Jürgen Malodisdach

Uralte Geschichte

Schwein gehabt oder auch kein Vergessen

 

Es fehlen nur ein paar Tage zum neuen Jahr. Gedanken zum Jahreswechsel . Sollte man zurück schauen, sehen was war, ohne sentimental zu werden ? Wie war es denn damals, von damals – bis heute.

Januar, es ist kalt. Wie es zu dieser Zeit eben kalt zu sein hat.

23 Uhr, bin gerade vom Abendspaziergang mit Max und Moritz zurück. Und im Moment überhaupt noch nicht müde. Also schreibe ich weiter.

Die beiden kleinen Lümmelhunde liegen in meinem Bett. Spitz-gedackelte-Terrier-Windhund-Möpse. Ausnehmend hübsche Tiere, dazu eigensinnig. Hören wann sie wollen, passen sehr gut auf und sind sehr treu und anhänglich. Der Fernseher flimmert so vor sich hin. Krimi, wie immer am Abend. Dazu naschen, zum dicker werden, der Zucker im Körper freut sich. Das hat damals niemanden interessiert.

 

Ich kriege einen leichten Hunger, wie damals, gleich nach dem Krieg 1945.

Kinder hatten immer Hunger. Und Essbares war schwer aufzutreiben. Das Mietshaus am Rande der Stadt beherbergte außer deutschen Familien auch russische Offiziersfamilien.

Etliche Kinder waren dabei. Wir waren drei Jungs. 7, 5, 2 Jahre. Dazu Mutti . Vati war Soldat in Gefangenschaft.. Kam später wieder nach Hause.

Die russischen Kinder waren im gleichen Alter wie wir. Da wir von Politik, Völkerhass und anderen unangenehmen Ideen nichts verstanden, haben wir prima zusammen gespielt.

Alles was Kinder eben so spielen. Da Hunger international ist, haben die sowjetischen Soldaten nicht nur ihre Kinder, sondern auch uns versorgt.

So konnte ich Mutti aus dem Garten hinterm Haus zurufen, sie möchte mir eine Butterstulle mit Zucker runter werfen. Aus dem Fenster.

Aus der zweiten Etage machte sich das nicht besonders gut. Also musste ich die Treppen rauf und wieder runter, vorbei an anderen Leuten die da wohnten und alles mit ansahen und anhörten. Die keine Butter-Zucker-Stulle hatten, vielleicht nicht einmal eine trockene Stulle. Diese kurze etwas bessere Zeit ging aber auch schnell vorbei, als die Kinder, ganz Soldatenkinder, zeigen wollten, wie man mit Handgranaten umgeht. Sie überlebten das leider nicht

Die Soldaten zogen aus und weiter. Die kleine Straße am Rande der Stadt war immer noch unterteilt durch eine Barrikade. Gebaut von den Anwohnern und deutschen Soldaten. Über dieses Ding wurde gelacht, von den Kindern als Spielplatz benutzt. Jetzt war dieses Ding genauso nutzlos wie vorher.

Also wurde sie wieder abgerissen. Das Holz fand schnell Verwendung. Sand und Steine wurden in der Gegend verteilt. Es kehrte Normalität ein, sofern man am Ende eines Krieges von Normalität reden konnte.

Jetzt beschäftigten sich die Menschen mit dem Urinstinkt eines Lebewesens; der Futtersuche und der Futterbeschaffung. Es gab ja nichts, und daraus musste jeder etwas machen, wollte er weiter existieren.

Arbeitssuche war angesagt. Gartenarbeit natürlich auch für die Bewohner, die so ein Stück Land für ein paar Beete hatten. Es war Mai, also Pflanz- und Saatzeit. Wer ein Stück Garten hinterm Haus hatte, ackerte.

Kleine Schuppen entstanden. Sie enthielten Hühner und Kaninchenställe, streng bewacht von den Hausbewohnern. Anders als heute. Jeder half Jedem.

Wurde ein Dieb erwischt, das kam öfter vor, bekam der die Fäuste der Leute zu spüren. Das war normal, er kam bestimmt nicht so schnell wieder. Polizei und Richter existierten nicht, und wenn, waren sie viel zu weit weg.

Nicht nur die Suche und Beschaffung von Eßbarem war erste Tagesaufgabe. Der Winter nahte. Also war die Frage der Heizungsnotwendigkeit gegeben.

In regelmäßigen Abständen kamen auf dem nahegelegenen Abstellgleis der von Bomben zerstörten Teppichfabrik Güterwagen mit Brennmaterial an. Das waren meistens Briketts , die für die Heizung der Wohnungen genau das Richtige waren.

Diese Waggons mußten entladen werden. Außer den Händen, die die eigenen Schaufeln und großen Gabeln hielten, gab es ja keinerlei Geräte oder Maschinen.

So trafen sich viele Menschen mit ihren Werkzeugen und einem möglichst großen Wägelchen an den zur Entladung vorgesehen Güterwagen.

Und los ging die Arbeit. Als Belohnung für die Entladetätigkeit durfte jeder Beteiligte sein Hand-oder sonstigen Wagen mit Kohle mit nach Hause nehmen. Eine andere Entlohnung gab es nicht. Das war auch besser als Geld.

Man konnte ja sowieso nichts kaufen, da es nichts gab.

Mutter war echte Spreewälderin. Alle Familienangehörigen wohnten , lebten und arbeiteten im Spreewald. Ein ganz kleines Glück für uns Kinder, denn in den Schulferien waren wir nur bei unseren Verwandten zu finden. Da gab es viel Spaß und auch Eßbares.

Aber erst in der nächsten Geschichte.

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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