Philipp Dorobantu

Der Mann von der Brücke

Und wiedermal wache ich in meinem Erbrochenem auf. Ist dieser Zustand notwenig ? Vermutlich nicht! Aber zu vermeiden ist er seit sehr, sehr langer Zeit auch nicht mehr. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich schon daran gewöhnt. Nartürlich gibt es schönere Dinge, als in seiner eigenen Kotze aufzuwachen . Aber es gibt auch schlimmere Dinge, als in seiner eigenen Kotze aufzuwachen; zum Beispiel in der Kotze eines anderen aufzuwachen .Ist es schlimmer in menschlicher Kotze aufzuwachen oder in der Kotze eines Tieres, zum Beispiel eines Hundes?
Während ich mir Gedanken über die wirklich wichtigen Dinge im Leben machte, setzte ich mich auf den Rand meiner Matratze und schüttete mir noch den letzten Rest Chanko ein. Für die Leute, die nicht wissen was Chanko ist, es ist Chantree. Dieser braune Schnaps mit dem hellbraunen Etikett, welcher immer in kleinen Flaschen für die Spritties bereit an der Kasse im Supermarkt steht. Wie lange soll das noch gehen, fragte ich mich, aber beim nächstem Schluck, fragte ich mich auch. Warum sollte ich damit aufhören. Wegen meiner Gesundheit? Zum Glück darf man wenigstens in diesem verkacktem Land noch selber entscheiden, wann man abkratzt und der Chanko machte die Reise dorthin gar nicht mal so unangenehm, wie man so schön sagt:,, Der Weg ist das Ziel´´.
Ich irrte in meinen eigenen vier Wänden herum , zum Verstädnis , es ist wirklich nur ein Raum mit einer Matratze und einem kleinem Tisch, der neben der Matratze steht. Die Toilette und die Dusche teile ich mir mit den anderen Heckenpennern aus dem Haus, welche sich im Treppenhaus befinden. Eine Küche gibt es leider nicht, was wirklich schade ist, zumal ich ein fantastischer Koch bin. Naja, als ich so herumirrte und meine Brille suchte, hörte ich ein sehr starkes Klopfen an der Tür. Es hatte sich aber eher wie ein Boxer angehört, der meine Tür als Trainingsobjekt missbrauchte. Ich taumelte noch recht benommen von der letzten Nacht zur Tür und öffnete sie . Wer war da ? Es war auf jeden Fall keine Überraschung. Es war der Neue, ja genau der Neue, der es jetzt mit meiner Ex-Frau treibt. Er schaute mich bedrohlich an, was mich aber wie immer völlig kalt gelassen hat und sagte: ,,Du weißt, warum ich hier bin'' .Tatsächlich wusste ich, warum er da gewesen war, aber um ihn ein wenig zu ärgern, stellte ich mich doof und sagte :,,Boar ne du! Was willsten hier?''. Es machte „Batsch“ und ich hatte eine in die Fresse bekommen. So, jetzt war ich wach, eigentlich müsste ich mich bei ihm bedanken. Aber ich dachte, das würde die Situation nicht sonderlich verbessern. Er holte tief Luft und schrie mich an:,, Angelika will ihr verschissenes Geld , es sind noch 500 Mark, die du uns schuldest''. "Mensch, ich habs gewusst",dachte ich mir und ging langsam auf und ab. Ich schaute ihn an und sagte:,, nächsten Monat habt ihr die Kohle"! Diesen Satz hörte er selbstverständlich nicht zum ersten Mal, dementsprechend war er auch nicht sonderlich "amused" darüber. Er machte seinen obligatorischen Rundgang in meinem Zimmer. Er durchsuchte meine Klamotten nach etwas, was wie Geld aussehen könnte, beleidigte mich einmal von oben bis unten komplett und verschwand wieder dur! ch die T ür.
So, nun war ich wieder alleine. Ich trank noch einen kleinen Schluck, zog mir meine Lumpen an und ging vor die Tür. In der Zwischenzeit war es schon Abend und die Straßen wurden von partylustigen Halbstarken überflutet. Wie ich sie hasse, diese Schar von aufgetakelten, verwöhnten, nach Parfürm stinkenden Opfern ihrer Selbst. Aber eine Sache muss man ihnen lassen. Man konnte sie einwandfrei nach Zigaretten anschnorren oder so tun, als würde man unbedingt ein Handy brauchen ,um einen wichtigen Anruf zu tätigen, um dann mit dem Handy einfach weg zu laufen. Solche gewagten Manöver waren nartürlich nur möglich, wenn der oder die jenige besoffener war, als man selbst! 
Mein Welthass legte sich ein wenig und ich setzte mich auf meine geliebte Brücke. Meine Brücke ,der Ort,wo ich zwar keine Ruhe habe, aber was mich im Fall der Brücke auch nicht sonderlich störte ,es war meine Brücke, mein kleiner Fleck Freiheit. Jeder kennt mich an diesem Ort,grüßt mich oder noch besser teilt eine Zgarrette oder seine Flasche mit mir. Man könnte sagen ich bin der "Wächter der Brücke". 
Ich wollte sogar mal in einem meiner dunkelsten Momente herunter springen, habe es dann aber doch gelassen. Feigling! Dieses Wort sitzt schon seit einiger Zeit in meinem Kopf, ich werde das Gefühl nicht los, dass ich ein Feigling bin, ein Feigling in allen Belangen. 
Der Abend wurde später und ich immer betrunkener, langsam war ich auch nicht mehr gut gelaunt, sondern einfach nur noch genervt, genervt von den Menschen, die mich grüßten , genervt von mir selbst und genervt davon, dass meine Flasche Chanko fast leer war. 
Ich raffte mich auf, um zu meinem Kiosk des Vertrauens zu taumeln . Nach ein paar Schritten bemerkte ich, dass ich meinen Schlüssel auf der Brücke vergessen hatte. Ich wankte zurück und sah auf der Brücke zwei  Männer, die genau an der Stelle standen, wo ich vor zwanzig Minuten noch saß. Von meinem  Schlüssel war keine Spur, ich kam langsam auf die beiden Männer zu und fragte sie grinsend und in einem Ton, der dem Alkohol geschuldet war:,,Na, ihr Beiden, macht ihr hier auf meiner Brücke ein bisschen rum oder was "? Ich hatte in meinem Leben noch nie so schnell eine Faust in meinem Gesicht gehabt. Das war jetzt schon die zweite an diesem Tag, dachte ich mir und versuchte mich wieder aufzuraffen. Ich hob meinen Kopf und schaute den, der mir grade eine verpasst hatte, so böse an wie ich nur konnte. Ich sah ein blitzenden Gegenstand in seiner Hand. Bis zu diesem Moment hatte keiner der Beiden nur ein Wort zu mir gesagt. Vielleicht waren es auch Touristen oder sie wollten einfach nichts sagen. Aber der eine, der mir bis jetzt noch nichts getan hatte,sagte hektisch:,,Bist du irre, Alonso? Steck das Ding wieder ein". Alonso kam der Bitte seines Begleiters nicht nach. Er kam auf mich zu, machte eine unkoordinierte Bewegung und geriet aus dem Gleichgewicht. Er stolperte auf mich zu. Ich, den man nur anpusten musste, um mich auf den Boden zu bekommen, da ich so betrunken war, flog nun mit Alonso gemeinsam auf den Boden. Das Messer, was für mich gedacht war, steckte nun im Hals von Alonso. Das Blut strömte aus ihm heraus und floss schlussendlich langsam meine geliebte Brücke entlang. Auf einmal war es so still, so still, wie es schon lange nicht mehr war. Ich drehte mich um, sah Alonsos Begleiter in die Dunkeheit rennen und an den Baumkronen sah ich die ersten blauen Lichter. 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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