Aleksandar Gievski

Der Handtuchspender des Bösen

„Willst du dir gar nicht die Hände waschen?“

„Nein.. ich meinte, doch. Natürlich. Nach dem Geschäft, muss man sich die Hände waschen.“

Frank wusch sich die Hände, so wie es sich gehört. Sein Kollege Patrick stand neben ihn und schaute ihn argwöhnisch an.

„So, wir können gehen.“, sagte Frank.

„Und trocknen?“, fragte Patrick.

In Franks Lächeln spiegelte sich Wut und Verzweiflung wider. Hätte ihn Patrick genauer angeschaut, dann würde er ihn fragen, ob er nicht doch nochmal Groß müsste.

„Ich lasse sie lufttrocknen.“, kam als schnelle Antwort von Frank und die beiden verließen die Toilette.

Frank traute sich nicht, es jemanden zu sagen. Es war ihm viel zu peinlich. Er konnte seine Einstellung nicht erklären. Doch er wusste es mit Sicherheit. Er hasste die neuen Handtuchspender und hatte auch Angst vor ihnen. Sie schauten ihn an, mit ihrem einen roten Auge. Dieser unsichtbare Bewegungssensor, der so empfindlich eingestellt war, dass er sogar beim Einschalten des Lichts reagierte und der Elektromotor, der sich anhörte wie eine Laserpistole, die gerade nachladen muss, ließen ihn jedes Mal zusammen zucken. Am härtesten traf es Frank, wenn das Papier stecken blieb und nicht heraus gerollt kam. Sie zwingen einen, seine Hand in den Schlitz zu stecken, dachte er jedes Mal, wenn es passierte. Was wollen die von uns?

„Es ist doch nur ein dummer Handtuchspender.“, motivierte sich Frank als er zum Waschbecken ging. Er stand vor dem Waschbecken. Rechts neben ihn bohrte sich das rote Licht, was einem mitteilte, dass das Gerät betriebsbereit war, in seine Schläfe. Er spürte es. Ein Pochen auf seiner Rechten. Er drehte das Wasser auf. Seife. Nochmal waschen. Abschütteln. Bewegungssensor aktivieren. Laser nachladen. Papier? Kein Papier! Dieser verdammte Automat. Der Spender war noch voll, das konnte man an der Seite des Gerätes erkennen.

„Ich lasse mich doch nicht von einem hirnlosen Gerät veralbern.“, sagte Frank und griff, etwas zögerlich und mit Unbehagen, in den Schlitz des Handtuchspenders. Mit den Fingerspitzen, fühlte er das Papier.

„Gleich hab ich dich.“

Mit zwei Fingern hatte er das Papier schon erwischt. Er musste es nur noch herausziehen. Dann schaltete der Elektromotor ein. Frank erschrak. Sofort versuchte er seine Hand wieder heraus zu- ziehen, aber es ging nicht. Der Spender zog an seiner Hand wie ein tollwütiger Hund. Frank schrie vor Schmerz, weil sich die Spitzen von der Abrissschiene in seine Hand krallten. Er stemmte sein Fuß gegen die Wand und zog mit der freien Hand, an der gefangenen. Es brachte nichts. Jetzt stemmte er den anderen Fuß auch noch dagegen. Es machte ein riesen Lärm, als der Handtuchspender von der Wand abriss und die Fliesen dahinter zu Boden fielen. Frank flog im hohen Bogen durch die Toilette und landete in einer Kabine. Die Türe hing nur noch halb in den Angeln. Aus dem Spülkasten, hinter ihm, schoss das Wasser in einer Fontäne bis zur Decke. Frank brauchte etwas Zeit, um sich zu erholen. Als er wieder bei Sinnen war und aufstehen wollte, sah er, dass der Handtuchspender immer noch an seiner Hand hing. Das Mistding gab nicht auf.

„Ach, komm schon!“

Das von sechs 9-Volt Batterien bestückte Gerät, versuchte sich weiter nach oben zu fressen. Frank, dessen Laune in den Keller gerutscht war, stand auf, ging zur Wand und donnerte den Handtuchspender, mit voller Wucht, dagegen.

Die Ausgeburt der Hölle zerbrach in tausend Teile.

„Friss das, du Motherf…“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.12.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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