Karl-Konrad Knooshood

Das Silicon Valley des Ostens

 

"Deutschland muss erneut getrennt werden – diesmal geschieht es sogar freiwillig! Wir wollen frei sein!", dröhnte DRAVOL DRAVTSZAK durch das Mikrophon von seinem Podium den Massen entgegen. "Lasst uns ein neues Ostdeutschland aufbauen, ein unabhängiges, demokratisches, eine deutsche Republik! Diesmal eine, die diesen Namen auch verdient! Die wirklich demokratisch ist!"

 

Frenetischer Jubel, Beifall brandete ihm entgegen, begeisterte Pfiffe, seinen Namen skandierten sie, auch ein paar Parolen. Positive, friedliche freilich. das Schönste für ihn war, dass diese Worte aus seinem tiefsten, ehrlichsten Herzen kamen. Er aalte sich innerlich, sonnte sich genüsslich im Jubel, Trubel der Massen, rief sich aber selbst bald darauf zur Räson und machte eine beschwichtigende Geste: "Wir wollen…" – lauter Jubel unterbrach ihn erneut… "…wir wollen ein neues, besseres Land schaffen, wollen alle für den Erhalt unserer Demokratie und unserer tradierten Werte einstehen, sie retten vor dem Zugriff…" – er deutete in westliche Richtung, eigentlich hätte er nördlich hinzeigen müssen, denn dort war das dem Westen zugehörige, sicher abgeschirmte Epizentrum, das Shithole des Westens: Berlin. Man erlaubte dem neuen Westen des Landes, seine Immer-noch-Dreckloch-Hauptstadt mittels Flugzeugen mit allem Nötigen zu versorgen. Eine Art Luftbrücke 2.0, nur mit moderneren "Rosinenbombern".

 

Grenzen und Mauern wurden entlang der alten Grenzen zwischen der BRD und DDR aufgebaut und schwerbewacht. Etwaige Einwanderer aus gefährlichen, islamisch regierten Ländern wurden freundlich aber bestimmt abgewiesen, wenn sie versuchten, Zäune zu überklettern, wurden sie verhaftet, in ein grenznahes Abschiebegefängnis verbracht und wenige Tage später abgeschoben, das hieß im Klartext: Ab nach Libyen, von wo aus sie gekommen waren. man war da knallhart: Wer keine Aufenthaltsberechtigung, keinen Pass oder Papiere hatte und nicht aus einem kriegsgeplagten Land kam, wurde konsequent weggeschickt, ohne Ansehen der Person, Hautfarbe und Herkunft (so Letztere nicht feststellbar war): Rückkehr nach Libyen.

 

Man wollte eine neue, wahrlich bunte, offene Gesellschaft bauen, mit den wenigen Einwanderern, die sie mitgestalten wollten, ohne in Opferhaltung zu verfallen und ungerechtfertigterweise den ostdeutschen Bürgern pauschal Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vorzuwerfen. Die Willigen, die Hochqualifizierten oder wenigstens Fleißigen, Arbeitswilligen (und ja, sie mussten binnen eines halben Jahres Aufenthalt einen Arbeitsplatz und ausreichende Sprachkenntnisse vorweisen, Letztere verhandlungssicher), durften bleiben und sich vermehren. Unter der Voraussetzung, dass sie sich integrieren und mindestens formal anpassen. Privat gern ihre heimischen Traditionen weiterleben, in der Öffentlichkeit nur in der deutschen Sprache sprechen, auch untereinander, die Sprache als einzig akzeptierte Verhandlungssprache neben Englisch (wer ausschließlich Letzteres sprach, machte sich schwer verdächtig, auch wenn es keine größeren Konsequenzen für ihn geben musste). Sie mussten sich darüber hinaus an die Gesetze halten, (alternative) Lebensformen sexueller und anderer Art akzeptieren und respektieren, höflich und hilfsbereit sein, freundlich gegenüber Frauen (Vergewaltigungen führten, neben Mord, Totschlag und vergleichbar gravierenden Straftaten, zur sofortigen Abschiebung, ohne Wenn und Aber und Ansehen des ausländischen Delinquenten, ohne Berücksichtigung seiner Hautfarbe, Herkunftsland und persönliche "traurige" Geschichte), Gleichberechtigung schätzend, die Grenzen Anderer respektierend – und all die wunderbaren Werte der Freiheit und Gleichheit vor dem allgemeingültigen Gesetz – waren essenziell und wurden entsprechend selbstverständlich gefordert. Man schuf ein neues Grundgesetz, ein wesentlich klarer definiertes und weniger pathetisches, das auf die Bedürfnisse der Bürger und Erfordernisse einer modernen demokratischen Gesellschaft abgestimmt war. Ein neues, universell freies aber konsequentes, ein innovatives Deutschland entstand jenseits der Elbe, das Erzgebirge, ganz Sachsen, dessen Hauptstadt Dresden aufgrund ihrer Geschichtsträchtigkeit nun zur neuen Bundeshauptstadt gekürt wurde, wurde zum kreativen, innovativen Epizentrum der Republik. Der neue Kanzler, DRAVOL DRAVTSZAK, ein Bundeskanzler, wie im Westen, ließ aus Subventions- und Steuertöpfen sowie sonstigen Staatseinnahmen den Erfindungsgeist seiner Bürger nach Kräften fördern, die Wirtschaft begann zu brummen, dann zu dröhnen, dann als gigantisches Perpetuum Mobile zu laufen, die Arbeitslosigkeit sank auf einen der Null gefährlich nahen Wert, der Sozialstaat war hart aber fair.

Jeder der wollte, konnte mit wenig Mühe einen Job finden, jeder Mensch wurde gebraucht, attraktive Versicherungen und Zusatzleistungen machten auch Berufsfelder beliebt, die im verfallenden Westen immer weniger Zulauf hatten, etwa Pflegeberufe und Medizinische-Helfer-Berufe oder mies bezahlte Wach- und Schutztätigkeiten waren gar nicht mehr so höllisch. Die Bezahlung war, verglichen mit der beschissenen im Westen, fürstlich, auch bei familienfeindlichen Jobs, deren Arbeitszeiten zudem den Biorhythmus durcheinanderwirbelten, bemühte man sich, den Arbeitnehmern möglichst angenehme Arbeitsbedingungen zu bereiten, Arbeitnehmerrechte wurden durch Betriebsräte in sämtlichen Unternehmen sowie starke Gewerkschaften gesichert und vertreten. Betriebe, die keinen Betriebsrat zulassen wollten oder die Betriebsratsgründungswilligen schikanierten, wurden systematisch bedrängt oder gleich aufgefordert, das Land zu verlassen.

 

Es gab sogar, auch dies ein veritabler Jobmotor, Betriebsratskontrolleure, die zu überprüfen hatten, ob jeder Betrieb einen Betriebsrat hatte und ihn ohne Schikanen und Sabotage agieren ließ. Bei Zuwiderhandlung drohten empfindliche Bußgelder und im Wiederholungsfalle die teilweise oder gar ganze Schließung des Betriebes mit der Arbeitsplatz-Neufindungsgarantie für die Beschäftigten. Einige internationale Leuteschinder-Konzerne hatten, nach massiven Strafzahlungen, schon verduften müssen, etwa das Restaurant mit den zwei goldenen Bögen, das Konkurrenzunternehmen mit der Krone und dem Whopper, auch GOOGLE und AMAZON hatten ihre Niederlassungen aufgeben müssen. Zu Anfang schien dies riskant, doch die Regierung führte diesen rigiden Kurs konsequent durch – und siehe da: Es entstand ein schnell auch nach Ost- und Südeuropa expandierendes Mammut-Versandunternehmen, auch eine eigene Suchmaschine wurde kreiert, die viel übersichtlicher, benutzerfreundlicher und schöner im Design war als GOOGLE, die GOOLEisierung der Welt stockte an diesem Punkt, besonders von Reiz war, dass diese Suchmaschine keine Daten über ihre Nutzer sammelte und keine Bewegungsprofile anlegte. Die Expansion fand wiederum Richtung Ost- und Südeuropa statt, Richtung Nordeuropa zunächst, dann auch Südamerika, Afrika und Teilen von Asien. Osteuropa und Teile des Westens (nicht Westdeutschland) nahmen diese neue Alternative nach anfänglicher Skepsis auch dankend an.

 

Der Bundeskanzler, der sich, in der FRIEDRICH-II-Tradition als "Oberster Diener meines Volkes" sah, sah mit Stolz, wie sich die Meinungsfreiheit, statistisch wie real, nach langen Jahren der staatlichen Zensur und Redeverbote (die im jetzigen Westen unverdrossen fortgesetzt wurde) entwickelte.

Es war wie ein tiefes, zufriedenes Durchatmen nach einer langen Erkältungsperiode, wie eine Behandlung mit ätherischen Ölen. Der Humor blühte wie selten zuvor, wurde mutiger, herrlich politisch unkorrekter und anarchischer, auch erfrischend internationaler. Er war nicht linkskonnotierten Weltbildern und Konsenskomikern, feigen Fahrwassermitschwimmern der Regierungsmeinung vorbehalten (wie im Westen jeden Tag stärker), sondern feuerte zu allen Seiten gleichermaßen, war konservativ oder links. Oder bürgerlich mittig. Da der linke Humor platt, dümmlich und durchschaubar war, erfreute er sich weitaus geringerer Beliebtheit als der sonstige, fand aber auch seinen Markt. Es gab einen kleinen Bereich der Migranten-Comedy, der die wenigen Migranten und ihre Alltagsprobleme auf die Schippe nahm und die Gesamtgesellschaft adressierte. Auch waschechte Nazis und deren Comedy gab es – und auch sie wurde zugelassen. Schließlich handelte es sich zum Glück um eine Minderheit der ostdeutschen Bevölkerung (man hatte etwa 1-2% errechnet) – und da universelle Meinungsfreiheit herrschte, durften auch die Nazis im Rahmen der Gesetze (einen ähnlichen Paragraphen wie den der Volksverhetzung gab es durchaus) ihre Possen reißen, fanden damit zwar Gehör – aber wenig. Was die Bekämpfung extremistischer Umtriebe betraf, verfolgte man links- und rechtsradikale gleichermaßen, die wenigen Moscheegemeinden, die existierten, wurden intensiv überwacht. Jede Volksverhetzung (die hier anders hieß), alle Drohungen gegen die "Kuffar" vonseiten Islamangehöriger wurden hart geahndet. Moscheen wurden massenweise geschlossen, hasspredigende Imame abgeschoben, des Landes verwiesen oder, wenn sie in Ostdeutschland geboren und somit ostdeutsche Staatsbürger waren – konnten langjährigen Gefängnisstrafen, im Extremfall wörtlichem LEBENSLÄNGLICH entgegensehen. Mord und Totschlag, vonseiten Einheimischer begangen, zogen mitunter eine lebenslange Freiheitsstrafe nach sich, ebenfalls im wörtlichen Sinne. Eine strikte Nulltoleranz-Politik. Strikt setzte man durch: Gleiches Recht und gleiche Bestrafung für alle.

 

Die Grenzen wurden sehr effektiv geschützt, streng, hart aber herzlich. Der Austritt aus dem autokratisch-autoritären, die Souveränität seiner Mitgliedsstaaten aufhebenden Regime der EU war nur noch eine Formsache und obligatorisch. Da auch andere osteuropäische Staaten in kurzen Zeiträumen davor und danach austraten, wird dieses Phänomen heute gemeinhin "East-Exit" genannt. Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien und einige der weiter östlich gelegenen, schon unter der UDSSR gelitten habenden Staaten, die in den immer weiter um sich greifenden Macht- und Ermächtigungsgier der EU ebenjene Bestrebungen ebenjene Bestrebungen der alten Sowjets erkannt hatten, traten aus.

 

Sie gründeten nun, gemeinsam mit Ostdeutschland, der Bundesrepublik Ostdeutschland (BOD) einen eigenen Staatenverbund für fruchtbare, effektive ökonomische Zusammenarbeit, ähnlich dem, was die EU, 1957-58 als EG gegründet, einmal gewesen war.

 

Man beschloss, zwar gut zusammenzuwirken und sich im Notfall beizustehen, doch auf keinen Fall sollten die anderen Mitgliedsstaaten jemals für die Schulden eines einzelnen hochverschuldeten, korrupten Staates aufkommen, es gab Rückzahlungskriterien und Modalitäten, streng aber fair.

 

Während die BOD florierte, ökonomisch wie ökologisch aufblühte und in jeder nur erdenklichen Disziplin zu einem der Top-Staaten in der Welt aufstieg, während es Nobelpreise auf das kleine Land im vorderen Osten des Kontinents Europa regelrecht regnete, in Naturwissenschaft und Technik, Literatur und Kunst – und sich der Bundeskanzler, der sich selbstverständlich auf die Seite Israels in Fragen des Nahostkonflikts stellte (Antisemitismus duldete er nicht, Antisemiten konnten, ob Landsleute oder Zugewanderte, des Landes verwiesen werden), um Frieden mit einigen Ländern der Welt bemühte (ob er den Friedensnobelpreis bekommen würde?) – verfiel der Westens zusehends. In einer Mischung aus Unsicherheit, was seine eigenen Werte, das für sie Einstehen sowie ihre Verteidigung gegen innere wie äußere Feinde im Notfall oder Zweifel betraf – und dem allzu flexiblen Umgang mit eigenen Prinzipien, die man bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Bord warf, biederte man sich an Islam und Islamangehörige an, ließ, aus eigener, feiger, phlegmatischer Bequemlichkeit und falschverstandener Toleranz heraus alle Fisimatenten dieser Klientel gewähren. Man ließ sie Moscheen bauen, schloss die kaum mehr besuchten Kirchen, wandelte sie zum Teil in Moscheen um, ließ den Hass und die Hassverbrechen gegenüber Juden vonseiten der Muslime zu, lippenbekenntnisste Besserung und Bekämpfung der Probleme schwafelnd herbei, ohne wirklich zu handeln und sah stoisch dabei zu, wie die wenigen hundert noch im Westen lebenden Juden das Land aus Angst um ihre Existenz, in multipler Hinsicht, in Richtung USA, Israel oder in die Bundesrepublik Ostdeutschland (BOD) verließen, derweil der muslimische Antisemitismus auch den in rechten und linken Hardliner-Kreisen schwelenden, subliminal brodelnden wieder salonfähig machte. Nach außen hin gab man sich weiterhin "weltoffen und bunt"; diese verlogenen Floskeln wurden immer bedeutungsloser, genau wie ihr "Gegenteil", etwa "Hass", "Hetze" und das bis ins geradezu Lächerliche, Verharmlosende verzerrte, überdehnte Begriffe wie "Rassismus" und "Nationalismus", "Nazi" und "Rechtspopulisten". Westdeutschland, die alte BRD, war nur noch ein ideologisch verquaster, suppiger, klebrig-schleimiger Konsenshaufen, ein Hohlkörper ohne Saft, (ökonomische) Kraft, ein dem Elend zum Fraß vorgeworfenes Ex-Spitzenland, nun ein Shithole mit Dritte-Welt-Charme.

 

Die Straßen wurden zu Mordzonen, Schlachthöfen, zu Vergewaltigungshotspots, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. In den meisten größeren Städten gab es Ausgangssperren nach 20 Uhr, meist für Frauen. Die modernen Vierte-Welle-Feministinnen hatten sich völlig zerrieben und dienten sich, opportunistisch wie sie schon immer gewesen waren aber wie nie zuvor, allmählich ans neuentstehende Patriarchat an.

 

Auf die Polizei konnte man sich nicht mehr verlassen. Sie war zu einer weichen Waschlappentruppe, der man die Zähne gezogen hatte, geworden: Schusswaffen wurden ihnen verboten, da sie ja angeblich sonst allzu willkürlich von ihnen Gebrauch machen hätten können und man "keine Zustände wie in Amerika" haben wollte, wo angeblich generell rassistische Cops enthemmt auf Schwarze schössen. Dieser Satz, "Wir wollen es nicht wie in Amerika hier!" war das neue Totschlagargument gegen alles und für mehr Hirnrissigkeit und Unvernunft: Da die Polizeibeamten nicht mehr schießen konnten, da sie nicht mal mehr Reizgas zur Selbstverteidigung verwenden durften und sowohl Handschellen als auch jegliche Art von Plastikfesseln und Klebeband verboten waren (weil sie "gegen Menschenrechte verstoßen" und "umweltschädlich sind" [siehe Plastik] und man einem Delinquenten, nicht mal vorübergehend, seine Bewegungsfreiheit nehmen wollte).

 

Somit war die Polizei keine Gefahr mehr. Längst hatten sich auch auf dem Rechtdurchsetzungs- und Schutz-/Sicherheitsmarkt mehr oder weniger seriöse, oft sehr willkürlich vorgehende, nicht selten überdurchschnittlich gewalttätige Konkurrenzunternehmen gebildet, private Sicherheitsdienste, die sich jetzt auch die Kompetenzen der Polizei dreisterweise als viel zu großen Marsch-Tot-Tret-Stiefel anzogen, die Polizei konnte nichts tun, sie war ja de facto entmachtet. Auch reaktionäre, brutale Bürgerwehren bildeten sich, durchaus nicht nur rechtskonnotierte, sondern auch linke, bürgerliche, "reichsbürgerliche", anarchistische sowie Quasi-Milizen islamischen Glaubens.

 

Frauen trugen übrigens meistens Kopftuch, mittlerweile auch die, welche nicht den muselmannischen Irrglauben teilten, denn es erschien ihnen als das kleinere Übel, um der Wahrscheinlichkeit einer sexuellen Belästigung, im Extremfall der eigenen Vergewaltigung weitestgehend zu entkommen. Unverschleierte Frauen galten den prozentual bereits bei etwa 40 Prozent der Bevölkerung liegenden Muslim-Männern als Freiwild. "Aufklärungs"-Filme wurden gedreht, Hinweisschilder empfahlen eine Verschleierung, keine Burka, aber wenigstens ein Hijab.

 

Widerstand gegen diese Entwicklungen gab es nicht, im Gegensatz zu den Bewohnern der neuen BOD hatten die Westler niemals gelernt, sich gegen immer unhaltbarere, unerträgliche Zustände aufzulehnen und sie entschlossen zu bekämpfen. Die Westler hatten nie eine Diktator mit weitestgehend friedlichen Mitteln niedergerungen.

Man brachte keine Opfer, man opferte nichts, schon gar nicht sich selbst, man (empfand sich als/)war Opfer!

 

Aus dem Osten sah man diesem Treiben fasziniert aber deprimiert zu, ließ sich freilich auch nicht mit in den Abgrund reißen. Diesmal nicht. Man sendete Subventionen, sonstige Zuwendungen und mehr, auch Carepakete, ja sicher, man war ja tief im Innern noch verbunden. Das Leid ließ sich dennoch nicht lindern.

 

Man würde warten müssen. Warten, ob das Land, von dem man sich zunehmend distanzierte, nachdem man sich längst emanzipiert hatte, sich nochmal erholen würde. Danach sah es nicht aus. In der BOD war es so viel schöner:

 

Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, volle, saftige (Misch-)Wälder, blühende Blumenmeere (Blumen waren, neben Hochtechnologie, die auch vor Ort statt in Billiglohnländern hergestellt wurde, neben Literatur, Kunst und ostdeutschen Spezialitäten der Küche, übrigens ein Exportschlager, der Hollands Tulpenzucht ernsthafte Konkurrenz machte), Sicherheit und Wohlstand. Volle Supermarktregale, zahlreiche hochmoderne Kaufhäuser. Frauen und Mädchen, junge Leute wie Senioren (Letztere genossen üppige Renten, die ihnen ein würdiges Leben auch in den nicht überfüllten, von jeder Menge Pflegepersonal bevölkerten Altenheimen, eine beinahe 1:1-Individualbetreuung/Pflege war möglich) konnten auch nachts angstfrei durch Straßen und Parks lustwandeln und über Spazierwege flanieren, Vergewaltigungen, Raubüberfälle und Gewaltakte fanden selten statt, das hohe Strafmaß schreckte die Mehrzahl potenzieller Täter ab. Das Recht auf eine zwar geringe aber für alle vorhandene Grundversorgung und das Recht auf Wohnraum (auch wenn zu diesem Zweck teils sehr hässliche Wohnblöcke in schwindelerregende Höhe gebaut werden mussten) garantierte jedem Bürger eine Wohnung/Unterkunft. Wer keine aus eigener Kraft fand, bekam eine zugeteilt, meist in besagten Blöcken, wobei man sich bemühte, sie so modern und komfortabel wie möglich zu gestalten. Es gab sogar spezielle Einrichtungsgeschäfte, eigens für solche Wohnblockwohnungen, in denen man die geschmackvollsten, buntesten und ausgefallensten Tapetenmuster, Gardinen, Teppiche und ein reichhaltiges Angebot an Zier- und Kletterpflanzen sowie Blumen aller Art erhielt, zu fairen Preisen.

 

In der Umgebung der Wohnblöcke bemühte man sich, alles so lebenswert wie nur möglich zu bauen, infrastrukturell zu optimieren, Spazierwegnetze durch Parkanlagen, mit Spielplätzen, Tretbecken und Parkbänken, die mit barockem Design zum Verweilen einluden, wurden angelegt, die Bevölkerung zum Spazieren oder Joggen angeregt, nicht gezwungen! Zwang wurde nur in den seltensten Fällen und bei möglichst wenigen Gelegenheiten angewandt. Man wollte das freie Individuum. Der per Zwangsgebühren finanzierte, behäbige, gefräßige und jährlich seine Gebühren erhöhende Apparat der öffentlich-rechtlichen Sender des Westens, die GEZ-Grütze, hatte hier keinerlei Chance.

Es gab ausschließlich privat finanzierte TV-Sender, Werbung versuchte man aus wichtigen Formaten herauszuhalten, Nachrichten, Dokumentationen sowie Talkshows waren grundsätzlich werbefrei, durften keine Werbung irgendeiner Art beinhalten, lediglich kleinere Produktplatzierungen waren gestattet.

Um eine möglichst große Bandbreite an Meinungen, politischen Haltungen und Weltanschauungen zu gewährleisten, unterstützte man die Gründung vieler Spartensender und auch monothematischer Kanäle, von ganz links bis ganz rechts (im Rahmen der Gesetze, die es gegen das gab, was im Westen "Volksverhetzung" genannt wurde), bürgerliche Mitte, auch esoterische Kulte, Musiksender natürlich, reine Werbe- und Verkaufssender, Sender, die exklusiv Werbung für die neuesten Produkte in den Einrichtungsgeschäften für die Wohnblockwohnungsinnenraumgestaltung machten, Sender, die ausschließlich Filmtrailer (natürlich vorsynchronisiert ins beste Ostdeutsch, wie später die ganzen Filme) zeigten, Gebetssender, Begräbnis-Tipps-Sender, Strick- und Nähsender, humanistische Atheismus-Sender und 24h-Nachrichtenkanäle. Apropos Kanäle: Es gab wieder eine Sendung namens "Der schwarze Kanal", aber nicht mit "Sudel-Ede", sondern kompetenten Journalisten, die sich um sachliche Berichterstattung über den Westen bemühten, dazu den gegenteiligen "Weißen Kanal", der sich kritisch mit dem Osten und der BOD auseinandersetzte, in die Introspektive ging. Hinzu der kuriose "violette Kanal", der eine eher spirituelle Sicht auf die Lage im Land und der Welt propagierte, der "grüne Kanal" für die "noch grün hinter den Ohren" Seienden (so auch sein Werbespruch)und der "graue Kanal", der den Senioren schonend beibrachte, was unvermeidlich abging in der Welt. Es gab einen Kitten-und-Welpen-Sender, auf dem die neuesten auf YOUTUBE, DTUBE, INSTAGRAM, FACEBOOK erschienenen (Amateur-)Katzen- und Hundevideos besprochen, bewertet und kommentiert wurden, den Kriegssender, auf dem nur über die weltweit aktuell grassierenden Kriegskonflikte berichtet wurde. Es gab Kindersender, Frauensender, Männersender, Machosender, Feministensender, einen Kanal, der rund um die Uhr "Dinner For One" sendete, ein anderer brachte "BREAKING BAD" von vorn bis hinten, alle 5 Staffeln in Dauerschleife. Auf dem STAR-WARS-Sender lief alles von STAR WARS, auf dem STAR-TREK-Kanal entsprechend alles Alte und Neue dieses Franchises. Auf "Verstehen Sie Spaß24" liefen alle alten Folgen jeglicher "Verstehen Sie Spaß?"-Ableger und Nachahmungen, aller alte Schrott aus dem Westen. Wer das den ganzen Tag schaute, wurde jeglichen Spaßes verlustig. Einen besonders skurrilen Sender gab es auch: Er zeigte überwiegend Filmklassiker, aber nicht in HD-Qualität, sondern wie VHS: körniges Bild, Bildstreifen, Farbstiche, Tonaussetzerchen, Flackern, Blendflecken…Später gab es noch einen Ableger von ihm, den BLAUENSENDER: Er sendete diverse Formate, Filme, Dokus, Talkshows (alte), Serien – allesamt in Blau-Weiß statt Schwarz-Weiß. Alles in sattem Himmelblau.

 

Die Nachrichten waren ausführlich, man baute im Bereich des Möglichen kein Framing auf, Narrative wurden selten gesponnen. Um die Bürger wirklich unbeeinflusst zu informieren, nannte man Fakten ohne Beschwichtigung und Beschönigung und vermied klauskleberische Bewertungen, insbesondere in Anmoderationen. Die Sprachwahl war vorsichtig, sachlich, ohne Emotionalisierung. Man informierte schonungslos und beauftragte Statistikerhebungsunternehmen, die versichern konnten, weder zu stark nach links noch nach rechts zu tendieren, oft erklärte man sogar (dies war allerdings der die Füße der Zuschauer einschläfernde Part), wie die Statistiken genau errechnet wurden.

Nur was für Mathe- und Zahlenfans, die bei einer 8 einen Ständer kriegen…

 

Die neue Republik war bei weitem nicht perfekt, nein, nein, so selbstüberschätzend war man nicht! Doch die Regierung tat etwas für ihr Volk, Gutes nämlich, das des Volkes Nutzen mehren und Schaden abwenden konnte. Falls eine politische Entscheidung falsch war und schadete, korrigierte man sie und/oder seinen politischen Kurs, Kritik aus dem Volk und den der Obrigkeit wieder auf die Finger schauenden und hauenden Medienbetrieb, der endlich wieder "vierte Gewalt" und nicht bloß Abnicker und Claqueur des Kanzlers war (bzw. im Westen der Ewigen Kanzlerin), nahm man sehr ernst und handelte entsprechend. War jemand nach einem gravierenden Fehler für sein Amt nicht mehr tragbar, trat er freiwillig zurück – oder auf vielfachen öffentlichen Druck. Nie wieder wollte man den Volkswillen ignorieren und sein eigenes Ding in Selbstsucht durchziehen, wie es eine Wahnsinnige, Fette, die ihre Hände vor viel zu engsitzenden Hosenanzügen im Westen allzu lang getan und somit das Land ins Unglück geführt hatte!

 

Der Bundeskanzler, der einer Partei angehörte, die im Westen wie Osten, ehe die BOD sich als unabhängiger Staat vom korrupten und desolaten Westen abgespalten hatte, zu Unrecht als "Nazipartei" verschrien gewesen war, einer bürgerlich-konservativen Partei, die zurzeit gemeinsam mit der SPOD (Sozialdemokratische Partei Ost-Deutschlands) regierte, bot selbst seinen Rücktritt an, nachdem er einen kleinen Fehler gemacht hatte, nichts Staatszersetzendes, aber eben ein Fehltritt. Er hielt eine kurze Rede aus dem Stegreif – und verabschiedete sich würdevoll, Neuwahlen anbietend.

Er hatte immer gewusst, dass er im Falle seines Fehls und Scheiterns konsequent demokratisch sein müsste, nicht an der Macht festhalten wie gewisse andere, westdeutsche Herrscherinnen (die sich für solche gehalten hatten);  er musste sein Versprechen einlösen. Er war ein so integrer Mann, dass ihm dies nicht allzu schwerfiel. So ging er auf würdige Weise in die Geschichte ein, als der Quasi-Staatsgründer der BOD, der Demokratie namens Bundesrepublik Ostdeutschland. Wie damals SCHMIDT, HELMUT, mischte er sich noch gelegentlich in die politische Debatte ein, erteilte Ratschläge, wo er es für möglich und nötig hielt, näherte sich dem Ganzen mit mitunter erfrischender Selbstironie. Nur rauchte er weniger als SCHMIDT, genaugenommen gar nicht. Er naschte nur gern ab und zu ein paar saure Drops.

 

Die Affäre, in deren Rahmen, quasi in aller Heimlichkeit, nachtundnebelaktionsartig durchgeführter Aktionen, westliche Dissidenten, unter ihnen einige der renommiertesten West-Journalisten (unter ihnen ROLAND TICHY, HENRYK M BRODER, ALEXANDER WALLASCH, DIRK MAXEINER und andere), in den Osten geschleust wurden, hatte ihm das politische Genick gebrochen, weil es so heimlich, wenn auch in bester Absicht, geschah, ablief, ohne dass er mit seinem Parlament oder irgendwem seines Volkes Rücksprache gehalten hätte. Man verzieh ihm diese Aktion, er wusste aber, dass er erwischt worden war und trat zurück.

 

Die Aktion hatte entfernt an ANGELA MERKELs Schleusenöffnung der deutschen Außengrenzen ohne Parlamentsbeschluss oder andere ordentliche Aktionen erinnert (das war die Aktion, die den Westen an den jetzigen Rand des Abgrundes geführt hatte) – und derartige Mauscheleien und opportunistische Alleingänge duldete man nicht.

 

Wie geht es mit dem neuen, unabhängigen Staat weiter? Hat jemand eine Idee?

 

Ich prophezeie, dass es lange Zeit, vielleicht sogar über mehrere Jahrhunderte gutgehen wird. Es wird über Probleme geredet statt sie zu verschweigen, es findet keine Zensur statt, man versucht, die höchstmögliche Zufriedenheit und Lebensqualität aller zu ermöglichen, was gut gelingt, Probleme werden beim Schopf gepackt und nicht ignoriert. Unnötig zu erwähnen, dass die Geburtenraten stark stiegen. Zur Mitte des 21. Jahrhunderts leben hier 35 Millionen Bundesbürger, gegen 2075 werden es, so forsche, kühne Berechnungen, bei wieder rückläufiger Geburtenrate, noch etwa 23 Millionen sein, was aber kein Problem sein wird. Die Innovationsfähigkeit ist nämlich ungebrochen vorhanden, die neuen "Silicon Valleys" sind weiterhin erfindungsreiche Stätten, Ideenschmieden voller Tüftler und mutiger Pioniere. Die Schulen wurden schon vor Ewigkeiten saniert, ggf. renoviert und werden stetig weiter modernisiert. Für den Bildungssektor wird viel Geld in die kartoffelsackgroßen Pranken genommen. Keine maroden, verfallenden Schimmelaufzuchtfarmen und rissige, Viertel vor einsturzgefährdete Altbauten wie im ranzig wie Butter in der Sonne werdenden Westen. Komisch, nicht wahr, dass man auch einen demokratischen Staat schaffen kann, ohne beim Nervös-Werden gleich in Sozialismus zu verfallen!




(28.10.2019)


Aus gegebenem Anlass, da mir von jemandem
vorgeworfen wurde, ich betriebe
"antiislamischen Rassismus" (ein
Totschlagargument für geistig Unbewaffnete,
denen nur noch diese Art "Argument" , so man
es so nennen möchte) einfällt: Ja, ich bin
antiislamisch,
da diese religiöse Ideologie gefährlich ist und
von mir entsprechend rezensiert/referenziert
wird und da ich in ihrer zunehmenden
Verbreitung in Europa ernsthafte Gefahren für
unsere westlichen Werte wie Demokratie,
Freiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter,
Rechtsstaatlichkeit sehe. Diese homophobe,
frauenfeindliche, faschistoide Ideologie ist
darüber hinaus die
Gemeinsamkeit/gemeinsame Grundlage des
Löwenanteils der weltweiten Terroranschläge
und religiös motivierter Amokläufe. Ja, diese
Ideologie und ihre Grundsatzwerke verachte
ich. Doch darum geht es in diesem reinen
Science-Fiction-Produkt gar nicht. Es geht um
einen demokratischen Staat, der die Probleme
unserer Zeit für sich lösen kann, der
funktioniert - im krassen Gegensatz zu
sozialistischen Bestrebungen in Deutschland
und Teilen Westeuropas in der jüngsten Zeit.
Gegen die Ideologie des Islam zu sein, ist
übrigens KEIN Rassismus, das wird nur gern
von Personen inner- und außerhalb des
islamischen Spektrums behauptet, um jegliche
völlig
berechtigte Kritik an der "Religion" des Islam zu
illegitimem "Hass" zu erklären und somit
unmöglich zu machen. Es handelt sich, ähnlich
wie die beliebte Floskel "Dies/jenes hat nichts
mit dem Islam zu tun", um einen typischen
Taschenspielertrick islamischer und
nichtislamischer Islamapologeten. Rassismus
kann sich nicht gegen Religionen oder andere
Ideologien richten, denn bei diesen handelt es
sich nicht um Ethnien. Oder gibt es etwa auch
"antisozialistischen Rassismus" oder
"antinationalsozialistischen Rassismus" oder
"antipolnischen Rassismus" oder solchen
Bullshit? Na also. Man lese diese Geschichte
bitte als das, das sie ist: eine Geschichte, rein
fiktional, wie alle anderen Kurzgeschichten hier.
Man kann sie schlecht finden oder gut oder
banal oder so mittel...etc. et al. So lese man
oder lasse es - und wer sich in etwas Diffuses
wie "religiöse Gefühle" 'beleidigt' fühlt,
hineinsteigern
möchte, der checke seine Prioritäten und
wende sich an einen Mediziner oder Psychiater.

LG und nichts für ungut an alle potenziellen
Leser. Karl-Konrad
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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