Chiara Fabiano

Die Entscheidung des Verlassens

In unser aller Leben gibt es diesen einen Moment, in welchem uns allen klar wird, dass wir etwas an unserem Leben ändern müssen. Jahrelang geht alles gut, wir leben wie gewohnt, verschieben Vorhaben und merken nicht einmal, wie sehr die Zeit vergeht und wie sehr wir uns in unserem Trott verlaufen, der letztlich der Grund dafür ist, dass tausende von Menschen sagen „Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich…“.

Der Trott unseres Alltages bestimmt wie wir uns fühlen. Wenn der Punkt angelangt ist, an dem man morgens aufsteht, seufzt und sich versucht einzureden man müsse bloß noch diesen Tag hinter sich bringen, und dann würde es besser, ist einmal schon längst klargeworden, dass man etwas ändern muss. Doch woran liegt es? In vielen Fällen liegt es an dem banalsten aller Fälle: An Liebe. Liebe bestimmt, ob wir glücklich sind, ob wir durch schwere Zeiten gehen und einander trotzdem festhalten und in ihr einen sicheren Anker sehen können, Liebe bereitet uns Kummer und Sorgen genauso sehr wie Freude und Glück. Stimmt die Liebe und die Beziehung, stimmt meistens das Seelenwohl. Und wenn es nicht stimmt…? Mit einer Beziehung ist es, wie mit dem Job und dem Alltag, wir gewöhnen uns an sie. Wir genießen das Gefühl von Sicherheit, wir leben miteinander oder aber aneinander vorbei und dennoch trauen sich bloß die Wenigsten aufzustehen und zu sagen: „Ich ändere mein Leben, denn ich bin nicht mehr glücklich“. An einer Liebe hängt nämlich nicht bloß ein Leben mit vielen Erinnerungen, daran hängen Familienmitglieder, Wohnungen, Häuser, vielleicht sogar Kinder. Was also riskiert man dafür sich zu erlauben „Ich kann nicht mehr!“ zu sagen. Erlauben „nein“ zu sagen?

Die Liebe ist unberechenbar, sie kommt und geht, wie sie möchte, sie macht keinen Halt vor Sicherheit oder Familie, schon gar nicht vor Wohnungen oder Besitz. Ist man unglücklich in einer Beziehung beeinflusst das ein ganzes Leben. Warum fürchten wir uns so davor aus einer unglücklichen Beziehung herauszuwachsen? Warum trauen wir uns nicht den Schritt zu gehen zu sagen: „Ich kann nicht mehr“. Ganz recht, weil derjenige, der sich dazu entscheidet es sich zu erlauben ein glücklicheres Leben führen zu wollen oftmals mit Gegenwind rechnen muss. Vorwurfsvolle Blicke der Familie, ein gebrochenes Herz des Partners, Unverständnis von Freunden und Bekannten und all das, weil man das getan hat, was einen befreit, sich dazu entschieden hat nicht zu den tausenden Menschen gehören zu wollen, die sagen „Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich…“. Es ist egoistisch das zu machen, was einem anderen Menschen wehtut, denn man entscheidet sich in diesem Moment dazu sein eigenes Wohl über das des anderen zu stellen. Es ist mitunter die schwerste Entscheidung im Leben all die Jahre, die man in einer Beziehung zusammen verbracht hat, all die Momente, an die man sich erinnert und das Gefühl, welches man verspürte, als man sich dazu entschied zu gehen, at acta zu legen. 

Es ist ein Dilemma, das viele Menschen verzweifeln lässt, nicht nur wegen der Tatsache des Verlustes von vielen Jahren miteinander, sondern auch aufgrund der Angst vor der „Täterrolle“. Denn sobald wir uns entscheiden uns von jemandem zu trennen und sich einem neuen Leben zuzuwenden werden wir laut der Gesellschaft zu einem Täter, der den Preis eines gebrochenen Herzens in Kauf nimmt, um sich selbst in ein neues Leben aufzumachen. Manchmal jedoch sollte man eine Entscheidung treffen dürfen, ohne sich dabei von der Meinung der Gesellschaft leiten zu lassen, denn letztlich sind wir diejenigen, die das Innere unserer Seele am aller besten kennen. Wir spüren, ob wir glücklich sind und wir wissen selbst genau, ob wir etwas ändern müssen, oder das Leben, was wir führen uns in dieser Hinsicht erfüllt. Den Schmerz des Verlassenen und die Gewissheit für diesen Schmerz verantwortlich zu sein bedeutet zu leiden, es bedeutet eine Entscheidung getroffen zu haben, zu der man stehen muss und die man tragen muss, egal wie viel Zeit es benötigt diese Wunden wieder zu schließen. Jeder jedoch sollte das Recht haben es sich erlauben zu dürfen das im Leben zu tun, was einen glücklich macht und sich von dem zu lösen, was einen die Aussage treffen lässt, die tausende von Menschen treffen. 

Eine Trennung bedeutet oft auch sich von den letzten Jahren seines Lebens verabschieden zu müssen und einen Schnitt zu tätigen, der weh tut, aber letztlich auf einen neuen Weg verweist, der eventuell jener sein kann, von dem wir irgendwann behaupten werden der Richtige gewesen zu sein. Dem aber muss man eine Chance geben, sich selbst und seinem Partner auch die Zeit geben diesen Weg finden zu können und in ihm aufzublühen. An einer unglücklichen Beziehung anzuhalten sollte nicht das Ziel sein, dass es zu verfolgen gilt.

Liebe kommt und geht, Liebe ist eine Bereicherung, sie verursacht Schmerz, Freude, Sehnsucht, die Liebe erfüllt unser Leben. Und jeder sollte das Recht besitzen, nein, jeder besitzt bereits das Recht sich in seinem Leben für das zu entscheiden, was einen glücklich macht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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