Eva-Maria Herrmann

Leid und Freud des Hundehalters - oder - Dünnschiss

Kaum einer der keinen Hund besitzt, wird verstehen, dass ein Mensch die Exkremente seines Hundes so thematisieren kann. Doch jeder der mit so einem Vierbeiner die Wohnung teilt, nickt verständnisvoll mit dem Kopf, wenn in der allmorgendlichen Gassirunde über die Hinterlassenschaften der Hunde diskutiert wird.

„Harry hat seit gestern Dünnschiss! Heute Nacht musste ich alle zwei Stunden raus mit ihm! Es kommt ganz breiig und stinkt wie die Hölle!“

Während sich nun jeder Nichthundehalter denkt, meine Güte, wen interessiert’s und ekelig ist es auch, noch dazu vor dem Frühstück, so erntet der betroffene Hundehalter nun von seinen Mitgassigehern mitleidsvolle Blicke und viele gut gemeinte Ratschläge, wie Abhilfe geschaffen werden kann.

„Gib ihm heute erst einmal nix zu fressen!“

„Und dann Hüttenkäse und Reis!“

„Wann hast du das letzte Mal entwurmt?“

Während man noch über dieses und jenes nachdenkt, setzt sich Harry schon wieder ins Gebüsch und sofort herrscht helle Aufregung.

„Jetzt sitzt er schon wieder!“

Dem Hund ist es sichtlich unangenehm, als sich die Horde Menschen in seine Richtung dreht und ihm zusieht. Während Frauchen schon mit einer Tüte bewaffnet daneben steht.

„Ah, es kommt immer noch ganz dünn. Wie soll ich das jetzt in den Beutel packen?“

„Puh! Der stinkt ja nicht schlecht!“

Das Ganze wiederholt sich dann bei jedem Versuch des Hundes endlich einmal ungesehen und in Ruhe sein Geschäft verrichten zu können. Was ihm natürlich nicht gelingt, da sechs Augenpaare ununterbrochen auf ihn geheftet sind.

„Hoffentlich ist es kein Virus!“

„Ja, ich weiß nicht, gekotzt hat er auch heute Morgen, aber es war nur Galle, also lauter gelber Schaum.“

„Dem geht’s nicht gut, der frisst auch jede Menge Gras heute morgen !“

Der Satz ist noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da lässt Harry den Kopf hängen und fängt an zu würgen, der ganze Körper krümmt sich zuckend und man hört dieses tiefe Glucksen, bis sich endlich das Frühstück des Hundes mit einem Schwall und lautem Schmatzen entlädt.

Während es spätestens jetzt jedem Nichthundehalter den Magen umdreht, nickt die Runde wieder mitleidig, mit einem Blick auf das Erbrochene.

„Ja, dem ist echt übel, was hat er denn gefressen gestern?“

„Das Übliche. Ach ja und wieder mal einen Scheißhaufen, da war ich nicht schnell genug.“

Ja, liebe Nichthundehalter, Hunde tun das!

Sie fressen Kothaufen, Erbrochenes, verweste Tiere und Müll.

Wir leben damit, wir sind abgehärtet!

Bei dem einen oder anderen Hundehalter können die Küsse seines Hundes danach schon einmal zu Mundfäule führen, aber das Dasein mit Hund ist eben gefährlich und bewegt sich sehr nahe an der Natur.

Aber zurück zu Harry, dessen Problem nun die Gassirunde in den nächsten Tagen stark beschäftigen wird. Kein Nichthundehalter kann sich vorstellen, wie unerschöpflich dieses Thema erörtert werden kann und wie groß die Freude aller ist, wenn Harry’s Hinterlassenschaft endlich wieder eine festere Konsistenz aufweist.

„Japp! Er kackt wieder Würschtl! Wunderbar!“

Die Erleichterung des Hundehalters, sowie der Gassirunde ist groß.

Harry hat es geschafft!

Auch wenn es ihm wieder sichtlich peinlich ist, dass die komplette Gemeinde ihm dabei zusieht, so freut er sich dennoch mit! Er springt auf, rennt ausgelassen durch die Gegend, als ob er einen Sechser im Lotto gehabt hätte oder besser noch, den vor einem halben Jahr im Garten vergrabenen, völlig verdreckten, angekauten, mittlerweile aufgeweichten Knochen wieder gefunden hat, der ihm wohl das nächste Darmproblem einbringen wird....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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