Claudia Savelsberg

Wie bringe ich meinen Mann um?

Silvia raste vor Zorn und Enttäuschung. Ihr Mann Rainer hatte sie nach zwanzig Jahren Ehe verlassen für eine Frau, die seine Tochter hätte sein können. Ein kleines blondes Flittchen mit aufgespritzten Lippen und einem üppigen Busen. Silvia schäumte, und in ihr keimten Mordgedanken. Sie wollte den Untreuen einfach um die Ecke bringen; denn das hatte er verdient. Silvia war nicht besonders intelligent, aber jetzt hatte sie plötzlich sehr kreative Ideen, wie sie Rainer ins Jenseits befördern könnte. Das war nunmal ihr fester Wille. Ihre Gedanken drehten sich nur noch um die Frage „Wie bringe ich meinen Mann um?“

Sie wußte, wo dieses „junge Glück“ wohnte. Also könnte sie abends im Schutz der Dunkelheit mit ihrem Fahrrad dorthin fahren und einfach die Bremsschläuche in Rainers Wagen kappen. Er fuhr gerne schnell, das wusste sie. Beim nächsten Bremsmanöver würde er schnell mit den Engeln im Chor singen. Dann beschlichen Silvia Zweifel. Sie kannte sich nicht mit Autos aus und wusste nicht, wo sie diese Bremsschläuche kappen sollte. So wurde das nichts, aber sie hatte ja noch eine andere Idee. Sie würde ihm anonym eine Schachtel mit seinem Lieblingskonfekt schicken. Mit einer Spritze wollte sie ein schnell wirkendes Gift in jede Praline injizieren. Damit kannte sie sich aus, als Angestellte in einer Bäckerei hatte sie jahrelang Krapfen mit Marmelade befüllt. Aber ihr kamen Zweifel. Es könnte doch sein, dass ihr eitler Ehemann, der etwas übergewichtig war, plötztlich eine Diät machte, um diesem kleinen jungen Frettchen zu gefallen. Dann würde er das Konfekt wohl einfach in den Biomüll werfen. Nee, dachte Silvia, der Plan war noch nicht ausgereift. Und sie wollte ihn doch so gerne um die Ecke bringen. Das hatte er verdient. Silvia war nicht besonderes klug, aber immehrin kannte sie den Begriff „Walter P 8“. So eine Schusswaffe wollte sie sich jetzt besorgen. Dazu müsste sie in eine Großstadt fahren und sich auf dem Kiez umsehen, in zwielichtige Kneipen gehen, um in einem dunklen Hinterzimmer diese Waffe zu kaufen. Geld hatte sie, Angst hatte sie nicht. Ihr treuloser Gatte sollte endlich bestraft werden. Doch dann die Zweifel. Wie hätte sie ihren Ehemann erschießen sollen? Hinterrücks ging nicht. Das wäre dann Mord, und sie wollte doch für diesen Kerl nicht in den Knast. Vielleicht hätte auch die Pistole in letzter Minute Ladehemmungen. Nee, auch dieser Plan war noch nicht ausgereift. Aber Silvia dachte immer noch darüber nach, wie sie ihren Mann ins Jenseits befördern könnte. Irgendwann würde ihr schon was einfallen.

Einige Wochen später lernte Silvia einen Mann kennen, in den sie sich unsterblich verliebte. Er war fast 23 Jahre jünger als sie, hätte ihr Sohn sein können. Aber es funktionierte prima mit ihnen. Silvias Mordpläne waren fast vergessen. Warum sollte sie ihren Noch-Ehemann ins Jenseits befördern? Dann erfuhr sie durch Zufall, dass dieses kleine blonde Flittchen Rainer immer wieder betrogen hatte. Sie hatte seine Konten abgeräumt und ihn dann verlassen. Aus lauter Verzweiflung hatte Rainer sich einen Strick genommen. Silvia grinste zufrieden, sie fand es einfach mordsmässig gut. Jetzt brauchte sie keine Pläne mehr zu machen.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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