Thomas Breu

Der Gang zum Meer

Er saß auf einem kleinen Felsvorsprung hoch über dem Meer. Rechterhand unterhalb von ihm, nur schroffe kahle Klippen. Linkerhand unterhalb, ebenfalls schroffe kahle Klippen, jedoch gesäumt von einem breiten sichelförmigen Kiesstrand.

Seine Augen sind geschlossen, ruhig und entspannt hört er auf seine Atmung. Dass Heben und Senken seiner Brust, im rhythmischen Gleichklang mit dem Rollen der Brandung.

Wenn er seine Augen öffnete, vernahm sein Blick nur das gleißende Licht der Sonne, dass sich auf der scheinbar unendlichen Weite des vor ihm liegenden Ozeanes spiegelte, und an dessen Rand sich als feine Linie abzeichnend, den Horizont.

Von dieser feinen Linie aus, schien es ihm, als wenn wie von unsichtbarer Hand, stetig wiederum feine Linien in seine Richtung entsendet wurden, welche über den größten Teil der Strecke kontinuierlich an Stärke gewannen, bis sie sich kurz vor ihrem Ziel in einer gleichmäßigen und rhythmischen Bewegung zu Wellen empor erhoben, welche sich in einem stetigen auf und ab in seine Richtung schoben, um entweder zu seiner Rechten in einem tosenden Knall an den Klippen zu zerschellen, oder zu seiner linken, sich zu Brechen und sanft auslaufend über den Kies sich verteilend.

Die zu seiner Rechten, und unterhalb von ihm an den Klippen zerschellenden Wellen, verwandelten sich in eine feine Gischt, die an den Klippen nach oben stieg. Gepaart und getragen von einem angenehm warmen von der See her wehenden Wind, legte sich in rhythmischen Intervallen die feuchte Gischt, angenehm über sein Gesicht, und hinterließ eine feine, leicht prickelnde Melange.

Dem donnernden Geräusch, der abrupt an den Klippen zerschellenden Wellen, folgte unmittelbar darauf eine rollende sich ausbreitende und wieder auflösende Melodie, welche an der Spitze ihrer Ausbreitung kurz inne hielt, um sich im darauffolgenden Moment in eine schmatzende sich zurückziehende Klangfolge zu Wandeln.

Immer wieder schloss er seine Augen, um dem Zusammenspiel seiner Atmung, dem Heben und Senken seiner Brust, im Gleichklang mit dem Heben und Senken der Wellen, und dem donnernden, rollenden und schmatzenden Klängen der Gezeiten, in ihrer scheinbar perfekten Synchronität zu Lauschen.

Eine bis dahin nie gekannte Ruhe stellte sich in ihm ein. Sein Körper wie schwerelos, sein Geist und seine Gedanken leicht und frei. Alles was vorher so schwer und dunkel auf ihm lastete, alles was seinen Mut und Glauben aus ihm verbannte, all dass, was ihn letztlich an diesen Ort führte, war weg.

Es war, als wolle ihm eine höhere Macht ein Gleichnis auftun. Ein Gleichnis mit dem Meer, mit seinen Wellen, mit deren sich bildenden Tälern und Gipfeln, mit ihrem knallenden Ende in tosender Gischt, oder sanften entgleiten im rollenden nichts.

Der Rhythmus des Lebens, ist wie der Rhythmus des Meeres. Alles Leben entsprang einst dem Meer, sein Rhythmus ist uns vertraut, wie der Herzschlag der Mutter dem Kinde.

Minuten und Stunden vergingen, die Ruhe in ihm blieb. Die vor ihm ausgebreitete See glättete sich im Einklang der Gezeiten. Das Heben und Senken wandelte sich unmerklich in ein sanftes fließen. Das donnernde Grollen und das rollende Rauschen vergingen in ein wie hauchendes Atmen. Das gleißende Licht versank mit der sich senkenden Sonne am Horizont in einem goldenen Schimmern.

Die vereinzelnden Rufe der Möwen, klangen wie ein „ja“

„ja“ dieser mein Weg, war nicht um sonst.



Thomas Breu©

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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