Bastian Schmitz

Intellektuell

Die Menschheit - verkorkst. Und du bist es nicht, natürlich, du bildest die Ausnahme. Seltsam. Entweder musst du mit erstaunlicher Dummheit gesegnet sein oder du bist intellektuell - in diesem Falle nimmt es ja die Überschrift vorweg. Nochmal Glück gehabt. Nehmen wir also an, du bist ein Intellektueller - ein sehr gebildeter Mensch. Und du erkennst: diese Menschen auf den Straßen und im Internet, die sind verroht, die verkennen deine Gedanken, sind nichts für dein zartes Gemüt. Du bist ein Geistmensch, ein Idealist, wie viele von deiner Sorte (Dass es neben dir noch viele andere kluge Menschen gibt, verdrängst du gerne) und doch ist dein Blick auf die Menschheit sehr analytisch, dieses beständige Durchschauen ihrer Motive, deine Herumphilosophiererei, deine klugen Erklärungen und Theorien, all das, letztlich wohl nur den einen Zweck erfüllend: Dich selbst nicht zu durchschauen, nicht in deine eigene Ohnmacht blicken zu müssen. Manchmal erahnst du das und das tut weh, aber dann tust du das, was jeder Mensch tut, der sie fühlt; du täuschst dich selbst und die Zeit verdrängt es wieder. Du flüchtest in dein intellektuelles Weltgebilde, wie andere Menschen in ihren monotonen Alltag, weil es dir Halt gibt, den auch du brauchst, aber das leugnest du gerne, verachtest sie weiter, die Menschheit, die du durchschaut zu haben meinst; verabscheust sie, diese fürchterlich banalen Menschen, die fröhlich debil zu Volksmusik schunkeln, mit ihren Bausparverträgen, teuren Autos und monotonen Alltagen. Sie könnten dir auch einfach egal sein, aber du bist Idealist. Redest du dir ein, aber vermutlich brauchst du sie sogar; als Beschäftigung, ein projiziertes Feindbild, gegen das du dich mit dir selbst verbünden kannst. 

Wenn immer dir etwas missfällt, runzelst du die Stirn, schüttelst leicht den Kopf; in der Öffentlichkeit, die du zu meiden versuchst, suchst du in diesen Momenten Blickkontakt mit Gleichgesinnten, nur um zu erkennen, dass niemand Blickkontakt sucht; bedauerlich, niemand auf deinem Niveau, aber das wusstest du ja schon immer, dein Bewusstsein ist stärker als bei anderen Menschen, alle verroht, niemand ist so wie du, niemand bestätigt dir, dass die Welt von dir gerettet werden will und dein Schal wippt traurig im Wind. Einsam und von der Welt in Stich gelassen, machst du dich auf den Weg nach Hause, wirst dort an deinem nächsten erfolglosen (zu anspruchsvollen) Buch arbeiten, dich danach in Internetforen renommierter Tageszeitungen herumtreiben, um deine Intellektualität bestätigt zu wissen. Manchmal schaffst du es einen Gleichgesinnten mit wild-verschachtelten Satzstrukturen und vielen Fremdwörtern argumentativ auseinanderzunehmen indem du darstellst, woran die verkorkste Gesellschaft krankt und du bist überzeugt, dass alles noch nie so schlimm gewesen sei wie heute.
Dann wirst du für einen Moment ruhiger und verwechselst deine Eitelkeit mit der Dankbarkeit der Welt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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