Klaus Mallwitz

TALK zur News to go 8 aus Ulm

Ali: Ich begrüße Sie heute kurz aber ehrlich, denn die Zeit ist knapp.
 
Cletus: Noch kürzer von mir: Hallo zusammen!
 
Bernada: Hi!
 
Ali: Folgendes: Das Beunruhigende an dieser Nachricht aus Ulm ist doch, dass die Welt einfach nicht in der Lage ist, Konflikte konstruktiv zu lösen. Dabei wäre es doch…
 
Bernada: Wenn ich da mal gleich anknüpfen darf…
 
Ali: Entschuldigen Sie, ich war noch nicht mit meinen Ausführungen ans Ende gelangt.
 
Bernada: Entschuldigen Sie, aber mir liegt grad was auf der Zunge.
 
Ali: Dann rollen Sie es weg, schlucken es ´runter oder spucken Sie es aus, wenn´s keine altersmilde Peperoni ist. Aber unterbrechen Sie mich nicht einfach!
 
Bernada: Entschuldigung!
 
Ali: Jetzt hab´ ich vergessen, wo ich war.
 
Bernada: Sie sind grad bei der Diskussion des news- to go - TRIO. Und wir sprechen gerade über die Meldung aus Ulm.
 
Ali: Die mit der Badewannenlackverkäuferin Ingeborg, also diese ungelernte Badewannenlackversäuferin, äh, ich meine diese ungebildete, also nicht ganz so kompetente Verkäuferin aus Lippstadt?
 
Bernada: Die aus Ulm! Über die Meldung aus Lippstadt haben wir doch gar nicht diskutiert. Oder doch?
 
Cletus: Nein, Quatsch! Das war die Nachricht mit den Lippenstiften und den High Heels. Darüber haben wir nicht gesprochen! Leider nicht! Lippenstifte sind eigentlich mein Spezialthema. Besonders die in Rosé-Extremity mit Lavendelduft, die find´ ich einfach bezaubernd.
 
Bernada: Also, wir reden gerade über die Meldung aus Ulm. Mit dem Krieg auf der Pizza Speziale. Sie haben zu Beginn gesagt, die Welt sei nicht in der Lage, Konflikte konstruktiv zu lösen. Daraufhin unterbrach ich Ihren ersten Kommentar mit den Worten: „Wenn ich da mal gleich anknüpfen darf.“ Und Sie wiesen mich freundlich darauf hin, dass ich Sie nicht unterbrechen sollte.
 
Cletus: Ich möchte nicht unhöflich sein, aber Sie wissen, werter Kollege und werte Kollegin, dass unsere Talkrunde zeitlich begrenzt ist. Und bisher haben wir meiner Meinung nach noch gar nichts Konstruktives von uns gegeben.
 
Bernada: Der Herr Kollege Ali und ich haben aber immerhin etwas gesagt. Wir haben also einen ersten Beitrag geleistet. Sie dagegen erwecken zumindest heute den Eindruck, als seien Sie hier nur Dekoration.
 
Ali: Mein Herr, meine Dame, kommen wir wieder zur Sache!
Bernada: Umgekehrt bitte, erst die Dame,…
 
Ali: Meine Dame, mein Herr, kommen wir bitte wieder zur Sache!
 
Bernada: Wieder?
 
Ali: Ja! Oder nein, … egal, kommen wir endlich zur Sache! Ich wollte ausführen, dass es sehr beunruhigend ist, dass die Welt nicht in der Lage ist, Konflikte konstruktiv zu lösen.
 
Bernada: Das sagten Sie bereits.
 
Ali: Ja, und ich will Ihnen auch sagen, woran das liegt. Die Peperoni sind Egoisten. Jede glaubt, sie sei eine Königin, der Papst oder der Gott in Persona!
 
Bernada: Jetzt erlauben Sie mir bitte, an ihre Ausführung anzuknüpfen.
 
Ali: Ja.
 
Bernada: Danke! - Also: Herr Kollege Ali, Sie haben da einen heiklen Punkt angesprochen. Aber ich denke, Sie fordern zu viel auf einmal! Nicht die Lösung des Konflikts steht an erster Stelle, sondern das Miteinander-Reden, die Kommunikation!
 
Ali: Das ist mir schon klar. Aber mal ganz ehrlich, …
 
Bernada: Hei, hei, hei! Was soll das schon wieder heißen?
 
Ali: Was?
 
Bernada: Wir sind doch wohl alle ganz ehrlich! Sie, Herr Kollege Ali, haben die Ehrlichkeit doch nicht gepachtet!
 
Ali: Ok, ok, dann unehrlich oder ehrlich oder wie auch immer: Wir reden von einer Pizza, auf der sich eine gepfefferte Salami und eine milde Peperoni streiten. Wie sollen die überhaupt ins Gespräch kommen?
 
Cletus: Wenn ich mich jetzt mal einbringen darf: Lasst uns bitte endlich das Problem auf den Punkt bringen! Die Salamischeibe fühlte sich an den rechten Rand gedrängt! Nein, umgekehrt, die Peperoni fühlte sich von der Salamischeibe an den rechten Rand gedrängt. Endlich verstanden?
 
Ali: Nein, davon war keine Rede. Es hieß „an den Pizzarand gedrängt“, nicht „an den rechten Rand“…
 
Bernada: Genau das meinte ich ja vorhin, als ich sagte, es müsse erst mal miteinander geredet werden! Stellen Sie sich nur vor, meine Herren, die Salamischeibe und die Peperoni hätten vorab über die Platzverteilung geredet. Die Salamischeibe hätte dann vielleicht die Pizza um 180 Grad gedreht. Dann wäre die Peperoni nicht am rechten Rand, sondern am linken Rand gelandet. Oder die Peperoni hätte einfach den hungrigen Psychotherapeuten fragen können: „Ist es möglich, die Pizza ein wenig zu drehen? Ich liege zu sehr am rechten Rand!“. Herbert hätte es sicher getan. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber wer kann da nein sagen, wenn jemand vom rechten Rand weg will, zumal, wenn er Hunger hat.
 
Ali: Hören Sie eigentlich zu, was ich sage? Es geht nicht um den rechten Rand. Es geht ganz allgemein um den Rand. Niemand ist gern eine Randerscheinung.
 
Bernada: Ich hab´ schon verstanden, lieber Kollege Ali. Noch mal: Die Peperoni hätte den Herbert einfach fragen sollen: „Können Sie mich vom Rand wegdrehen?“ Also nicht die Pizza drehen, sondern …
 
Cletus: Ja, einfach den Therapeuten bitten, sie aufzunehmen, also in die Hand zu nehmen und woanders hin zu platzieren. Mehr zur Mitte hin,…. zum Beispiel.
 
Ali: Ok, genau. Ja, das meinte ich. Aber das wurde halt versäumt, mit dem traurigen Resultat: Auf der Pizza gab es Krieg.
 
Bernada : Ja!
 
Cletus: Ja!
 
Ali: Die Peperoni hat angefangen.
 
Bernada: Ja!
 
Cletus: Ja!
 
Ali: Die Salamischeibe hat zurückgeschlagen.
 
Bernada: Ja!
 
Cletus: Ja!.
 
Ali: Immerhin: Beide überlebten unverletzt.
 
Bernada: Ja!
 
Cletus: Ja!
 
Ali: Wurde niemand auf der Pizza verletzt?
 
Bernada: Ähm…
 
Cletus: Ähm…
 
Ali: Wurde tatsächlich niemand verletzt?
 
Bernada: Na ja, die Sardelle.
 
Cletus: Genau, die! Eine unschuldige Sardelle! Die lag zwischen zwei Schinkenwürfeln.
 
Bernada: Ja, zum Glück! Sonst wäre sie vielleicht zum Todesopfer geworden!
 
Ali: Aha! Und was lernen wir daraus?
 
Bernada: Also ich lerne daraus, dass man am besten in Deckung geht, wenn sich zwei bekriegen.
Ali: Sie sind egoistisch!
 
Bernada: Wie kann ich egoistisch sein, wenn ich gerne überleben möchte? Jeder möchte gerne überleben!
 
Cletus: Also, ganz im Ernst, ich würde nicht fliehen oder in Deckung gehen, wenn um mich herum Krieg wäre. Schon meine Mutter war der Meinung, fliehen sei feige.
 
Bernada: Was würden Sie dann tun?
 
Cletus: Das muss ich noch mal mit meiner Mutter besprechen.
 
Ali: Damit wären wir da, was ich eingangs sagte: Kommunikation hilft! Ja, sprechen Sie mit Ihrer Mutter, und ich bin sicher, Sie fühlen sich anschließend wohler und können die richtige Entscheidung treffen, wenn Sie wieder gefragt werden: „Was würden Sie tun, wenn um Sie herum Krieg ist?“
Und ich schaue gerade auf die Uhr. Die Sendezeit ist bald herum. Lassen Sie mich noch sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Der Krieg ist immer ein Verlust. Ein Rückschritt. Ein Rückschritt für die Menschlichkeit. Auch auf einer Pizza.
 
Bernada: Für was?
 
Ali: Für die Menschlichkeit.
 
Cletus: Das stimmt! Das hab´ ich auch schon mal gelesen. Im Internet. Ich hab irgendwas mit „Krieg“ eingegeben. Moment. Ja, ich gab ein: „Vor- und Nachteile eines Krieges“. Weil… ich wollt mich eben weiterbilden, und darum hab ich eingegeben, „Vor- und Nach…
 
Goooooooooooooooooooooonnnnnnnnnnnnnnnnngggggggggggggggggggg !!
 
Cletus: teile eines…“
 
Ali: Pssssssst! (leise): Schnauze, Cletus mit C!
 
Goooooooooooooooooooooonnnnnnnnnnnnnnnnnggggggggggggggggggggggggggg
Goooooooooooooooooooooonnnnnnnnnnnnnnnnnggggggggggggggggggggggggggg
 
Sendeleiter Dr. Edgar-Fernando Strauchelbeinchen:
 
Meine Damen und Herren, jetzt, wo es spannend wird, ist unsere Zeit abgelaufen.
Das war wieder einmal das beliebte und kompetente news-to go - Trio.
Diskutiert hat das Trio heute eine news- to go aus Ulm. Selbst ich war begeistert, allein schon deshalb, weil es um das Thema Krieg ging. Krieg gibt es nicht nur zwischen Staaten, sondern Krieg beginnt schon bei uns zuhause. Ob in der Familie oder auf der Pizza, meine Meinung ist die, dass wir bei uns selbst anfangen sollten, Frieden zu ermöglichen. Das meine nicht nur ich, sondern das sagte sogar schon Ralf-Friedhelm Wohlfahrt (49), mein Cousin, und der ist Pizza-Bäcker, der weiß, worum es geht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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