Claudia Savelsberg

An Tagen wie diesen ...!

An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“ heißt es bekanntlich in einem sehr populären Song. Ich mag das Lied, aber heute habe ich keine Lust, es laut (und falsch) mitzusingen. An einem Tag wie diesem wünsche ich mir nur, dass er schnell zu Ende geht.

Ich habe verschlafen und muss mich mit dem Frühstück beeilen, meine Katze hat auf den neuen Teppich gekotzt. Beim Blick in den Spiegel sehe ich mit Entsetzen, dass heute mein „bad hair day“ ist. Ich weiß zwar nicht genau, was es eigentlich bedeuten soll, aber ich sehe aus wie eine Mischung aus Struwwelpeter und Pipi Langstrumpf. Die widerborstige Mähne wird flugs mit einer enormen Menge an Haarspray gebändigt. Ich haste zum Kleiderschrank und suche irgendwie wahllos nach Klamotten. Der Reißverschluss des Rockes klemmt, und ich ziehe eine Laufmasche in meine Strumpfhose. Also greife ich flott zu Jeans und Sweat-Shirt, das muss reichen für heute. Die Treppe runter und in die Garage, jetzt bin ich endlich startklar. Aber mein Wagen will einfach nicht anspringen. Ich renne zur nächsten Haltestelle, sehe gerade noch die Rücklichter vom Bus, muss auf den nächsten warten, komme mit Verspätung in der Firma an. Mein Chef empfängt mich ungnädig. Er hat schon seit Tagen schlechte Laune, weil seine Frau sich scheiden lassen will. Ich entschuldige mich, aber als ich dann merke, dass ich den USB-Stick, der heute in der Teamsitzung gebraucht wird, zuhause vergessen habe, explodiert er. Der Tag ist gelaufen.

Das Essen in der Kantine schmeckt nicht, die hektische Praktikantin verschüttet ihren Joghurt auf meinem Sweat-Shirt, ein wichtiger Geschäftspartner sagt seinen Termin ab. Mein Chef explodiert, der Tag ist gelaufen.

Weil der Termin abgesagt wurde, darf ich früher Feierabend machen. Dann kann ich ja in Ruhe einkaufen. Dumm nur, dass ich meine ec-Karte zuhause vergessen habe, mein Bargeld reicht nicht aus. Wie blöd kann man eigentlich sein? Auf dem Weg zur Bushaltstelle gerate ich in einen Gewitterschauer. Mein mit Haarspray getuntes Haar klebt wie Beton auf meinem Kopf, und von meinem Make-up ist auch nur noch ein rudimentärer Rest übrig. Jeans und Sweat-Shirt sind vollkommen durchnäßt als ich schließlich zuhause bin. Im Treppenhaus begegnet mir mein höchst attraktiver Nachbar, der mich freundlich grüßt. Dass er mich in diesem lädierten Zustand sieht, setzt dem heutigen Tag die Krone auf.
Ich fliehe zu meiner Haustüre. Hektisch drehe ich den Schlüssel, dabei brechen mir zwei meiner lackierten langen Nägel ab. Und die Katze hat schon wieder auf den Teppich gekotzt. An Tagen wie diesen wünscht man sich nur Endlichkeit … !

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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