Theres Wohlfahrt

Things we lost to the flame (Anfang)

Mai 1940, Boulogne-sur-Mer, Frankreich

Morgen werden wir weiter voranmarschieren, dabei in Windeseile Stadt nach Stadt einnehmen. Es fühlte sich richtig an, meine Aufzeichnungen nun zu beginnen. Vielleicht schreibe ich sie für mich selbst auf, vielleicht damit etwas bleibt, wenn von meinem Körper nur Asche übrig ist. Diese Seiten sollen die Zuflucht sein für die ehrlichsten Gedanken in meinem Kopf, die ich vor der Welt verbergen muss. Mein Herz ist unbeschreiblich dankbar für einen solchen Ort. 

Es ist Nacht und manchmal erlaube ich mir in diesen stillen Stunden, mich in Tagträumen über die Zukunft zu verlieren. Und über Tilda. Ich vermisse sie viel mehr, als irgendetwas sonst, ihre Gestalt, ihre Stimme ... Ich gebe mein Bestes, um ihre Gesichtszüge und ihren Klang in all dem nicht zu vergessen. Ich habe mich früher oft gefragt, warum ich kämpfe, welchen Grund ich habe, am Leben zu bleiben. Sie wurde ebendieser Grund. Ich will überleben, um sie wiederzusehen. Sicher werden die Zeiten sich ändern und dann können wir zusammen nach Amerika gehen und dort ein neues Leben aufbauen. Wenn dieser verfluchte Krieg nur wirklich so schnell endet, wie unsere Oberen es versprechen! 

Morgen werden wir wahrscheinlich eine weitere Schlacht in Dünkichen schlagen und ich habe Angst. Angst vor diesem Krieg und was er aus uns allen und der ganzen Welt machen wird. Meinen Kameraden geht es ähnlich, auch wenn der Großteil von ihnen es niemals offen zeigen würde. Diejenigen, die ihre Schwäche nicht eingestehen können, sind in meinen Augen die wahren Feiglinge. 
Trotzdem sind es gute Männer, schließlich sehnen wir uns im Grunde alle nur danach, wieder nachhause zu kommen und das schweißt uns zusammen, mehr als unsere Pflicht für das Vaterland. Kaspar und Siegfried haben beide Verlobte, die sie sehnsüchtig erwarten und manchmal erzählen sie mir von ihren Mädchen und dann wünschte ich, ich dürfte auch über sie sprechen, ich könnte meine Freunde wissen lassen, wie sehr ich ihre Gefühle und Sehnsüchte teile. Aber es wäre zu gefährlich. Unsere Liebe bleibt etwas, das ich nur diesem Buch anvertrauen kann. Immerhin ist Tilda näher bei mir, als eine Verlobte in Deutschland, vielleicht sogar näher, als ich es mir vorstellen kann. Oh ich hoffe nur, sie wird vorsichtig sein. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.12.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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