Jürgen Malodisdach

Bimmelguste und Schlachtefest

So was hatte ich noch nie erlebt

 

Wir hatten gut geschlafen, so kurz unterm Dach eines Spreewaldhauses. Vater und ich.. Bei meinen Schwiegereltern. Trotzdem wir über uns das Schilfdach hatten, war es auch in der Winternacht nicht kalt. Die Betten hatten eine Strohunterlage, natürlich mit Decken und Bettwäsche bedeckt. Als Zudecke nutzten wir richtige Federbetten. Einfach prima.

Hier in diesem Haus wohnte die ganze Familie mit Oma, Hermann und Anna und Fritz und Erwin . Das war so üblich in dieser Gegend.

Zum Haus gehörte eine große Küche mit etlichen Kochstellen. In einem großen Kessel wurde das Futter für die Schweine gekocht. Auf einem separaten Herd dann die Speisen für die Familie zubereitet.

Dann war da ein großer Auffentalsraum mit langem Tisch und vielen Stühlen.

Wir waren beide jetzt die einzigsten Frühstücksesser, denn alle anderen waren schon lange bei der Arbeit.

Das Vieh mußte versorgt werden und es gab eine Unmenge von Aufgaben hier auf dem Hof. Ich war natürlich neugierig, was der Tag für mich bringen sollte. Vater wurde zum Stall ausmisten eingeteilt. Zusammen mit Erwin. Der wußte natürlich , wie es richtig gemacht werden mußte.

Die Kühe waren schon längst gemolken. Die Tiere hatten ihr Futter. War alles schon erledigt, bevor wir Stadtmenschen ausgeschlafen hatten.

Vater war ja oft auf dem Hof zum Helfen. Wurde auch geachtet als zusätzlicher Hofarbeiter. Aber so ganz, als der große Familienangehöriger wurde er , glaube und hörte ich, wurde er nicht angesehen.

Es war schwer , als Auswärtiger in eine Familie des Spreewaldes aufgenommen zu werden. Wie konnte sich auch der Sohn eines Bergmannes aus dem Senftenberger Kohlebergbaugebiet erdreisten eine Tochter aus dem Spreewald zu verführen und auch noch zu entführen. Die haben zwar geheiratet und ein paar Kinder gezeugt, aber naja. So war das eben damals.

Wie ich hörte, haben ihm die Jugendlichen der Gegend das auch mit ihren Fäusten zu spüren gegeben.

Das war natürlich alles lange her, als ich es erfuhr. Löste auch bei anderen Leuten etwas Heiterkeit aus. So war es eben.

Es war auch damals Mode, daß der Gutsherr, bei dem Mutter in Stellung war , also als Magd das Leben auf einem Bauernhof lernen sollte , als erster Mann in ihrer Hochzeitsnacht mit ihr Sex haben durfte. Sie lächelte darüber, als wir mal auf dieses Thema zu sprechen kamen.

Na gut, Vater hatte es nicht leicht in Mutters Verwandtschaft. Hats aber hingenommen. Wir Kinder dagegen wurden vergöttert und verhätschelt. Waren immer gern gesehen und haben nie Bösartigkeiten erlebt.

Waren immer angenehme Zeiten für uns , zumal die eigentliche Familie größer war. Einige Frauen, also Geschwister waren schon außer Haus, verheiratet , lebten auf einem eigenen Grundstück. So hatten wir oft die Möglichkeit reihum in anderen Familien, auf anderen Höfen , unsere Schulferien zu verbringen.

Von dieser Warte aus gesehen, ging es uns Kindern verhältnismäßig gut. Aber das Leben bestand ja nicht nur aus Schulferien und Besuchen im Spreewald. Deshalb war es schon ganz schön schwierig , die Nachkriegsjahre in einer mittelgroßen Stadt zu überstehen.

Die Aussicht auf das Schlachtfest auf einem Spreewälder Bauernhof war darum schon etwas ganz Besonderes.

Es gab damals Gesetze , nach denen die Erzeuger, also die Bauern, von allen produzierten Waren ein Teil an den Staat abgeben mußten. Ist ja klar, denn die Menschen in den Städten wollten ja auch ernährt werden.

Von den aufgezogenen Schweinen durfte aber die Familie Hermann und Anna mit ihren Kindern Fritz und Erwin und Oma und noch andere Mitglieder, einige Tiere für ihre eigene Ernährung behalten. Schlachtungen mußten angemeldet werden. Wurden von Tierärzten genau kontrolliert und durften auch nur von einem Fachmann ausgeführt werden. Kostete den Bauern auch einiges an Gebühren. Deshalb legten auch oft mehrere Bauern , meist gute Nachbarn, ihre Termine zusammen. Nicht nur die Termine , auch die zu schlachtenden Tiere wurden zusammen gelegt und geschlachtet.

War eine riesige Angelegenheit. Ich war nicht dabei. Ich esse zwar gerne Wurst und Fleisch, aber Tiere könnte ich nicht töten. Ein Widerspruch, aber so ist es eben.

So waren die Vorbereitungen schon in vollem Gange, als ich mit Vater dazu kam. Von Früh an war ein geschäftiges Treiben auf dem Hof. Viele Vorbereitungen waren getroffen worden. Auf dem Hof stand ein großer Backofen aus Steinen gebaut. Der wurde jetzt gefüllt mit Holz. Mußte richtig angefeuert werden. Das dauerte. Nebenbei wurden Teige angesetzt. Für Brot und auch für verschiedene Kuchen.

Das muß man mal gesehen haben, was da für Mehl und sonstige Zutaten in den großen Bottichen verschwanden. Ich durfte mithelfen. Schleppte andauernd neue Beutel und Säcke und Pakete zu den Trögen. Mehl , Zucker , Fette, Wasser, Salz und jede Menge Obst für die Kuchen mußten heran geschafft werden. Und natürlich geschält und entsteint werden.

Die Frauen , auch die Nachbarn waren mit hoch hochgekrempelten Ärmeln beim Teige kneten dabei. Maschinen gab es dafür nicht.

Brote wurden gebacken, die waren mehrere Kg schwer. Die Scheiben davon waren so groß, daß ich kaum eine Einzige verputzen konnte. Und geschmeckt haben die , nicht mit heutigen Brot zu vergleichen.

Wenn der Backofen die richtige Temperatur hatte, wurde die Asche entfernt. Die Steine des Bodens gereinigt . Darauf wurden erst die Brote gebacken.

Waren sie fertig, kamen die Kuchenbleche drauf , besser gesagt rein in den Ofen. Verschiedene Obstkuchen, Streuselkuchen und viele andere Arten.

Erst am nächsten Tag war die große Futterarie. Die Brote waren nun ausgekühlt. Eine Scheibe davon, nur mit frisch gekirnter Butter bestrichen. Die war von Oma hergestellt worden. Stundenlang hat sie, mit kleinen Unterbrechungen am Butterfaß geackert.

Da braucht man nichts anderes oben drauf. Auf der Kaffeetafel standen dann die vielen Kuchen. Ich habe gefuttert. Kuchen mit Schlagsahne, kannte ich vorher auch nicht. Die war auch von Oma geschlagen worden.

Vater sagte zu mir, Junge , iß bloß nicht zu viel Kuchen. Zum Abend gibt es noch Fleisch und Wurst und Hackepeter und Sülze und, und, und. Ich habe alles vertragen.

Etliche Kinder, die nicht zu den eingeladenen Gästen gehörten, kamen mit irgend welchen Behältern und bekamen aus dem großen Wurstkessel eine wunderbare Brühe mit Würstchen aller Arten und Wellfleisch. Schmeckte toll. War auch so üblich, unter den Dörflern, Vielen etwas abzugeben.

Es wurden auch Wurstsorten hergestellt. Da es aber nur selten und wenige Därme zum Abfüllen gab, hat man die Wurstmasse einfach eingeweckt. Das war eine Art der Vorratshaltung, macht man heute auch noch. Wie man das auch mit Obst und Gemüse macht. Schmeckt übrigens hervor ragend.

Die Erwachsenen haben schon bei Zeiten angefangen ihr Bierchen und Schnäpschen zu verkosten. Das war nun nichts für mich.

Alle Räume des Hauses waren mit großen Tischen und Bänken ausgestattet. Es waren ja eine Menge Gäste beim Feiern, auch mit Musik und Tanz. Auch draußen auf der Veranda und sogar auf dem Hof. Ein toller Spaß rundherum.

Haben sich , glaube ich, alle verdient. Denn ihre tägliche Arbeit war schwer genug und beanspruchte Jeden viele Stunden täglich.

Außerdem waren diese Zeiten insgesamt sehr schwierig. Und so eine gemeinsame Feierlichkeit war eben immer etwas Besonderes.

 

 

Und als zusätzliche Anlage ein paar Kopien von Bildchen vom Spreewald von vor über 100 Jahren

in der Eile nicht so gut gemacht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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