Heinz-Walter Hoetter

Der Fall T-Bird (Teil 14)


 

Random & Shannon

Ermittlungsagentur NEW YORK

 

 


 


Der Fall T-Bird (Teil 14)





Ich spazierte noch ein letztes Mal zum Strand hinunter, sprang ins smaragdgrüne Wasser, schwamm ein paar Runden hin und her, um mich etwas abzukühlen, und als ich genug davon hatte, kehrte ich pitschnass zurück an meinen Liegeplatz. Ich trocknete mich oberflächlich ab, suchte meine Sachen zusammen und marschierte schnurstracks in das erstbeste Strandrestaurant, die es hier in Hülle und Fülle gab. Draußen auf der Sonnenterrasse, mit einer Cocktailbar unter Palmen, nahm ich ein flüchtiges Mittagessen ein und kehrte anschließend in mein Hotel zurück. Dort angekommen packte ich meine Koffer und veranlasste den Hausdiener, dafür zu sorgen, dass Shannons restlicher Besitz an seine Frau in New York geschickte wurde. Dann schrieb ich ihr noch einen kurzen Brief und fügte einen elektronischen Scheck über fünftausend Planetendollar bei, betonte aber, dass der Betrag von der endgültigen Abfindung wieder abgezogen werden würde.

 

Ich blickte auf die Uhr in meinem Zimmer. Langsam wurde es Zeit, dass ich zu dem Inquest gehe musste. Nachdem ich mein Gepäck in dem Sportgleiter untergebracht und meine Rechnungen bezahlt hatte, machte ich mich auf den Weg.

 

Ron Bristol kreuzte plötzlich in der Empfangshalle auf. Nicht schon wieder der, dachte ich so für mich. Er entschuldigte sich abermals dafür, dass er mein Zimmer benötigte, aber ich tröstete ihn damit, dass ich etwas anderes gefunden habe und er sich meinetwegen keine allzu großen Gedanken zu machen brauche. Ich fragte Bristol spontan nach Mr. Treaves und erfuhr von ihm, dass er sich wohl in seinem Büro befinden müsse. Ich ließ Bristol einfach stehen und ging.

 

Tatsächlich war der Hausdetektiv da. Ich begrüßte Treaves, der sich gerade die Schuhe mit einem Lappen polierte.

 

Was ist, kommen Sie mit zu dem Inquest?“ fragte ich ihn.

 

Ich bin vorgeladen.“

 

Er warf den schmutzigen Lappen in eine seiner Schreibtischschubladen zurück, schob sich die Krawatte gerade und griff nach seinem leichten Sommerhut.

 

Nehmen Sie mich mit in die Stadt, oder muss ich mit dem Citybus fahren, Random?“

 

Keine Frage. Selbstverständlich nehme ich Sie mit, Treaves. Kommen Sie!“

 

Auf der Fahrt zur Dienststelle des Coroners fragte ich ihn, ob er sich die Leiche von Virginia Shriver angesehen habe.

 

Ich wurde bisher nicht dazu aufgefordert“, antwortete er. „Inspektor Blanking hat für mich keine Zeit. Aber Bristol sah sie. Das ist doch zum Lachen, was? Er wäre nicht in der Lage, seine eigene Mutter zu identifizieren, wenn man sie ihm auf dem Tisch der Leichenkammer zeigen würde. Ich will nicht sagen, dass es leicht ist, dieses Mädchen zu identifizieren. Mit dem Hut und der Sonnenbrille sah sie wie jede andere Frau in einer dunklen Perücke aus.“

 

Ich sagte ihm nicht, dass er sich mit der Perücke geirrt hatte. Er war einfach nicht der Typ, dem man sagen konnte, dass er einen Irrtum beging.

 

Endlich waren wird da. Treaves und ich stiegen aus dem Gleiter, den ich in einer der zahlreich vorhandenen Parkbuchten für Antigravitationsvehikel arretierte, und gemeinsam gingen wir hinüber in das Büro des Coroners.

 

Bei der Verhandlung waren nur neun Personen anwesend. Fünf von ihnen waren offensichtlich die Nichtstuer, die man immer bei Inquests findet, aber die vier anderen zogen meine Aufmerksamkeit auf sich. Zu meiner Überraschung war auch Ron Bristol anwesend, der mich aber nicht beachtete. Schweigend saß er da und beobachtete das Geschehen mit einigem Desinteresse.

 

Ich konzentrierte mich auf die übrigen Personen. Eine von ihnen war ein Mädchen mit einer randlosen Brille und dem harten, undurchdringlichen Gesicht der tüchtigen Sekretärinnen. Sie wirkte in einem grauen Leinenkleid mit einem weißen Kragen und Manschetten elegant. Sie saß hinten im Saal und stenographierte den Verlauf der ganzen Verhandlung sicher und gewandt mit.

 

Dann war da noch ein jüngerer Mann in einem weit geschnittenen, perlgrauen Anzug anwesend. Seine blonde Mähne war an verschiedenen Stellen mit einer Brennschere behandelt worden. Eine dunkle Sonnenbrille verdeckte seine Augen völlig. Er saß auf der Seite im Saal und sah sich um, als fühle er sich geistig besonders überlegen. Hin und wieder gähnte er so gewaltig, dass ich schon glaubte, er würde sich den Kiefer ausrenken. Die beiden anderen, die mir auffielen, waren zwei untadelhaft gekleidete, glänzende, glatte, gut genährte Männer. Sie saßen dem Coroner gegenüber. Ich hatte bemerkt, dass er ihnen zunickte, als er den Saal betrat, und ebenso, als er ihn schließlich später wieder verließ.

 

Den Coroner schien das ganze Verfahren ziemlich zu langweilen. Er hetzte mich durch meine Aussage, hörte mit einem abwesenden Blick in den Augen Bristols gestammelte Erklärungen zu, rief Treaves überhaupt nicht auf und fertigte den Wärter des Strandbades ziemlich kurz ab. Erst als Inspektor Blanking vortrat, um auszusagen, dass die Polizei noch Ermittlungen anstelle und er um eine Vertagung von einer Woche bitte, wurde der Coroner annähernd menschlich. Hastig stimmte er dem Vertagungsantrag Blankings zu und verschwand ohne ein weiteres Wort zu sagen durch die Tür unmittelbar hinter seinem Sessel.

 

Da Treaves gleich neben mir saß, fragte ich ihn, ob er wisse, wer die beiden anderen geleckten Fettwänste seien.

 

Die sind von Pauly’s Büro“, erklärte er mir. „Der größte und gerissenste Rechtsanwalt von Terrania Bay City.

 

Bearbeitet er auch Breedys Fälle?“ wollte ich wissen.

 

Ich will es mal so sagen. Außer ihm wäre dazu keiner angesehen genug.“

 

Und wer ist dieser blonde Affe da drüben mit dem Bleistift an der Nase?“

 

Treaves hob die Schultern und schüttelte den Kopf.

 

Kenne ich nicht.“

 

Was ist mit dem Mädchen da hinten?“

 

Keine Ahnung, wer die ist“, antwortete Treaves.

 

Kurz nachdem der Coroner den Saal verlassen hatte, machte sich der Blonde davon. Ich schenkte ihm keine weitere Beachtung und beobachte die beiden Dicken, die plötzlich zu Blanking hinüber gingen und etwa eine Minute mit ihm sprachen, bevor sie gingen. Mittlerweile verschwand das Mädchen in Grau, ohne dass ich es bemerkte.

 

Treaves machte sich bemerkbar. Ich sah ihn an.

 

Ich werde mit dem Citybus zurückfahren, Random.“ Er fügte noch hinzu, er hoffe, ich würde in Verbindung mit ihm bleiben. Wir schüttelten uns die Hände, dann machte er sich davon.

 

Mittlerweile waren auch die beiden Dicken weg. Ich trat auf Blanking zu und stellte ihm eine Frage.

 

Haben Sie was Neues herausgefunden, Herr Inspektor?“

 

Nein.“

 

Blanking sah irgendwie unbehaglich aus. Er schaute mich argwöhnisch an. Dann sprach er weiter.

 

Noch nicht. Ich kann nichts über den Eispicker feststellen. Er zog eine Zigarre aus der Brusttasche und fummelte damit herum.

 

Wir forschen jetzt dem Herkommen und dem Vorleben dieses Mädchen nach. Vielleicht war sie ein stilles Wasser.“

 

Glauben Sie? Wie wäre es, wenn Sie sich um Breedys Hintergründe kümmerten? Das könnte sich lohnen. Waren die beiden hier, um seine Interessen zu wahren?“

 

Ich weiß nicht was Sie wollen, Random. Sie kamen nur her, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie haben jetzt einen Termin und waren etwas früher da als nötig.“

 

Ich lachte.

 

Haben sie Ihnen das gesagt? Sie sind doch nicht etwa darauf reingefallen?“

 

Ich habe keine Zeit, mich hier mit Ihnen zu unterhalten, Random. Meine Arbeit wartet“, antworte Inspektor Blanking knapp.

 

Sie haben doch den blonden Jüngling in dem grauen Anzug gesehen. Wissen Sie, wer das ist?“

 

Er arbeitet in der Schule für Keramik“, antwortete der Inspektor, ohne mich dabei anzusehen.

 

Das ist ja interessant. Was sucht der denn hier?“

 

Vielleicht hat Blank ihn geschickt“, sagte Blanking fast nebenbei. „Ich muss jetzt gehen.“

 

Wenn Sie mich brauchen, ich wohne in Aloha Bay. Ich habe mir dort einen kleinen Bungalow beschafft.“

 

Blanking warf mir einen überraschten Blick zu.

 

In Aloha Bay? Da gibt es nur einen Bungalow, und der gehört Miss Violetta Breedy, soviel ich weiß.“

 

Ganz richtig. Tut er auch. Ich habe ihn von ihr gemietet.“

 

Wieder starrte Blanking mich an, setzte an, um etwas zu sagen, überlegte es sich aber, nickte mir zu und ging.

 

Ich wartete noch Weile und wollte dem Inspektor Zeit geben, das Gebäude zu verlassen. Dann machte ich mich ebenfalls auf den Weg und ging hinaus zu meinem Sportgleiter in der Parkbucht.

 

Ganz in der Nähe befand sich zufällig ein Citypolizist, der am Rand des Bürgersteiges stand und den Verkehr beobachtete. Ich fragte ihn danach, wo die Redaktion des Terrania Bay City Kuriers liege. Er erklärte mir kurz den schnellsten Weg dorthin und tat so, als ob er mir damit einen persönlichen Gefallen getan habe.

 

Etwas später erreichte ich den Kurier und trat in eine große Vorhalle mit einer imposanten Anmeldung. Alles war aus feinstem Marmor, der von hellem Licht angestrahlt wurde. Dem dort diensthabenden Fräulein sagte ich, glücklicherweise war sie kein Androide, sondern ein echtes menschliches Wesen, ich wünsche mit Mr. Pit Loder zu sprechen. Gleichzeitig hielt ich ihr meine Geschäftskarte unter die Nase, die sie sofort an sich nahm. Keine fünf Minuten später führte sie mich durch einen Gang in ein kleines Büro, in dem ein Mann mit einer Pfeife im Mund hinter einem überladenen Schreibtisch saß.

 

Er war ein großer Mann mit hellgrauem Haar, einem kräftigen Kinn und lichtgrauen Augen. Er stieß mir über den Schreibtisch seine klobige, feste Hand entgegen. Dann zündete er sich eine Zigarre an.

 

Nehmen Sie doch Platz, Mr. Random. Ich habe von Ihnen gehört. Curtis rief mich an und sagte, Sie würden wahrscheinlich zu einer Unterhaltung zu mir kommen.“

 

Ich setzte mich.

 

Ich Augenblick habe ich nicht viel zu sagen, Mr. Loder, aber ich wollte mich mit Ihnen bekannt machen. Vielleicht habe ich in nächster Zeit etwas für Sie. Man informierte mich, wenn ich Ihnen Tatsachen liefere, würden Sie sie drucken.“

 

Mit einem breiten Lächeln zeigte mir der Redakteur seine großen, kräftigen, weißen Zähne.

 

Deshalb keine Sorge“, antwortete er. „Mein Ziel ist, die Wahrheit zu drucken und nur als die reine Wahrheit, und das ist der einzige Grund, weshalb unsere Zeitung noch erscheint. Ich bin sehr froh darüber, dass Sie kommen. Ich wollte Sie über den Stand der Dinge bei uns informieren. Curtis haben Sie sich angehört, jetzt bin ich an der Reihe.“

 

Pit Loder lehnte sich in seinem Sessel zurück, blies den Rauch der Zigarre gegen die Decke und fuhr dann fort: „In einem Monat wird bei uns die Stadtverwaltung neu gewählt. Die alte Gruppe, die jetzt seit fünf Jahren an der Macht ist, muss entweder wiedergewählt werden, oder sie geht unter. Und mit untergehen meine ich genau das, was das Wort besagt. Die einzige Möglichkeit für diese Burschen, am Leben zu bleiben, besteht darin, ihre Finger weiter im Kuchen zu haben. Wenn man ihnen den Kuchen nimmt, sind sie fertig. Terrania Bay City ist eine Stadt direkt am Meer mit einem großen Raumflughafen. Die meiste Zeit ist es hier sehr sonnig und warm. Eine Menge Touristen kommen zu uns und in keiner anderen Stadt gibt es so viele reiche Männer wie hier. Bei uns gibt es alles, was das Herz begehrt. Aber die Stadt ist in den Händen dunkler Geschäftemacher. Selbst Breedy könnte sie nicht draußen halten, auch wenn er das wollte und die halbe Stadt besitzt. Nun, wie die Dinge liegen, ist es ihm offenbar völlig gleichgültig, solange es sich für ihn lohnt. Breedy selbst ist kein schlechter Mann, Mr. Random. Ich will nicht bestreiten, dass er nicht geldgierig wäre. Er will von seinem Geld einen Profit. Das macht jeder gute Geschäftsmann. Wenn durch die finsteren Ehrenmänner der Wert seines Besitzes erhöht wird, hat er nichts dagegen einzuwenden. Solange seine Geschäfte Gewinn abwerfen, zerbricht er sich nicht den Kopf darüber, dass auch die Dunkelmänner, Betrüger, Vorbestraften, Rauschgifthändler und Zuhälter, ihren Schnitt machen. Ihn kümmern es nicht, und sie sind schlau genug, das zu wissen. Diese Stadt ist von Laster und Korruption durchsetzt. Es gibt kaum einen Beamten in der Verwaltung, der nicht von irgendeiner Seite an einem Gewinn beteiligt ist.“

 

Und Richter Birmingham beabsichtigt, das alles abzuschaffen?“ fragte ich.

 

Der Redakteur hob seine Schultern.

 

Tja, das ist das, was Richter Birmingham versprochen hat für den Fall, dass er gewählt wird. Aber ich denke mal, er wird es selbstverständlich nicht tun. Na ja, ich will nicht bezweifeln, dass dem Schein nach gesäubert wird, damit die Bürgerschaft denkt, alles wird jetzt von Grund auf besser, als vorher. Natürlich werden eine Reihe kleinerer, vielleicht sogar auch größerer, Dunkelmänner der Prozess gemacht und ins Gefängnis wandern. Es wird allenthalben gejubelt und sehr viel darüber geredet werden. Und wenn dann einige Zeit vergangen und Gras über die Säuberungsaktion gewachsen ist, wird alles wieder so sein wie vorher. Der Richter wird feststellen, dass es viel einfacher ist, die Dinge laufen zu lassen, als sich in die Geschäfte derjenigen einzumischen, die ganz oben stehen in der Gesellschaft. Und dann kommt das, was eigentlich immer kommt. Von irgendwoher bekommt er einen neuen Antigravitationsgleiter geschenkt, so einen Superschlitten, der vollautomatisch fährt und auf die persönliche Stimme reagiert oder man steckt ihm sonst was in den Arsch. Erst einmal verstrickt im Korruptionssumpf, kommt auch Richter Birmingham da nicht mehr raus. Es liegt im System, nicht an den Menschen, von dem es korrumpiert wird. Klar, ein Mann kann durchaus ehrlich sein, aber sobald das nötige Geld geboten wird, ist jedermann käuflich, auch ein Richter vom Rang eines Richters wie Birmingham. Glauben Sie mir Mr. Random, das ist so und wird immer so bleiben. Das heißt aber nicht, dass jeder Mensch käuflich ist. Da gibt es bestimmt Ausnahmen. Nun, bei Birmingham bin ich mir sicher, dass er käuflich ist – früher oder später.“

 

Mr. Loder, das waren ehrliche Worte. Ich bin zutiefst beeindruckt. Aber wer, wenn nicht Breedy, ist der Boss von allen dunklen Geschäften in Terrania Bay City? Breedy ist vielfacher Multimilliardär und seine Macht scheint grenzenlos zu sein.“

 

Pit Loder stieß den Rauch seiner Pfeife gen Zimmerdecke und sah mich dann forschend an.

 

Ach was, Mr. Random. Der Mann, der sich Breedys Geld zu nutzte macht und diese Stadt wirklich regiert, ist ein gewisser Mr. Juan Mendoza, der Besitzer des Robot Master Club. Das ist unser Mann, wissen Sie. Dieser Kerl wird bleiben, selbst dann, wenn Breedy im Hintergrund verschwindet und Birmingham an die Spitze kommt. Niemand, auch ich nicht, weiß sehr viel über Mendoza, außer, dass er aus Mittelamerika kommt, von wo er über Nacht erschien, und der ein natürliches Talent dafür besitzt, aus jedem Schwindelgeschäft Geld für sich zu schlagen. Wenn Breedy die ganz große Geschäftswelt darstellt, dann ist Mendoza das ganz große Schwindelgeschäft. Geben Sie sich aber keinem Irrtum hin, Mr. Random. Im Vergleich mit Mendoza ist Breedy arglos wie ein zahmes Schoßhündchen. Wenn irgend jemand Mendoza den Boden unter den Füßen wegziehen könnte, wäre Terrania Bay City die ganz großen und kleinen Schwindelunternehmen, die Gangster und Banditen los. Aber wer soll das tun? Keiner ist groß genug dafür, Mendoza die Stirn zu bieten, geschweige denn, ihn zu beseitigen.“

 

In einem Punkt möchte ich klar sehen, Mr. Loder. Der Robot Master Club ist nicht die einzige Trumpfkarte Mendozas?“

 

Wo denken Sie hin. Natürlich nicht. Er benutzt Breedys Geld, um selbst Geld zu machen. Nehmen Sie z. B. das Casino. Lee Breedy finanzierte den Bau und bekommt die Pacht für das Haus. Aber Mendoza bekommt auch fünfundzwanzig Prozent als Bezahlung für den Schutz. Breedy finanzierte unter anderem auch das Spielschiff. Er rechnet damit, dass es zahlende und spielsüchtige Touristen anziehen würde. Die Rechnung stimmt, aber auch hier kassiert Mendoza seine fünfundzwanzig Prozent. Wenn die Zahlung einmal nicht eingehen würde, explodiert auf dem Schiff möglicherweise eine Bombe oder es passiert einfach etwas anderes, das genauso schlimm sein würde. Da diejenigen, die beispielsweise das Casinoschiff betreiben, das wissen, inklusive Breedy natürlich, bezahlen sie lieber und die Sache hat sich. So einfach kommt man zu Geld in Terrania Bay City, Mr. Random.“

 

Ich saß die ganze Weile nur so da und verdaute, was ich gerade gehört hatte. Eigentlich war ja nichts Neues dran. Das gleiche geschieht in ähnlicher Form im alten New York, in den vielen Städten auf allen übrigen Kontinenten der Erde, in den großen und kleinen Siedlungen auf dem Mars oder dem Mond oder weit draußen auf den unzähligen Planeten, die der Mensch schon besiedelt hat. Glücksspiel, Korruption, Waffenschmuggel, Rauschgifthandel, Zuhälterei und Geldwäsche sind überall anzutreffen, wo der Mensch sich dauerhaft niedergelassen hat.

 

Seit meiner Abreise vom Mars, bis zu meiner Ankunft auf der Erde hier in Terrania Bay City, hatte ich den seltsamen Eindruck, dass ich von Shannons plötzlichem Tod in einer stickigen Badehütte bis zu diesem Punkt einen weiten Weg zurückgelegt hatte. Ich dachte jetzt auch, etwas entdeckt zu haben, das diesen Juan Mendoza eventuell festnageln könnte. Mein Ex-Partner Shannon besaß eine gute Nase, um Dinge dieser Art aufzuspüren. Ich erinnerte mich auch an den Eispicker, dessen Spitze zu Nadelschärfe geschliffen worden war: die Waffe eines skrupellosen Gangsters.

 

Ich wollte Ihnen nur ein richtiges Bild vermitteln, Mr. Random. So ist die Lage. Ja, und noch etwas wollte ich Ihnen sagen. Passen Sie auf diesen Curtis auf. Er ist so vertrauenswürdig wie eine Klappschlange. Nicht mehr und nicht weniger. Solange Sie sein Spiel spielen, ist er Ihr Freund. Aber bei dem geringsten Abweichen von seiner Linie werden Sie sich wundern, was Sie plötzlich trifft. Also seien Sie vorsichtig, mein Freund!“

 

Ich sagte ihm, das würde ich tun, und erzählte ihm dann von der möglichen Verbindung zwischen Breedy und Shannon. Ich informierte ihn über alle Tatsachen und berichtete ihm auch über die mysteriösen Chips, die wie kleine Würfel aussahen.

 

Ich wette darauf, dass Breedy meinen Partner Shannon für einen Auftrag, wie seine Frau beobachten zu lassen oder etwas Derartiges, engagierte. Dann muss Shannon aber auf etwas Wichtiges gestoßen sein, was mit Breedy nichts zu tun hatte“, sagte ich zu Mr. Loder. „Ich kann mich irren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann wie Breedy jemand ermorden lässt.“

 

Der Redakteur schüttelte den Kopf.

 

Ja, Sie mögen ja Recht haben, Mr. Random. Das würde Breedy sicherlich nicht tun. Er könnte jemanden verprügeln lassen, der ihm möglicherweise in den Weg gerät. Wer so viel Geld hat wie Breedy, hat es nicht nötig, Leute umbringen zu lassen. Der findet auch andere Wege, um seine Probleme zu lösen. Mord scheidet bei Breedy schlichtweg aus.“

 

Pit Loder lehnte sich in seinen Sessel zurück. Dann sprach er weiter.

 

An der Geschichte ist allerhand dran. Aber noch nichts, was wir drucken können. Wenn wir weiter wühlen, finden wir vielleicht etwas wirklich Handfestes, Mr. Random.“

 

Er blickte auf die Uhr.

 

Ich habe heute noch viel zu tun und muss weitermachen. Die Redaktion wartet auf mich. Ich will Ihnen etwas sagen, Mr. Random. Ich werde den jungen Mr. Hoetter darauf ansetzen. Er ist einer meiner besten Leute. Sie können ihn einsetzen, wann und wie Sie wollen. Er hat eine Gabe, Informationen zu beschaffen. Scheuen Sie sich nicht, ihm etwas aufzuladen. Das bekommt ihm gut. Zunächst einmal kann er sich um diesen Marcel Blank kümmern. Mir schien immer so, dass dieser Vogel nicht ganz sauber ist.“

 

Ich werde ihn morgen anrufen und mich mit ihm unterhalten“, erwiderte ich. „Hoetter heißt er, sagten Sie?“

 

Ja, Heinz Hoetter.“

 

Ich setze mich mit ihm in Verbindung, Mr. Loder.“

 

Ich stand auf.

 

Noch eine kurze Frage. Sie kennen wohl niemand, der Mitglied des Robot Master Club ist, Mr. Loder?“

 

Was ich?“

 

Der Redakteur lachte schallend.

 

Nein, nein. Aussichtsloser Fall.“

 

Ich möchte gern hinein und mich dort einmal umsehen“, sagte ich.

 

Machen Sie sich da mal keine Hoffnungen. Da kommt keiner rein, der nicht Mitglied ist oder von einem Mitglied eingeführt wird.“

 

Also gut. Wie auch immer, wir bleiben in Verbindung. Mit ein bisschen Glück habe ich in ein oder zwei Tagen etwas für Sie.“

 

Wenn es sich dabei um Breedy handelt, müssen es harte Tatsachen sein. Alles andere reicht nicht aus“, erklärte mir Mr. Loder und beugte sich über seinen Schreibtisch, um mich fest anzusehen.

 

Ich sage es Ihnen ganz ehrlich, Mr. Random. Ich kann mir eine Verleumdungsklage von ihm nicht leisten. Dieser Breedy hat die Macht, unser Blatt zu vernichten.“

 

Wenn Sie von mir etwas über Lee Breedy bekommen, sind es solide, stichhaltige Tatsachen. Darauf können Sie sich verlassen, Mr. Loder“, sagte ich.

 

Das glaube ich Ihnen gerne, Mr. Random. Wir beide verstehen uns.“

 

Wir schüttelten uns die Hände, und ich verließ ihn.

 

Endlich hatte ich jemand, auf den ich mich verlassen konnte.

 

Das war ein sehr tröstliches Gefühl.

 

***
 

Teil 14

 

Fortsetzung folgt irgendwann!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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