Thomas Klein

die höllenmaschine

Die Höllenmaschine

 

Wenn diese ganze Plackerei endlich ein Ende haben würde, wollte Wojciech eine schöne Reise machen.

Der Fahrtwind im Süden würde ihn sanft umwehen und wenn er die Adria erreicht hätte, sollte ihn das Meeresrauschen für die langen Jahre im Lärm und Dreck entschädigen.

Als Fluchtfahrzeug sollte ein Motorrad dienen.

Als ich ihn das erste Mal daran schrauben sah, sagte ich scherzhaft:

 

Wer hat sich denn damit totgefahren?“

 

Wojciech lachte nicht...

 

Er zerlegte es komplett. Wojciech war ein technisches Genie.

Das machte ihn hier in unserem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen unentbehrlich.

Unser Chef war ein Schinder, der bei jeder Bauernversammlung damit prahlte, daß seine Trecker nur zum Tanken stillstünden.

Oder eben, wenn Reparaturen fällig waren. Wojciech mußte oft ganze Nächte durcharbeiten und ich fragte mich, wie lange ein Mensch das durchhalten kann.

 

Trotzdem gelang es ihm, seine Maschine neu zu erschaffen. Er hatte den Motor überholt, die Vergaser gereinigt, eingestellt und synchronisiert, die Elektrik erneuert und alle Chromteile auf Hochglanz gebracht.

 

Als seine Frau ihn am Ende der Saison nach Polen abholen wollte, präsentierte er ihr stolz sein Werk.

Die Maschine sprang sofort an, als hätte sie nur auf Wojciechs Befehl gewartet. Der mächtige Motor steigerte sein Donnern zu einem infernalischen Gebrüll.

Anna wich entsetzt zurück, als wäre hier der Leibhaftige persönlich am Werk. Erschrocken bekreuzigte sie sich und flüchtete aus der Werkshalle, die sich mit giftigen Abgasen füllte.

 

Zum Frühjahr bekam ich einen Brief von Anna, in dem sie mir mitteilte, daß

Wojciech seine Reise bereits angetreten hätte. Allerdings in einem Sarg.

Mit dem Stahlmonster, wie sie es nannte, wolle sie nichts zu tun haben.

Ich sollte damit machen, was ich wollte.

 

Er hatte sein Motorrad in einem Winkel der Maschinenhalle überwintern lassen.

Ich wollte mich von seinem Zustand überzeugen und entfernte die Abdeckung.

 

Da stand es, makellos und gewaltig. Etwas Unheimliches ging von ihm aus.

Ich versuchte es nach draußen zu schieben, aber es war schwer wie ein Fels.

Ich kämpfte wie verrückt, denn es drohte umzukippen. Mir wurde schlecht und ich fürchtete erdrückt zu werden. Zuletzt wurde es ringsherum dunkel...

 

 

Wojciech fing sie im letzten Moment auf. Wojciech??

 

Wojciech öffnete das Tor und startete die Maschine. Das ohrenbetäubende Hämmern hallte von den eiskalten Wänden wider und Donnergrollen antwortete draußen in der Finsternis.

 

Eine grauenvolle Macht zwang mich unerbittlich, hinter Wojciech aufzusteigen.

 

Dann wurden wir in die abgrundtiefe Finsternis katapultiert.

 

Blitze zerrissen das nachtschwarze Firnament und wiesen uns den Ort unserer Destination.

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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