Die Geschäfte der Firma Bender & Meissner AG. liefen gut, um nicht zu sagen bestens. Ein sicheres Zeichen war das unentwegte Läuten diverser Telefone, hektisches Hin und Her Gerenne, und die muffigen Gesichtern gestreßter Angestellter, denen die ständigen Überstunden zum Halse heraus hingen.
Lutz Bender, Vorstand des Ganzen, saß in seinem Büro und merkte wie ihm leichte Schweißperlen auf die Stirn traten. Die Zeit, diese verdammte Zeit. Sie schien nur so dahin zu fliegen. Kaum hatte er auf die Uhr geschaut waren schon wieder Stunden vergangen. Er trommelte nervös auf seine Schreibtischplatte,
versuchte die Hektik, den Geräuschpegel vor seinem Zimmer zu überhören.
Eisen mußte man schmieden so lange sie heiß waren – keine Chancen verpassen -
und in drei Stunden war solch eine Super Chance: der Termin mit Prof. Dr. Dr. Bengelmann, Geschäftsführer der größten Abnehmerfirma der Geräte der Bender & Meissner AG.
Prof. Dr.Dr. Bengelmann war als schwierig bekannt. Ein Pedant, ein Perfektionist, dem Störungen jeder Art, Zwischenfälle, die nicht seine Geschäfte betrafen, zuwider waren.
Prof. Dr. Dr. Bengelmann reiste immer mit dem gleichen Gefolge an. Seiner Finanzberaterin Dr. Walde Sutsch, (die meistens Flutsch genannt wurde), weil sie Bengelmann auf Schritt und Tritt folgte und ihm, wie hämische Zungen behaupteten, ständig hinten rein flutschte. ...er ihr allerdings vorne – alles der Karriere wegen.
Lutz Bender spürte wie seine Hände feucht wurden, verdammt noch kein Plan, keine Gesprächsnotiz, keine Vorstellung über den Ablauf der Verhandlungen.
Und draußen diese hektische Meute.
Er drückte die Sprechanlage: „ Beate, können sie mal kurz kommen?“
Beate Sehlow, eine seiner angenehmsten Mitarbeiterinnen, sonst die Ruhe selbst, hatte heute ihr Gesicht mit leicht rötlichen Flecken überzogen. Sie sah ihren Chef fragend an. „ Wie immer ? „
„ Ja, wie immer,“ stöhnte der, „ doch total chaotisch heute. Sind wenigstens Getränke da, Kaffee, Tee, Wasser ?“ - Er schaute kurz hoch.....
„ Geht’s ihnen nicht gut Beate sie sehen heute etwas angegriffen aus? Um Gottes Willen...sie werden doch nicht .....“
„ Nein, nein alles in Ordnung, nur die Hitze und der Lärm ... machen sie sich keine Gedanken es wird schon, dieser Prof. ist doch auch nur ein Mensch.“
Ja, aber was für einer dachte Bender. Er würde Einen auf ihn lassen wenn sich nicht so ein Bombengeschäft aus diesem Treffen ergeben sollte.
Prof. Dr. Dr. Bengelmann samt Dr. Walde Sutsch waren auf die Minute pünktlich, über pünktlich könnte man sagen.
Beate führte die Beiden in den Besprechungsraum , bot den Kaffee, Tee und sonstige auflockernde Annehmlichkeiten an.
Sofort verdüsterte sich die ohnehin verkniffene Miene von Prof. Dr. Dr. Bengelmann . “ Was soll das, glauben sie ich bin zum Kaffee hergekommen? Zeit ist Geld, schon mal gehört? “ raunzte er.
„ Ja, natürlich, Zeit ist Geld,“ flutsche es sogleich aus dem Munde von Dr. Walde Sutsch, wie ein Echo.
Beate schoß mit puterrotem Kopf aus dem Zimmer.
Lutz Bender traf sie auf dem Gang , rannte an ihm vorbei mit......“.das sind doch Verrückte...“.
Als Bender er den Raum betrat blickten ihn vier strenge Augen vorwurfsvoll an.
„ Ich dachte 14 Uhr war vereinbart. Es ist 14.05 Uhr Herr Bender. Mein Geschäftsprinzip lautet, jede Minute kostet mich Geld – mein Geld. Das will ich verdienen, nicht vertrödeln, z.b. mit Kaffee und Tee.“
Lutz Bender merkte wie er errötete, doch dann straffte er sich, schließlich war er kein dummer Junge.
„ Dann kommen wir am Besten gleich zur Sache, Prof. Dr. Dr. Bengelmann. Sie kennen die Bedingungen aus den Vorgesprächen. Was halten sie von unseren Vorschlägen ? “
„ Gut,“ fand Prof. Dr. Dr. Bengelmann, sehr gut sind die neuen Entwürfe. Das hatten wir am Telefon schon besprochen. Wann und wieviel können sie liefern?“
„ An wieviel dachten sie denn und bis wann? „
„ Sobald wie möglich und eher mehr als weniger.“ „ Alles klar“, Lutz Bender merkte wie er sich langsam entspannte. Geschafft, das Geschäft war gelaufen., so wie er es sich vorgestellt hatte.
Bei ihm gab es keine Produktionsgrenzen.
„ So ist es richtig, so stellte ich mir eine Verhandlung vor, ohne viel Schnick Schnack, „ Prof. Dr. Dr. Bengelmann lehnte sich zurück.“ Ich merke, wir liegen auf einer Wellenlänge.“
Er verzog leicht den Mundwinkel – es sollte wohl eine Art Lächeln sein.
„ Das wäre es dann,“ Prof. Dr. Bengelmann trommelte leicht mit den Fingern. „ die Verträge haben sie sicher vorbereitet. Dann auf zur Unterzeichnung.“
„ Aber natürlich, „ Lutz Bender drückte die Taste zum Sekretariat.
„ Besetzt..“... was sollte das. Prof. Dr.Dr. Bengelmann zog eine Augenbraue hoch.
„ In meiner Firma ist die Leitung zum Sekretariat immer frei, eine zumindest.“
Lutz Bender drückte ein zweites Mal....wieder besetzt.
Verdammt was war da los.....
Dann klopfte es, Beate kam herein, nun mit hochroten Kopf, zerhetzt, verschwitzt, in einer Hand die Verträge, leicht zusammen gedrückt vor Erregung .
„ Frau Hübener, was war denn los? Haben sie die Unterlagen.? „ fragte Lutz Bender mit einem seltsam unguten Gefühl im Magen.
Beate ging unsicher auf den Tisch zu, legte die feuchten, verschwitzen Formulare ab -
und stand dann wie fest gewurzelt.
„ Ist noch was?“ fragte Lutz Bender, beunruhigt über ihr eigenartiges Verhalten.
„ Entschuldigen sie bitte, da....da ist ein Gespräch in der Leitung, Herr Bender, ich bitte sie, entschuldigen sie, sie ließ sich nicht abwimmeln.. sie meinte es sei außerordentlich wichtig. Es ist ihre Frau Mutter.
Sie läßt fragen, wann sie die Fleischwurst abholen, bei Frau Gerster , die drei ein geschweißten Ringel. Sie meinte, sonst würde Frau Gerster drauf sitzen bleiben, ich meine, die weiß dann nicht was sie damit machen soll... also sie kann sie ja nicht alleine .......aufessen....
Bender sowie Beate sahen sich an .... beide hatten das Gefühl der Erdboden täte sich auf.
Beate verlor vollends die Fassung, ihr schossen die Tränen in die Augen . Mit zwei Schritten war sie an der Tür und verschwunden.
Prof. Dr. Dr. Bengelmann hielt mit zwei Fingern die knautschigen Papiere hoch räusperte sich kurz und meinte dann trocken:
„Na dann mal Guten Appetit, Bender, sie sollten wohl besser in Fleischwurst machen.“
Erhob sich und flutsche mit Dr. Walde Sutsch aus dem Raum.
RBH 18.08.2003
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.09.2003.
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