Erika Schmidt

Mäusejagd

Als aller erstes möchte ich betonen, ich mag Mäuse. Es sind nette, putzige, kleine Tierchen. Ich habe auch keine Angst vor ihnen, denn meine Tochter hatte rosa Mäuse als sie noch klein war. Aber wenn sie in meiner Waschküche ihr Unwesen treiben, dann hört der Spaß auf. Meine Waschküche hat eine Tür zum Garten. Sie ist auch weniger zum Waschen da, sondern für meine Gartenutensilien. Angefangen von den Geräten bis zu Dünger, Samen, Vogel- und Fischfutter. Also ein Schlaraffenland für Mäuse.

Schon im letzten Jahr hatten sich die kleinen Nager dort eingenistet, auch wegen des "Futterangebotes". Zuerst fand ich im Antrieb des Wäschetrockners ein hübsches Nest. Ich merkte das, weil sich die Trommel des Trockners nicht mehr gedreht hat. Da war nämlich der Keilriemen zerbissen und als "Nestpolsterung" verwendet worden. Super !!!!  Von da an begann mein Mann Jagd auf die lieben Tierchen zu machen. Als ob sie es geahnt hätten, war eine Zeit lang Ruhe. Aber dann merkte ich, daß an manchen Stellen wieder Samenkörner im Raum verteilt lagen. Also gingen wir wieder auf Suche. Aber nirgends fanden wir ein Nest. Doch irgendwann mal hörte ich es rascheln. 
Und dann sah ich sie. An der Decke sind die Leitungen mit Plastikrohren zur Isolierung ummantelt. Am Ende, zwischen Wand und Rohr schauten zwei kleine Mäuseköpfe frech heraus. Ich klopfte ans Rohr, und die Biester kamen an einer Stelle mit einem Satz heraus und verschwanden in der Ecke. Jetzt war mein Mann in seinem Element. Das Loch im Rohr wurde mit festem Plastik verschlossen, und am Boden Mausefallen aufgestellt. Irgendwann im laufe des Sommers erwischte er die Viecher so nach und nach.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Ich habe alle Samen und Körner aus dem Keller entfernt, oder in Blechdosen gefüllt. Im Herbst stellte ich meine empfindlichen Pflanzen wie jedes Jahr, zum Überwintern in die Waschküche, und das sind eine ganze Menge. Neulich ging ich mal wieder hinunter um zu gießen. Überall lagen Blätter, Samen, umgefallene Becher und jede Menge Mäuseköttel. Mir schwante Schlimmes. Als ich eine Schublade mit Gartengeräten öffnete, huschte etwas schnell heraus. In der Schublade fand ich ein großes, mit viel Sorgfalt gebautes Nest. Ein Beutel mit Grassamen (den ich vergessen hatte zu verräumen) war mit vielen Blättern ausgepolstert. Die Blätter waren alle von meinen Pflanzen.

Jetzt hatten wir endgültig die Nase voll. Zwei neue Mausefallen wurden besorgt und mit Käse gefüllt. Dann hieß es warten. Am nächsten Tag waren die Fallen leer und umgekippt, aber ohne Maus. Also neu füllen mit Leberwurst, die mochten die Mäuse anscheinend gern. Und wieder waren die Fallen leer gefressen, aber nicht zugeschnappt. So ging das ein paar Tage lang mit unterschiedlichen Füllungen. Die Fallen waren immer sauber ausgefressen, aber keine Maus drin. Langsam bekam mein Mann einen Koller, die Mäuse spielten Katz und Maus mit ihm. Er wußte nicht mehr was er machen sollte. Die Biester fraßen die Fallen leer und verstreuten sie im ganzen Keller, ohne das sie zugeschnappt wären. Mein Mann stellte die Spannung der Fallen ganz knapp ein, aber nichts half, die Viecher waren einfach zu schlau. Er mußte sich anhören, daß die Mäuse ihn auslachen und mit ihm spielen. Doch er gab nicht aus, nach einer Woche hatte es doch eine Maus erwischt, und nach zwei Wochen auch die zweite. Welch ein Sieg. Mir taten die armen kleinen Mäuschen leid. Aber sie richten halt auch viel Schaden an, und machen eine Menge Dreck.

Jetzt im Winter sind Tür und Fenster zu. Vorsichtshalber stellten wir auch weiterhin Fallen auf. Und nach ein paar Wochen war tatsächlich noch mal eine Maus hineingeraten. Aber wo drei Mäuse sind, gibt es auch eine vierte.
Seit dem wird jeden Tag die Falle kontrolliert, und sie ist jeden Tag ausgefressen und zugeschnappt. Die Maus ist äußerst schlau, sie narrt meinen Mann nach Strich und Faden. Ich denke manchmal, sie lacht ihn aus. Mal sehen wer den längeren Atem hat. Die Maus ist mit Sicherheit noch im Keller, sie kann ja nicht raus, und wahrscheinlich will sie das auch nicht. Sie hat es ja schön warm und wird doch regelmäßig "gefüttert". 
Sobald es wieder wärmer wird, werden sicher wieder neue Mäuse kommen und sich einen Platz für ihr Nest suchen. Dann geht die ganze Prozedur wieder von vorne los. Aber so hat mein Mann eine tolle Dauerbeschäftigung, nämlich Mausefallen füllen und sich ärgern.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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