Aylin

Haben wir keine eigenen Probleme?( Pol.Kommentar)

Haben wir keine eigenen Probleme?

 

Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland verhöhnen die Briten, dass die weder ihren Oberlord noch ihr Parlament im Griff haben. Sie lästern über die Großkopfertheit von Amerikas Leader, der seine Spieler aus für ihn unrentablen Spielzügen nimmt und über einen russischen Präsidenten, der das nicht tut, weil er ganz nebenbei den Deal schon längst im Sack hat.

Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland verlachen mitleidig einen französischen Präsidenten, der sich eine aufgemotzte Oma verliebt hat und dann mit seiner Marche-Bewegung scheitert. Sie regen sich auf über Boliviens Regenwaldpolitik, über Italiens Finanzpolitik und wissen alles besser. Haben wir keine eigenen Probleme?

Im selben Atemzuge nämlich lassen die Politiker der Bundesrepublik Deutschlands wahrscheinlich zu, dass ein chinesischer Großanbieter unser digitales Netz ausbaut, weil die Chinesen ja so treuherzig sind. Kennt man ja von Dri Chinisen mit dim Kintribies…

Sie hören zu, wie ein türkischer Sultan wieder ins Mikro bellt, heyihreuropairrlichterdürüm ( wahrscheinlich müsste Gabriel ihm mal wieder Tee bringen). Mir sind drusse, Mädschen, sagt der kölsche Husmeister vorm Parlament. Dat is, wenn mer sisch zu oft bückt un kein eijenes Profil mi hätt.

Sie lauschen, wie eine CDU-Führung ohne Absprache mit dem Koalitionspartner zu militärischer Beteiligung motiviert. Und dann überlegen die Bürger, spüren nach, wie sie das alles finden. Und dann wählen sie in Thüringen.

Normalerweise juckt das keine Tannennadel, die woanders fällt. Jahr für Jahr feiern wir den Tag der deutschen Einheit. So wie wir Allerheiligen feiern und Vatter morgens schon meckert, dass er jetzt auf den Friedhof muss, obwohl er doch viel lieber…Ja, im Osten haben wir alles abgeladen, was wir nicht mehr brauchten. Den gutgläubigen Brüdern und Schwestern im Osten wurden Restschuldversicherungen angedreht für Schulden, die sie erst im Westen gemacht haben. Ihnen wurden Auslaufmodelle von Waschmaschinen und Staubsaugern als Topneuheit verkauft und SUVs mit Diesel für alle die, die sich gleich richtig westlich fühlen wollten.

All den Dreck haben wir dorthin gekarrt, natürlich auch die Führer von Links und Rechts, denn die hatten ja im Westen gelernt. So kam es, dass ein Westdeutscher für die ehemalige SED-Partei als Linker in Thüringen Ministerpräsident werden konnte und rammelte sich so erfolgreich durch. Das Erfolgsmodell hat Rechts nun kopiert und den Höcke dort zur Wahl gestellt, damit er mal kräftig durch alle Asylantenheime fegt.

Deshalb hat die Wahl heute so große Bedeutung. Auch, wenn die Ostdeutschen sich vielleicht freuen, dass sie für die Westdeutschen und die Politik auch einmal Bedeutung haben, so hat die merkelsche Attitüde dazu geführt, dass Thüringens Wahl zur Schicksalswahl der großen Volksparteien wird. Die Ostdeutschen haben es uns mal gezeigt. Denn sie sind gar nicht mehr anders als es ein Norddeutscher und ein Bayer anders sind, ein Kölner und ein Sauerländer.

 

Diese Spaltung und Reduzierung auf ein einziges Bundesland ist also nur Ausrede. Die Wahlstimmung lässt sich also durchaus auf ganz Deutschland übertragen. Und jetzt haben wir in Thüringen den Supergau.

Die Linken, die jetzt nach Aussage der etablierten Parteien gar nicht so links sind, weil sie ja von Ramelow geführt werden, sind die Sieger und Bestimmer. Die AFD, die nicht müde wird, sich ebenfalls als bürgerliche Partei zu erhöhen, ist auf dem zweiten Platz und die liberalen Parteien wanken hinterher.

Wenn sie den Verein bibelferner Christen, das Bündnis veganer Autobahnablehner und den Verein im Osten Versprengter Türken in Ostdeutschland noch dazu nimmt, dann könnten die CDU oder die SPD vielleicht noch eine Regierungsmehrheit zusammen hinbekommen.

Quatsch. Quatsch von gestern. Es ist viel schlimmer. Die meisten Menschen haben sich aus Protest entschieden wie sie sich entschieden haben. Nix mit gebrochenen Biografien. Es geht um Identitätsverlust, Migrationsfolgen und soziale Abstiegsängste. Und die gibt es überall in Deutschland.

Mit wem also möchte die feine Dame CDU koalieren, die die Nase so hoch trägt, dass sie nicht mal ihre Merkel mehr sehen kann. Koalieren, um die Kuh vom Eis zu holen?

Wird sie sich zur Hure machen und mit den Nachfahren der DDR-Diktatur oder den Nachfahren unseres deutschen Schandflecks der Geschichte bandeln? Wobei das natürlich für beide nicht stimmt, das sehen nur verblendete Satiriker so.

Oder wird sie, selbstverliebt wie sie ist, aussitzen, weiterhin Wählerbashing betreiben ( man muss es dem dummen Bürger nur richtig erklären) und auf den lieben Gott hoffen?

Deutschland steht am Scheideweg. Zum ersten Mal nach dem Krieg hat ein Bundesland mehrheitlich an der Mitte vorbei gewählt.

Warum also lästern wir über die Welt? Wir selbst haben ein fettes Problem und das hat einen Namen.

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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