Eva-Maria Herrmann

Über das Fluchtverhalten von Besitzern kleiner Brunstkugeln

Also über die Zeit der Läufigkeit hatte ich ja schon vorher so einiges gehört und gelesen. Ich fühlte mich also durchaus gewappnet diese Tage mit Ruhe und Geduld zu absolvieren. 

Doch nach über drei Wochen Dauerflucht, Versteckspiel und Verteidigungsmaßnahmen hatte ich ehrlich gesagt die Schnauze voll.

Ich wollte nicht mehr!

Und meine Maus auch nicht!

Wir waren einsam!

Wir wollten uns auch wieder unter die Schar der Gassigeher mischen, ein Pläuschchen halten, bzw. raufen, toben und spielen. Meine Hündin und ich sind die ganze Zeit aneinandergekettet, nur zweimal, anstatt dreimal täglich, immer die gleiche Strecke, abseits der üblichen Spazierwege gelaufen.

Wir kennen dort jetzt jeden Stein und jeden Strauch beim Vornamen. Statt gemütlich spazieren zu gehen, haben wir das Ganze natürlich im Schweinsgalopp absolviert, damit wir so schnell wie möglich wieder aus der Schusslinie waren.

Alles aus Rücksicht auf all die notgeilen Triebtäter, die, als hätten sie niemals eine Erziehung genossen, bei der noch so kleinen Duftspur Fersengeld geben und Herrchen, bzw. Frauchen schreiend und pfeifend im Regen stehen lassen, nur um sich dann winselnd, hechelnd und lechzend auf meine Kleine zu stürzen.

Wissen Sie wie das ist, wenn neben Ihnen aus dem Gebüsch plötzlich ein Riese von Rottweiler auftaucht, dessen bestes Stück fast so groß ist wie Ihr ganzer Hund?

Oder wenn ein völlig ausgeflippter Berner Sennenhund Ihren Zwerg unter sich begräbt und Sie schon zu überlegen anfangen, wie groß die Schachtel für das Begräbnis sein muß?

Also was tun, wenn so ein liebestoller Hund daher kommt?

Nun ich habe meinen Mini-Hund auf den Arm genommen...

Jaja, ich weiß, seinen Hund bei Gefahr hochzuheben ist das Falscheste, was man tun kann, aber sollte ich zusehen, wie sie von einem Rottweiler gespalten oder von einem Berner Sennenhund zerquetscht wird?

Ich habe also der Gefahr ins Auge gesehen, meine Idefix über meinem Kopf balanciert und gehofft, dass mich keiner der, außer Rand und Band geratenen, Hunde beißt.

Nun gebissen hat mich auch keiner, dafür wurden mein linkes und mein rechtes Knie mehrmals vergewaltigt!

Wenn dann nach einer Ewigkeit, endlich der Besitzer des rasenden Rüden auftauchte, musste ich mir auch noch eine Strafpredigt anhören, wie ich es nur wagen kann, mit einer läufigen Hündin spazieren zu gehen.

Was bitte soll ich denn tun?

Meinen Hund zu Hause einsperren und Windeln anlegen?

Oder ihm das Katzenklo meiner Mieze anbieten?

Manche Rüdenbesitzer haben mich auch ganz scheinheilig gefragt, ob ich meine Hündin denn nicht kastrieren lasse.

HALLO !

Läuft mein Hund etwa davon und vergewaltigt alles was ihm in die Quere kommt?

Natürlich weiß ich, dass eine läufige Hündin einen ganzen Stall voll Rüden verrückt machen kann, aber ein einziger Rüde kann auch ne ganze Menge Nachwuchs erzeugen....

Nun, bei uns hat sich das Thema jetzt erledigt, meine Idefix hat eine Gebärmutterentzündung bekommen und musste zwangläufig sofort kastriert werden.

Das heißt für uns die nächsten beiden Wochen wieder aneinandergekettet im Schweinsgalopp abseits aller Wege spazieren zu gehen, weil sie nicht spielen darf.

Und soll ich Ihnen was sagen?

Die liebestollen Rüden finden uns trotzdem, stürzen sich nach wie vor auf meinen frisch operierten, aber nicht mehr läufigen Hund und vergewaltigen meine Knie.

Ich hoffe nur, dass irgendwann wieder Normalität in unser Leben tritt und wir wie früher unbeschwert Gassigehen können und mit all den Rüden und deren Besitzern immer noch gut Freund sind.

Zumindest, wegen uns läuft ihr Hund ja in Zukunft nicht mehr davon.....

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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