dichtbenadelten Silbertanne. Einige Wintergänseblümchen duckten sich zwischen Halmen und gelbe Krokuskerzen deuteten den nahenden Vorfrühling an. Der Wind spielte im Bachschilf und umschmeichelte die alte Trauerweide in der Nähe der Kapelle. Tief neigten sich dunkle Brombeerranken zum Dorfbach, unter denen sich ein schwarzes Teichhuhn hervorwagte. Plötzlich schimmerte etwas türkisgrünblau zwischen den Ranken im Licht. Ein Eisvogel wippte hin und her, hüpfte von Ranke zu Ranke und schnellte zum Back, kehrte jedoch ohne Fisch im Schnabel wieder auf einen Zweig zurück. Mehrmals wechselte er die Stellung, stets zum Wasser äugend, bis sich kräuselnde Wellen einen der Brücke sich nähernden Nutria ankündigten. Das reichte dem Eisvogel. Blitzschnell entschwand der gefiederte Smaragd ins Ufergehölz. Der Bach hatte sich als unergiebiges Fischrevier erwiesen und der dort siedelnde Nutria als Störenfried, welcher auch noch das Teichhuhn vertrieb. Immerhin war dies der erste und einzige Eisvogel, den ich erblickt hatte und dazu noch an einem Dorfbach, an dessen eines Ufer Gärten und Häuser grenzten. Ein türkisenes Winterwunder.

© Inge Offermann

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