Enno Ahrens

Weihnachten mit Opa

Weihnachten mit Opa

 

Opa wollte kurz nach Weihnachten wieder nach Hause. Wir hatten ihm das Gästezimmer feierlich geschmückt. Dennoch hatte er zu Meckern:
„Ihr hättet mich ja warnen können, dass die Kinder erkältet sind, eine Gefahr für Senioren. Und dann dieses zaumlose Herumgeschnäuze vom Jüngsten.“
„Du warst mit drei Jahren sicherlich nicht anders.“
„Wir wurden damals noch zu eiserner Disziplin erzogen. Und sowas hätten wir uns nie erlaubt.“
„Ach, Opa, aber doch nicht mit drei Jahren.“

Leider hatte Opa sich eine Erkältung eingefangen, mit leicht erhöhter Temperatur. Und wir boten ihm an, seinen Aufenthalt bei uns zu verlängern, bis er genesen sei.
„Das ist ja auch wohl das Mindeste, was ihr für mich tun könnt. Und wenn ihr den Einkauf macht, vergesst nicht Mandarinen für mich mitzubringen.“

Er triezte uns über Gebühr herum, weidete unser Schuldgefühl schamlos für sich aus.
Am Spätnachmittag hatten wir alles erledigt. Ich ging zu Opa ins Gästezimmer und erschrak. Hatte er doch das alte Quecksilberthermometer aus dem Verbandskasten genommen, sich aufs Bett gelegt und es sich in den Mund geschoben. Ich kam nicht mehr dazu, ihn eines unserer digitalen Thermometer anzubieten. Unsere Fünfjährige kam mir zuvor:
„Oh, Opa, das alte Thermometer steckt man nicht in den Mund. Unser Waldi hat es immer in den Po bekommen.“
Und plötzlich schnellte Opa hoch, sprang von seinem Krankenlager auf, ein Spontangeheilter, sonderte noch einige Flüche ab, packte flott seinen Koffer und verschwand ohne Abschiedsgruß. Ich war eigentlich erleichtert und schnaufte durch:
„Na, geht doch!“
 
 

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