Heinz-Walter Hoetter

Der Fall T-Bird (Teil 15)


 

Random & Shannon

Ermittlungsagentur NEW YORK

 

 

 

 

 

Nachdem ich den Kurier verlassen hatte, fragte ich einen zufällig vorbei kommenden Androiden für Stadtinformationen, wo sich der Robot Master Club befand. Die Antwort des Androiden überraschte mich. Ich hatte mir vorgestellt, dass der Club sich in einem prunkvollen Palast auf seinem eigenen Grundstück befinde, was aber nicht der Fall war. Er war in den obersten Etagen eines stinknormalen Hotels mit dem Namen Ritz-Plaza untergebracht. Ich bedankte mich bei dem Kunstmenschen für die Information, suchte meinen Gleiter auf und blieb noch hinter dem Steuer eine Weile sitzen, weil mir plötzlich etwas eingefallen war. Ich wollte nämlich Treaves anrufen, der mir bei einer Unterhaltung erzählt hatte, dass er mal früher in diesem Ritz-Plaza Hotel für etwa ein Jahr Hausdetektiv gewesen war. Ich drückte auf die externe Gesprächstaste auf der Steuerkonsole meines Gleiters und ließ mich mit ihm verbinden.

 

Treaves antwortete nicht gleich, doch dann vernahm ich seine Stimme.

 

Hier Treaves, mit wem spreche ich?

 

Ich bin es, Mr. Random. Wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben, könnten Sie mir helfen“, sagte ich und hörte seinen schnaufenden Atem durch den Telefonlautsprecher. „Können wir uns irgendwo treffen? Ich gebe Ihnen einen aus, egal was Sie trinken oder essen möchten, Treaves.“

 

Er antwortete mir, er würde mich ein einer halben Stunde in Berrys Bar erwarten, die auf der gleichen Straße wie das Delphi-Hotel liegt, nur genau gegenüber.

 

Ich fuhr nach dem Gespräch sofort los, ließ meinen Gleiter auf einem Parkplatz ganz in der Nähe des Delphi-Hotels stehen und suchte Berrys Bar auf.

 

Es war eins dieser intimen Lokale mit Nischen, und ich setzte mich in die letzte an der Wand, so dass ich den Eingang gut beobachten konnte. Kurz darauf kam ein Barmann, der kein Androide war, sondern ein stinknormaler Mensch mit höflichen Manieren. Ich frage ihn, ob er eine Abendzeitung hätte, in die ich mal hineinsehen könne. Ich bestellte noch ein Bier. Es dauerte nicht lange, da brachte er mir beides.

 

Ich schlug die Zeitung auf, die einen Bericht über den Inquest und ein Bild von Inspektor Blanking enthielt, der wie Sherlock Holmes aussah. Etwas weiter unten fand ich das Bild von dem ermordeten Mädchen in der Badehütte. Ihr Name stand darunter: Virginia Shriver. Während ich das Foto von ihr betrachtete, traf Treaves ein und setze sich auf die Bank mir gegenüber. Nachdem ich ihm ein Bier bestellt hatte, sagte ich ihm, dass ich um jeden Preis beabsichtige mir Einlass in den Robot Master Club zu verschaffen. Ich fragte ihn deshalb, ob er eine Ahnung habe, wie sich das machen ließe.

 

Einen Augenblick sah er mich an, als würde er mich für verrückt halten.

 

Das ist ebenso aussichtsreich wie der Versuch, ins Weiße Haus in Washington einzubrechen“, antwortete er mir.

 

Davon bin ich aber nicht überzeugt. Man kommt überall rein, wenn man nur die richtigen Beziehungen hat. Nun, wie ich erfahren habe, befindet sich der Club in der obersten Etage des Ritz-Plaza. Sie sagten mir einmal, dass Sie in dem Hotel gearbeitet haben. Sie müssten also wissen, wie der Club liegt.“

 

Treaves griff nach dem Glas und schluckte die Hälfte des Biers hinunter. Er stellte es zurück auf den Tisch und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.

 

Das nützt Ihnen gar nichts, Mr. Random. Der Robot Master Club nimmt die ganze oberste Etage ein und hat zwei eigene Fahrstühle. Es gibt allerdings noch eine separaten Eingang, den man über einen eigenen Gang erreicht, wo sich am Ende eine Gittertür befindet, die von zwei Hotelburschen bewacht wird. Ich weiß, dass sie ihren Job mehr als nur gut machen. Wäre es anders, würden sie umgehend gefeuert. Sie öffnen die Gittertür nur dann, wenn sie die Leute kennen, die kommen. Außerdem muss sich jeder Besucher in ein Buch einschreiben. Ersten dann wird man reingelassen und zu dem Fahrstuhl gebracht. So und nicht anders ist das. Was dann passiert, weiß ich nicht, weil ich selbst nie oben gewesen bin. Der Bereich war auch für mich tabu.“

 

Gibt es da oben ein Restaurant?“

 

Klar. Was denken Sie denn? Es gilt als eines der besten im ganzen Land. Ich kann das zwar selbst nicht beurteilen, weil ich da nie gegessen habe, aber ich habe es von Leuten gehört, die dort schon mal gewesen sind. Warum fragen Sie mich danach?“

 

Ach Treaves, erzählen Sie mir nicht, dass sie Ochsenviertel und Fischkisten durch die Hotelhalle da hinauf geschafft haben. Das kaufe ich Ihnen einfach nicht ab.“

 

Er rieb sich an der Nase und trank wieder einen tiefen Schluck aus dem Bierglas.

 

Wer hat das behauptet? Alles, was ankommt, wird durch den Lieferanteneingang geschafft. Dieser Eingang liegt auf der Rückseite in einer ruhigen Seitengasse. Das Hotel hat seine Küche ebenfalls ganz oben, weil da auch die Speiseräume des Restaurants liegen. Ich weiß nicht, wie der Club seine Lieferungen erhält, aber ich habe mitbekommen, dass die Waren hinauf geliefert wurden und die Leute, die sie brachten, mit nach oben gefahren sind.“

 

Ich lächelte ihm zu, weil das eine gute Nachricht für mich war.

 

Wenn ich beispielsweise ein Paket hinauf bringen möchte, finde ich vielleicht eine Möglichkeit, mich ein wenig dort oben umzusehen. Kennen Sie zufällig irgendeinen der Angestellten, der sich dazu überreden ließe, mir zu helfen? Wenn es sein muss, würde ich ihn für seine Dienste entsprechend gut bezahlen, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

 

Treaves dachte über meinen Vorschlag nach. In der Zwischenzeit bestellte ich noch ein Bier für ihn.

Sie wissen nicht, was Sie riskieren, Random. Mein Nachfolger, ein gewisser Mr. Brennauer könnte Sie verraten. Außerdem haben die im Ritz-Plaza sehr brutale Rausschmeißer, die auch für den Robot Master Club arbeiten. Ich habe gehört, dass die nicht unbedingt mit Samthandschuhen auf ungebetene Gäste losgehen.“

 

Ich kann selbst ganz gut austeilen und habe einen gut durchtrainierten Körper. Los, versuchen Sie es und rufen Sie diesen Brennauer an!“

 

Treaves hob seine massive Schulter, stand auf und ging rüber zu der Reihe Telefonzellen ganz in der Nähe unseres Tisches. Er sprach etwa fünf Minuten lang, kehrte zurück und setzte sich wieder.

 

Ich habe ihn überredet. Er sagte mir, dass er im Moment Geld dringend nötig habe und für fünfzig Planetendollar sogar seine Frau verkaufen würde. Das Geschäft geht also in Ordnung für ihn. Seien Sie trotzdem auf der Hut, Random. Ich würde diesem Brennauer nicht weiter trauen, als man ihn werfen kann. Er könnte z. B. zum Hotelmanager gehen und Sie an ihm für noch mehr Geld verkaufen.“

 

Und wenn schon. Die können mich deswegen nicht umbringen. Alles was mir passieren kann, ist, dass sie mich rausschmeißen. Und das geht so leicht nicht. Haben Sie ihn gefragt, wann ich zu ihm kommen kann?“

 

Er wartet auf Sie am Lieferanteneingang. Seien Sie bloß vorsichtig, Random. Sobald er sein Geld hat, haben Sie die Chance, dass er Ihnen in den Rücken fällt. Sein Chef ist ein gewisser Gomez.“

 

Brennauer bekommt sein Geld erst dann, wenn ich gesehen habe, was ich sehen wollte.“

 

Ich blickte auf meine Uhr. Ich wollte die Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen.

 

Sie wissen nicht, was ich mit hinauf nehmen könnte, falls mir jemand über den Weg läuft“, fragte ich Treaves.

 

Warten Sie hier! Ich habe da eine Idee.“ Er trank sein Bier aus , schob sich aus der Nische und verließ das Lokal.

Nach einer halben Stunde war Treaves wieder da. Unter dem Arm trug er ein Paket in braunem Packpapier, setzte sich wieder mir gegenüber und streckte mir seine geöffnete Hand entgegen.

 

Dafür kriege ich dreißig Planetendollar, Mr. Random.“

 

Ich zog meine Geldbörse, trennte mich von vier Fünfdollarnoten und fragte Treaves, was er dafür liefere.

 

Ich kenne ganz in der Nähe einen neuen Spiritousenhändler, der den Robot Master Club gerne beliefern möchte. Es ist aussichtslos, aber dahinter ist er scheinbar noch nicht gekommen. Ich machte ihm weis, Sie könnten eine Probeflasche von diesem teuren Zeugs bei der Clubdirektion anbringen, sozusagen als Werbung. Die Flasche steckt in diesem Paket. Versuchen Sie bloß nicht, davon etwas zu trinken, Random. Das Gesöff kann süchtig machen, wenn Sie es versuchen. Dann griff Treaves in seine Westentasche und legte eine Karte auf den Tisch.

 

Das ist seine Geschäftskarte. Alles Weitere ist Ihre Sache, Mr. Random.“

 

Ich nahm die Kart an mich und schob sie in meine Jackentasche.

 

Das ist genau das, wonach ich gesucht habe. Vielen Dank, Treaves. Sie haben mir einen großen Gefallen getan. Aber ich sollte jetzt gehen, wenn ich noch was erreichen will.“

 

Tja, wenn ich hinter dem Ritz-Plaza einen Fleischklumpen mit eingeschlagenem Schädel finde, weiß ich, dass Sie es sind“, sagte Treaves grinsend zu mir.

 

Machen Sie sich mal keine Sorge um mich. Ich war schon in vielen Gegenden, wo es hart zugegangen ist“, antwortete ich dem Hausdetektiven Treaves, nahm das Paket an mich und verließ das Lokal.

 

 

Fortsetzung folgt irgendwann!

 

Teil 15

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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