Norman Dunfield

Die Erotik der Religionslehrerin

Das Leben mit 14 Jahren war in einer gemischten Schulklasse nicht
immer einfach. Hübsche Mädels mit kurzen Röckchen ließen die ersten
Säfte sprießen. Glücklicherweise hatten wir keine Schulbänke, sondern
Schultische. So war es möglich, den Stuhl etwas weiter nach vorne zu
rücken, wenn die Hose spannte. In den Religionsstunden hatte es diese
Gefahr allerdings nie gegeben, weil sich jeder Delinquent zwangsweise
auf die Lehrerin konzentrieren musste.

Die Religionslehrerin hatte die 35 Jahre knapp überschritten. Sie hatte
braune Sauerkrauthaare und grüne Froschaugen. Ihre Hakennase
diente als Halterung für ihre viel zu große Brille. Unter ihren schmalen
Lippen tummelten sich ihre schiefen Zähne. Sie hatte eine Figur wie
eine Litfaßsäule und trug ausschließlich hoch geschlossene Blusen.
Ihr langer Faltenrock hatte die besten Jahre anscheinend schon hinter
sich. Jedoch passte dieses Kleidungsstück hervorragend zu ihren
zerschlissenen Schuhen, aus denen stets eine Baumwollstrumpfhose
herausschaute. Sie roch ständig nach einer Kombination zwischen
Lavendel, Schweiß und Mottenkugeln.
Kurzum: Sie war so erotisch wie ein Thrombosestrumpf.
Selbstverständlich war sie nicht verheiratet und würde wohl auch niemals
die Erfahrung machen, dass ein befriedigender Mann besser ist, als ein
guter Mann.

Jeden Freitag mussten wir in der jeweils letzten Schulstunde unter ihr
leiden. Sie war sehr rustikal orientiert, und frömmelte ausschließlich
Sprüche aus den beiden Testamenten vor sich hin. Es war für sie eine
Sünde, das Kreidestück an der Wandtafel nicht bis zum letzten Zentimeter
aufzubrauchen. Zur Adventszeit empörte sie sich darüber, dass die
Stutenkerle in den Auslagen der Bäckerein nackt waren.

Sehr oft sprach sie von Erlösung. Unsere Erlösung hingegen war es,
wenn die Schulklingel endlich das Ende der Stunde einläutete.
Etwas Schlimmeres, als eine derartig verstaubte Glaubensakrobatin
kann man sicherlich niemandem wünschen.

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