Christa Katharina Dallinger

Ein Weihnachtstag

24. Dezember in der Festspielstadt Salzburg. Draußen strahlend blauer Himmel, ein Gewurl, ein Getümmel. Die einen bestaunen die weihnachtlich geschmückte Altstadt, die anderen hetzen durch die Gässchen, um die allerletzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Drinnen mein morgendlicher Cappuccino und ein leichtes Chaos von wegen Weihnachtsbäumchen schmücken. Mitten drinnen, ich, noch im Bademantel und noch nicht so ganz munter.

Ich schmückte den Baum fertig, und als ich nach einigem Hin- und Hergezupfe endlich mit meinem Werk zufrieden war, beschloß ich aus der vor Weihnachtshektik boomenden Stadt zu fliehen, und meinen traditionellen gebackenen Weihnachtskarpfen an diesem sonnig warmen 24. Dezember auf der Terrasse eines Restaurants an einem unserer Seen zu speisen.

Ungewöhnlich, aber ganz einfach herrlich schön, dieser frühlingshafte Weihnachtstag am See. Und während ich ganz traditionsbewußt gebackenen Karpfen mit Kartoffel Mayonnaisesalat schlemmte, da schweiften meine Blicke übers Wasser, und meine Gedanken schwelgten in Erinnerungen an einen traumhaft schönen Sommer im Salzburgerland, auf den Bergen, in den Seen, bei den Festspielen. Den Jedermann Schrei, den glaubte ich fast über den See hallen zu hören.

Mein Weihnachtsmärchen. Kein Weihnachtswunsch. Kein Wunschtraum. Ganz einfach Zufriedenheit. Das kleine Glück eines wunderschönen Tagtraums, der sich nahtlos in diesen perfekten Tag fügte.

Die Sonne senkte sich herab, und es wurde sofort frostig kalt. Winter am See eben.

Nichts wie heim zum Christbäumchen! Nun lockten Wärme, Punsch, und Weihnachtskeks, ganz viele Weihnachtskeks.

Die Geborgenheit der Heiligen Abende meiner Kindheit, das Läuten des Christkinds, der Duft der Bienenwachskerzen, all das hatte ich mir bewahrt. All das zelebrierte ich Jahr für Jahr.

Es tat so gut, dieses tiefe Gefühl der Geborgenheit, der Verbundenheit mit all jenen, mit denen ich ein Stück des Weges gegangen war. 

Dann setzte ich mich auf die Couch, nahm einen Schluck vom köstlichen Punsch, knabberte an einem Keks, und betrachtete zufrieden lächelnd mein Weihnachtsbäumchen.

Ich entdeckte in einem der über hundert Fernsehsender eine weihnachtliche Liebesschnulze, viel Herz, viel Schmerz und traumhaft schöne Aufnahmen aus der winterlichen Stadt Salzburg.

Den Krug mit Weihnachtspunsch hatte ich geleert, und auf dem Keksteller lag nur mehr einsam und verlassen ein letztes Vanillekipferl. Ich griff zu.

Der viele Punsch machte müde. Ich blickte nochmals aus dem Fenster. In den Gässchen war es ruhig geworden. Sterne am Himmel, Eisblumen am Fenster. Weihnacht in der Stadt Salzburg. Doch noch idyllisch und ein ganz klein wenig „a Weihnacht wie’s früher war“.

 

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