Sonja Soller

Das Geschenk Xl

Anno 1441
Xl

Elsbetha - Radea - Wetzel

Still hörte Radea zu was Elsbetha zu berichten hatte. Es war eine unglaubliche Geschichte.

Es ist das Schicksal, das unsere Wege lenkt, wir können uns dem nicht entziehen, alles hat seinen höheren Sinn.“ Elsbetha versuchte dem Mädchen die Angst zu nehmen, die in ihren Augen stand. Beruhigend nahm sie Radea`s Hände in die ihren. „ Nachdem der Dorfschulze das Neugeborene für den Tod seiner Frau verantwortlich machte, wollte er das vermeintliche Unglückskind nicht in seinem Hause haben. So nahm ich den Säugling, dich, in meine Obhut. Das ist nun schon viele Jahre her und du bist mir eine wunderbare Tochter geworden.“ Radea immer noch ganz still und ergriffen von dem Gehörten. „Da du nun weißt, was es mit den unerklärlichen Geschehnissen auf sich hat, bitte ich dich mit dieser Kenntnis behutsam umzugehen, vermeide Berührungen anderer Menschen, insbesondere fremder Menschen. Wenn du dann Visionen bekommst, kann es sein, dass du die Kontrolle verlierst, egal wo es gerade passiert, und die Folgen will ich mir gar nicht ausmalen. Der Dorfschulze ist ein grober, brutaler Mann, wenn es um sein Ansehen geht. Auch ist er nicht sehr beliebt bei den Bauern. Aber auch unter ihnen gibt es Speichellecker, die ihre Mutter für einen Silberling verraten würden. Niemand im Dorf weiß wer du wirklich bist. Auch ich bin deinem Vater seither nicht mehr begegnet. Wahrscheinlich würde er dich, wenn du allein unterwegs wärst und ihr euch zufällig begegnen würdet, gar nicht erkennen.“

Radea löste sich von Elsbetha. „ Werde ich meine Geschwister jemals kennenlernen, warum sehe ich keine Bilder wenn wir beide uns berühren?“ „Mein Lieb, wir beide stehen uns so nah, und du deswegen wahrscheinlich keine Visionen hast, anders kann ich es auch nicht erklären. Sara hat sich ebenfalls gewundert, sie hat ihren Ehemann und die Kinder auch täglich berührt und keine Visionen gehabt. Es kann so sein, dass die Bilder nur bei völlig fremden, unbekannten Personen auftreten. Diese Visionen können nicht gelenkt werden, sie tauchen unvermittelt, jedoch nicht bei jedem auf, und es kann das geschehen, was in der Spitalkirche geschehen ist, du in Trance fällst und deine Umgebung nicht mehr wahrnehmen kannst. Ich möchte nicht weiter darüber nachdenken, was mit dir geschehen könnte, wenn dieses eintreten würde.

Radea musste nachdenken und verließ die Hütte. Aufmerksam hatte sie ihrer Momsa zugehört. Zuviel Ereignisse auf einmal, die musste sie erst einmal verarbeiten. Dazu brauchte sie die Abgeschiedenheit des Waldes. Sie ging weiter hinein, da wo der Wald dichter wurde, dort wo sie sich immer schon geborgen fühlte, sie setzte sich auf einen Findling und ließ alles was Elsbetha ihr gerade erzählte, noch einmal an sich vorüberziehen. Dieser Tag hatte mit einem Schlag ihr bisher unbeschwertes Leben völlig verändert. Radea verbarg das Gesicht in ihren Händen und fing fürchterlich zu weinen an.

                                                                              *

Die unglaublichen Geschehnisse am Berghang hatten Wetzel tief beeindruckt. Er war dem Mädchen bis zu ihrer Hütte gefolgt. Dieses seltsame Mädchen übte eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Selbst wenn er gewollt hätte, er konnte sich nicht von diesem Ort entfernen. Er wollte sehen, was weiter geschah und hielt sich weiterhin im Verborgenen.

Er beobachtete das Heimkommen der alten Hebamme, lange hatte er sie nicht mehr gesehen, dass ein Mädchen bei ihr in der Hütte wohnte, war ihm bis heute nicht bekannt. Und was für ein Mädchen, voller Liebreiz und Frohsinn und doch so geheimnisvoll.

Inzwischen war die Dämmerung hereingebrochen. Üblicher Weise begab sich der naturverbundene Mann spätestens dann auf den Heimweg, heute war es ihm nicht eilig damit. Die Vorkommnisse des Tages ließen ihn weiterhin im Schatten der Bäume verharren.
Im Dämmerlicht sah er, wie das Mädchen sich von der Hütte entfernte und sich ein Wegstück weiter auf einen Findling hockte, sie fing fürchterlich an zu weinen. Vorsichtig folgte Wetzel ihr, immer noch im Verborgenen. Er suchte eine Möglichkeit sich dem Mädchen zu nähern, ohne es zu erschrecken.

Radea hatte plötzlich das Gefühl beobachtet zu werden, so wie heute schon einmal. Sie schärfte ihre Sinne und drehte sich ruckartig in die andere Richtung.
Die Dämmerung, die stetig zunahm und jeden Schatten schluckte, gab den Beobachter nicht zu erkennen.Hallo, ist da jemand?“ Außer dem Rauschen des Windes in den Bäumen, war nichts zu hören. Aus der, im Dämmerlicht stehenden Baumgruppe kamen knackende, berstende Geräusche. Radea sprang auf, sie ging auf die Baumgruppe zu und entdeckte so den heimlichen Beobachter.
Was tust du hier, warum beobachtest du mich. Verfolgst du mich ?“ Wetzel total überrascht stockte der Atem; damit hatte er nicht gerechnet.

Er starrte das Mädchen an, versuchte es zu beruhigen. „ Hab keine Angst, ich will dir nichts Böses.“
"Was willst du von mir“, versuchte Radea es noch einmal, der Ton wurde schärfer.Weiß nicht, wie ich es sagen soll, ich war von dir so gefangen, dass ich dir von der Felsenkuppe bis zur Hütte folgen musste. Auch hatte ich das Gefühl uns verbindet etwas, dass ich nicht erklären kann, ich wollte einfach mehr von dir erfahren, und so bin ich dir gefolgt.“. Radea noch immer misstrauisch. „Wenn du mir kein Leid zufügen willst, dann komm mit in unsere Hütte, dort können wir weiter reden.“ Wetzel wollte Radea beruhigend an den Arm fassen, sie aber wich erschrocken zurück.Komm!“ Der energische Tonfall ließ keinen Widerspruch zu. Wetzel folgte Radea in die Hütte.

Das Kitz schaute nur einen Moment auf und knabberte weiter an dem, was der Waldboden hergab.

Fortsetzung folgt


27.11.2019 © Soso

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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