Hartmut Wagner

Abschiedsrede

Liebe KolIeginnen und Kollegen,
keine Angst, ich werde nicht solange reden wie Fidel Castro, aber einige
Worte des Dankes und Abschieds möchte ich doch an euch richten. 
Ich werde jetzt nicht mehr so häufig hier sein und das ist schade.
Dıe Trauerweide vor dem Sekretariat, der wildromantische Innenhof, die
Eichhörnchen, der Westfalenpark. Man könnte hier fast einen Urlaub
verbringen. 
Der Unterricht in den unterschiedlichsten Klassen, bei den netten Damen der
medizinischen Abteilung und bei den rustikaleren Herren der Lagerwirtschaft
hat meist Spaß gemacht. 
Die Lehrerausflüge nach Bonn, Düsseldorf, Ahrweiler, dem Handwerksmuseum 
in Breckerfeld oder anderswohin, die Klassenreisen nach London, Amsterdam, Lloret de Mar, 
der Lehrersport, Badminton und Fußball, die heißen Diskussionen
in der Betriebskampfgruppe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Gespräche, 
die Witze und nicht zuletzt die  Leckereien an meinem Tisch im 
Lehrerzimmer, dem ich einige Jahre als Alterspräsident vorstand, waren Highlights eines langen Lehrerlebens.  
Dass unsere Schule nach einem der größten Europäer, Robert Schuman,
heißt,  Europaschule ist, Europatage veranstaltet und Lehrerkollegium und
Schülerschaft international zusammen gesetzt sind, hat mir immer sehr gut
gefallen. 
Welch bessere Mittel gegen religiösen und nationalen Fanatismus gibt es als
Multikultur und Multinationalität?
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe immer versucht, die Lernziele:
Solidarität,  unabhängiges Denken und Handeln, Kreativität, Fachwissen, Mitgefühl und 
Höflichkeit zu vermitteln.
lch hoffe, dass ich manchmal ansatzweise Erfolg hatte.
Wohin basis- und ethikloser Fachidiotismus  führt, zeigt die Wirtschaftskrise.
lch meine, sie ist auch eine Bildungs- und Erziehungskrise. Die übertriebene
Wertschätzung von Leistung und Konkurrenz sollte vielleicht einmaI
überdacht werden. 
Wir haben junge Frauen und Männer zu ichstarken, selbstständigen Menschen auszubilden, die ihr Leben so
weit wie möglich im Griff haben und fähig sind, zu menschlichem, politischem, gesellschaftlichem 
und wirtschaftlichem Fortschritt beizutragen und nicht nur Zulieferdienste  für die
unersättliche Profitmaschine des Kapitals leisten. 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, 
wer glaubt, Lehrer seien Einzelkämpfer, irrt gewaltig.
Ohne eure Hilfe, ohne euren Rat und eure Kritik, hätte ich. nicht vernünftig
arbeiten können. 
Ja, auch Kritik hilft, so sie denn berechtigt ist, freundlich vorgetragen
wird und nicht als Camouflage für Kollegenmobbing dient. 
Ich möchte euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die freundschaftliche
Zusammenarbeit ganz herzlich danken.
Ich werde euch und die Schüler vermissen und wünsche euch für eure nicht
ganz leichte, aber doch auch wunderbare und befriedigende Arbeit
Gesundheit, Geduld, Energie, Leidenschaft und ganz besonders Humor.
Ich selbst werde mich künftig mehr Frau und Familie, Haus und Hof, den
Hobbies: Lesen, Schreiben, Reisen, Rennradfahren, und dem einen oder
anderen politischen oder sonstigen Ehrenamt widmen.
Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich wie mir, - 
allerdings nicht vom "Herrn", an den ich nicht glaube, - für den Rest
meines Lebens, was sich auch der alte Goethe gewünscht hat:
 
"Herr, schicke, was du willt, ein Liebes oder ein Leides, ich bin vergnügt, dass 
Beides aus deinen Händen quillt. 
Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden mich nicht überschütten, doch in 
der Mitten liegt holdes Bescheiden.“
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen:  "Abschiednehmen heißt ein Bisschen
sterben". Damit es nicht ganz so traurig wird, laden Kollege Klaus und ich
euch anschließend zum Grillen und zu verschiedenen Getränken ein. 
Ich bedanke mich fürs Zuhören."
 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hartmut Wagner).
Der Beitrag wurde von Hartmut Wagner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Das 1x1 der Möbelantiquitäten: Stilkunde, Lexikon, Der Tischler, Galerie, Pflege von Bernhard Valta



Wenn Sie sich für das Wohnen, für Menschen, antike Möbel, Geschichte oder Verknüpfung all dessen interessieren, liegen Sie bei diesem Buch richtig: Das 1X1 der Möbelantiquitäten. Über 900 Abbildungen sind enthalten für diejenigen, die nicht viel lesen wollen und trotzdem mitreden möchten. Leserinnen können sich kleine G´schichterln heraussuchen, wie etwa die von Joschi dem Holzwurm, Josef II und der Klappsarg, Kaiserin Maria Theresia und ihr Heer, oder was Bill Haley 1956 mit Berlin zu tun hatte.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Schule" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hartmut Wagner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Noch einmal auf den Poppo hauen von Hartmut Wagner (Satire)
Musikunterricht á la Ganther von Norbert Wittke (Schule)
But it feels so right... von Manuela Schneider (Sucht)