Karl-Heinz Fricke

Winterliche Freuden

Ich fühlte mich wie ein König, als ich 10-jährig von meiner Tante  meine ersten Schneeschuhe bekam. Meine Freunde waren schon längere Zeit Besitzer und mit sehnsüchtigen Augen sah ich sie die Hügel hinunterflitzen und mühselig wieder hinauf kraxeln. Die zwei Meter langen schweren hölzernen  Bretter waren ein Weihnachtsgeschenk, das wegen seiner Größe  neben den Christbaum an die Wand gelehnt war. Natürlich standen sie da nicht lange, denn ungeduldig schnallte ich sie mir am Morgen des ersten Festtages  an, um unsere lange steile Strasse hinunter zu fahren. Es gab damals in den dreißiger Jahren fast keinen Autoverkehr,  meistens nur Fahrzeuge, die von Pferden gezogen wurden. An diesem Weihnachtsmorgen war die Strasse frei und ich dachte, der neu gefallene Schnee war die perfekte Unterlage für meine Bretter. Leider waren diese  Gaben von Frau Holle sehr feucht. Sofort bildeten sich Schneeballen unter den Brettern, die ein Gleiten schier unmöglich machten. Wie dieses zu ändern war, erzählte mir ein Nachbarsfreund.  Er sagte, ich müsse die Bretter waxen. Er riet mir sie mit einer Kerze  gründlich zu behandeln. Das tat ich dann auch, und  um sicher zu gehen, waxte ich sie obendrauf gleich mit. Kerzenstummel vom Adventskranz eigneten sich bestens. Nachdem ich sie dann unter den Füßen hatte und ich mich anschickte die Jungfernfahrt anzutreten, setzte ich mich erst einmal auf meinen Allerwertesten. Dann ging es los. Ich benutzte die Loipe, die der Freund hinterlassen hatte. Nachdem ich mich einige Male nochmals auf den Hintern gesetzt hatte leuchtete es mir ein, dass es helfen könnte mich beim Fahren etwas vorzubeugen. Das war der Anfang für meine Technik, die ich mir nach und nach aneignete. Nachdem ich das Skifahrens einigermassen beherrschte, begab ich mich auf die Hügel meiner Heimatstadt Goslar am Nordrand des Harzes gelegen. Es wimmelte dort von jungen und alten Skiläufern. Ich fand sehr bald heraus, dass die langen schweren Bretter die Vervollständigung meines Könnens sehr erschwerten und eine Beteiligung an den Winterolympischen Spielen sicherlich ausschließen würden. So verging der erste Winter als stolzer Schneeschuh Besitzer, wie die Skier damals genannt wurden. Im folgenden Winter jedoch endete dieser Besitzertraum. Ich war waghalsiger und weil ich den Telemark nicht beherrschte fielen die klobigen Bretter einem Verkehrsunfall zum Opfer. Nicht auf der Strasse, sondern am Ende  eines steilen Hügels. Dort befand sich der starke Zaun eines Schrebergartens, der meine Skikarriere abrupt beendete. Das Holz meiner Schneeschuhe zersplitterte, fand jedoch noch Verwendung in unserem Küchenherd. Damit platzte dieser Wintertraum und erst viel später im Leben schaffte ich mir  Skier an, die  moderner und leichter waren. Da war es für die olympischen Spiele leider zu spät. In meiner Jugend jedoch  fand ich, dass das Schlittschuhlaufen auch seine Reize hat. Auch damit sind Erlebnisse verbunden für eine weitere Erzählung. 

15.11. 2019

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