Karl-Konrad Knooshood

Epischer Abschied (Mein lieber kleiner Kater)

 

Unruhig und grüblerisch gedöst,

erschöpft, entseelt im Bette,

als habe sich's Fundament gelöst,

1000 Stiche man versetzt mir hätte,

 

Die Gedanken rauchen Kette,

ich fühl mich wie die Pest,

Schmerz, Verzweiflung, Trauer trüben um die Wette,

wie du ist in mir etwas verwest,

 

Ohne Dich ist alles doof,

das weiß ich jetzt,

ich fühl es nun,

den Blues,

Deine Artgenossen – doof,

meine Sommersprossen: doof,

die Schoko, das LEGO, mein Ego: doof,

alles doof, doof, doof, superdoof!,

 

Und ich recke meine Hände zum Himmel wie Krallen,

doch mir ist nicht wohl,

als würde er donnernd auf mein Haupt niederfallen,

Zucker, Drogen, Alkohol,

werden mir nicht helfen,

Weder Ärzte noch Magier noch Elfen,

erwecken dich zu neuem Leben,

 

Dein Schicksal ist: Verwesen,

Auflösen,

werden sich alle Dinge eines Tages,

alle Wesen, die Guten, die Bösen,

 

Dies ist keines unsrer Spielchen, auch kein Test,

die Zeit kann ich nicht wiederholen,

erkaltet mein warmes, heimeliges Nest,

- das Schicksal hat mir dich gestohlen!,

 

Wütend bin ich, unverhohlen. Die Gefühle in mir sind im Widerstreit: Alles hat seine Zeit – und wenn die Zeit gekommen ist, ist es auch bei mir soweit. Ich weiß um die Vergänglichkeit, die endliche Länglichkeit des Lebens.

In diesem Augenblick blick ich zurück, Erinnerungen suchen mich heim, quälen, peinigen mich, doch reinigen auch das Bewusstsein. Liebe und Dankbarkeit für all die vielen wunderschönen, mein Leben bereichernden Momente, die kostbaren Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Monate mit Dir. Du warst mehr als ein Haustier, mehr als etwas das lebt und nur nebenher läuft wie der Fernseher beim allabendlichen Zusammensitzen.

Du warst Ansprechpartner, besonderer Zuhörer und Sorgenauffänger, Stimmungsaufheller, natürliches Antidepressivum: Ein Spielkamerad, Freund, gar Mentor, möcht' ich sagen, in einigen Augenblicken.

Du fingst alles auf und ab, mit Geduld, Gleichmut, Gelassenheit. Auch Hingabe, Liebe.

 

Du gabst mir Glücksgefühle,

unendlich tiefe Geborgenheit,

Zufriedenheit statt großer Ziele,

Lebendigkeit und Ruhe im Sturmumbrausten,

 

Die Welt da draußen,

war mir gespenstisch, suspekt,

Doch Du kamst an, mit feinem "Dialekt",

in Liebe, Zuneigung, gar ohne Pausen,

hast mir lieblich 's Kinn geschleckt,

geschnurrt, mich so beruhigt,

gegurrt auch mal wie eine Taube,

Du warst mein Wecker morgens,

krähtest, gucktest mit großen Augen,

 

Wenn ich akustisch halluziniere, kann ich Dich immer noch hören, Deine breite Geräuschpalette: Das Krähen, Gurren und Miauen, das Keckern, Meckern und Raunen, das Fauchen nie – oder nur Deinem Trainingspartner gegenüber, Deinem lieben Artgenossen, dem wilden, ungestümen Rabauken, einem kleinen Kater, der Dich zum Duell herausforderte (wann immer es ihm in den Sinn kam), zu epischen kleinen Katerkämpfen, "Schlachten", Spaßkäbbeleien freilich, doch jaulend und sich ineinander verbeißend, verheddernd und verstrickend.

 

Deine Fights waren episch,

Dein Schnurren war ultimativ,

Dein Gurren des Liebevollen Offenbarung,

Du schenktest mir Glück im Überfluss,

warst Killer meinem stillen oder offenen Verdruss,

ein jeder Tag mit Dir war eine Lebensfreuderfahrung,

 

Psychisch stabilisierende Seelenumarmung:,

Wie gern schlöss ich Dich in meine Arme nun,

ein episches, unsterbliches Gitarrensolo,

streichle ich dir ins Fell, mein Katertribun,

Du warst mein kleiner Kanonenfuchs,

mein Superluchs, der Schnuff, der Toaster,

der Roadster, mein Katzstar, mein Meister, Herzensdieb,

ich hatte Dich so gern in meiner Wohnung,

- und wenn man mich zum Wahnsinn trieb,

warst du über alle Maßen lieb,

 

Ich entsinne mich, beginne mich zu sehnen:,

Könnte ich unsre Zeit zurück nur drehen,

und ins Endlose sie dann dehnen,

denselben Weg noch einmal zweimal, dreimal, dreißigmilliardenmal mit Dir gehen,

da nur die Liebe zählt,

vergäbe ich die ganze Welt,

für einen Augenblick mit Dir,

 

Als ich Dich damals von der Züchterin abholte, eine Schutzgebühr zahlte ich, der kleinste Betrag meines Lebens – mit dem größten immateriellen Gewinn, dem höchsten ideellen Wert, den ich je in meinem Leben eingesetzt habe. Was ich erhielt, war wie ein Königreich, eingetauscht durch ein Senfkorn, ein ganzes Universum für eine Sonde, denn in meinem Herzen war ein leerer Platz frei gewesen, was ich nicht gewusst hatte, damals noch nicht.

 

Du schlossest mich gleich ins Herz, Du lecktest zutraulich das Kinn des Mittzwanzigers, der damals der Meinung gewesen war, es reiche, sich etwa alle vier Tage zu rasieren, Du schlecktest diesen rauen 4-Tage-Bart, als ich Dich erstmalig auf den Arm nehmen durfte. Mein Herz war offen, es nahm dich en gros in sich auf, denn es ist unendlich wie das tiefe, finstere All, nur viel heller:

 

Ein letztes Mal unendlich unzertrennlich sein,

unsterblich und eins sein, Du mein,

ich Dein, vereint statt vielbeweint,

das Pech, ernstgemeint, ist mein ärgster Feind…

 

Als Du noch klein warst, waren Deine Ohren voll zu lang für Deinen kleinen Kopf, der zu einem großen Dickkopf, nicht unbedingt im störrischen Sinne, heranwuchs im Laufe der Zeit. Du sahst aus wie ein Luchs, ein wenig wie ein Ozelot, Dein Fell nur schwarzgrau statt gelbschwarz, Du sahst süß, schelmisch, spitzbübisch aus, später seriöser. Du wurdest größer.

 

Nie vergess ich, wie Du nach meinen unter der Bettdecke zuckenden, sich bewegenden Zehen schnapptest und sanft hineinbissest, da die Decke dazwischen war, tat nichts daran weh. Wie Du flott durchs Zimmer ranntest.

Wie Du die Katze schwängertest, Deine niedliche Tochter mit dem ungleichmäßigen weißen Fellmuster kam dabei heraus. Wie Du auf der Leopardenmusterdecke lagst, die wir fälschlich "Tigerdecke" nannten, fast wie eine Tarnung.

 

Wie Du im Katzengras-Blumentopf auf der Fensterbank eingeschlafen bist, Dein Kopf mitten im Katzengras. Wie Deine eine Pfote von der zu schmalen Fensterbank herunterbaumelte wie der schlaffe Arm eines Pavians.

 

Wie Du durch die Wohnungstür in den Hausflur ausbüchstest, immer nur ein paar Stufen die Treppe hinab, dann wieder mit einem Affenzahn hochspringend, in die Wohnung zurücksprintend. Oder mal hinauf zum Dachboden, dort wie kein Wässerchen trüben könnend sitzenbliebst.

 

Wie Du "Mahnwache" auf dem Sofakissen neben meiner Liebsten hieltest, sie mit großen, flehenden Augen anschauend, gelegentlich wie das pure Leiden Christi leis krähend, als seiest Du kurz vorm Verhungern, nur um ein winziges Stück ihres Aufschnitts, Thunfischs, Herings, Lachses oder Bratens abzukriegen.

 

Wie Du die Leckerlis geschickt mit dem Mund aus der Luft auffingst, so man sie Dir zuwarf – und sie manchmal von Deinen Eckzähnen wieder abprallten.

 

Wie Du intensiv Dein Fell sauberlecktest, ankamst, um nach dem Rechten zu sehen, wenn wir längere Zeit still waren, schwiegen, uns nicht bewegten.

 

Wie Du Deinen Mitkater in die Schranken wiesest, wie Du Dich manchmal erschrecktest und Dir die Schwanzhaare zu Berge standen, sodass er viel dicker erschien, ein Phänomen, welches wir "Eichhörnchenschwanz" tauften.

 

Als wir uns Sorgen machten, da Du plötzlich ein geschwollenes Kinn hattest (womöglich durch eine Biene oder Wespe verursacht, die Du zu verspeisen versuchtest), was Dich aufgrund Deiner Fellbehaarung würdevoll aussehen ließ, als trügest Du einen Bart wie ABRAHAM LINCOLN, der "Ehrliche Abe" sozusagen – so sah das aus!

 

Apropos flugfähige Insekten: Du liebtest es, Deinen angeborenen Jagdtrieb damit zu befriedigen, die im Sommer zwangsläufig häufiger auftretenden Stubenfliegen, Schnaken und Mücken zu jagen; nicht selten schnapptest und verspeistest Du sie mit wenigen Kaubewegungen. Du warst übrigens ein gieriger Gourmand, schlangst aber zu viel. Dennoch warst Du ein Genuss-Stubentiger, der genussvoll brummte, sich nach einer ausgiebigen Mahlzeit genüsslich die Flanken und Lippen leckte, was mich Dich noch mehr, noch millionenfach mehr lieben ließ. Ich wollte Dir pausenlos nur Gutes tun, streichelte Dich sooft soft und solang ich konnte und gab Dir aus ehrlichstem, tiefstem Zuneigungsherzen meine ganze Aufmerksamkeit.

 

Mein ganzer Kosmos,

drehte sich um Dich,

wenn eine Träne in den Schoß floss,

tröstetest Du mich,

 

Meiner Welt warst Du Weltpräsident,

meinem Wesen warst Du Ergänzung,

ich liebte Dich stark und konsequent,

nie kam dies Gefühl zur Erschöpfung…

 

Ich setzte Dir das Futter vor, das Standardzeug, warf Dir aber auch Leckerlis hin, gab Dir von meinem Thunfisch (ohne Öl, im eigenen Saft) ab, meine Freundin von ihrem Aufschnitt. Im Winter, so selten es geworden war, doch noch vergangenes Jahr, klaubte ich etwas vom Schnee auf, der sich auf dem Geländer unseres Balkons angesammelt hatte, legte ihn als Mini-Brocken auf eine teppichfreie Fläche unseres Laminatbodens und ergötzte mich daran, wie Du, neugierig und erstaunt, den Schnee wahrnahmst, begutachtetest, Dich wundertest, dass er schmolz und währenddessen von ihm lecktest, als sei er frisches Wasser.

 

Ein neugieriger und allzeit großäugig staunender Prachtkater warst wahrlich Du, der immer begeistert war, Neues zu entdecken und dem seine kleine Welt immer wieder ein Ort voller winziger Wunder war.

Schauten wir Katzenvideos im Internet oder Haustiersendungen im Fernsehen und ertönte ein Miau oder das Quieken kleiner Kitten, kamst Du, wie der zur Hilfe eilende Cowboy "angeritten", angetrabt, und suchtest erstaunt nach dem Kätzchen, dem Du vermutlich aus der Not helfen wolltest.

Dann riebst Du Dich an den Lautsprechern, nicht begreifend, warum dort keine Katze war, außer Deinen beiden Artgenossen, die aber friedlich zusammengerollt in der Ecke schliefen.

 

Doch wir brauchten selten Katzenvideos, denn Du und Deine zwei Kumpane waren unser Live-Dauerkatzenvideo. Verstehe mich bitte nicht falsch: Du warst so viel mehr als ein Katzenvideo, Du warst vital, fidel und liebenswürdig und liebenswert.

 

Ein Engel. Ein Muster an Geduld und Tugend: Einer, der sich nie beschwerte, wenn er mal doll geknuddelt wurde. Der nie biss, fauchte und bösartig war. Ein echtes Seelchen, ein Wunderwesen warst Du, Fürst meines Herzens, mehr und mehr Teil von mir, nicht wegzudenken, unauslöschlich in meiner Seele.

 

Umso schmerzhafter ist der Verlust.

 

Er kam so plötzlich. Du warst gesund und munter, noch bis einen Tag vorm Jahreswechsel. Dann setzte eine merkwürdige, beunruhigende Apathie und Lethargie ein, ein langsames Gehen, Appetitlosigkeit, keine Agilität, eher Fragilität. Ich machte mir ernsthaft Sorgen.

 

Zwei Tage nach Neujahr ging ich mit Dir los, zum Tierarzt. Einen Tag lang kämpfte er mit seinem Team um Dein Leben.

Nachdem er mir am Samstagmorgen, dem 04.01.2020, auf meine telefonische Nachfrage vorsichtig optimistisch antworten konnte, dass es Dir wieder besser ginge, nach Untertemperatur wieder Normaltemperatur herrsche, dass es möglich sei, dass Du es noch einmal schaffst – und mir noch viele schöne Jahre mit Dir ermöglichen würdest (wie ich weiterdachte) (da bin ich durchaus egoistisch), schöpfte ich Hoffnung.

 

Doch ich war viel zu optimistisch.

Ich erinnere mich, als ich Dich in den Katzentragekäfig setzte, so wir Dich zum Tierarzt fahren konnten, Dir, Dich küssend und herzend, zuflüsterte: "Alles wird wieder gut, ich liebe dich!" – und ich war von der Richtigkeit meiner Worte überzeugt.

 

Aber ich war zu optimistisch. Vielleicht wollte ich nur nicht wahrhaben, wie schlecht es um Dich schon stand.

Nie wieder werde ich auf diese Weise, werde ich jemals so optimistisch sein!

Auch dies hat mich Dein Tod gelehrt.

 

Ich konnte nicht weinen – zunächst.

Der Schock saß tief. Das Unerwartete war eingetreten.

 

Jetzt vermisse ich Dich jeden Tag, ich rufe Deinen Namen, wenn ich in Gedanken bin und diese zu ordnen versuche, unbewusst meine ich immer noch, Dein liebes Krähen oder Gurren zu hören, glaube zu fühlen, wie Du aufs Bett und meine Bettdecke emporkletterst. Ich fühle Deinen Geruch in meiner Nase, spüre Dein Fell, das an meinen Beinen entlangstreift, vieles, manchmal alles erinnert mich an Dich.

 

Ich werd Dich nie vergessen, ich danke Dir von Herzen, meine kleine Katerkreatur, dass ich Dich kennen und lieben durfte, dass Du in mein Leben getreten bist vor 11,5 Jahren und es unendlich bereichert hast. Du kleine Samtpfote.

 

Was wehtut und wehtun wird, ist der Moment, in dem ich Dich zum letzten Mal lebend sah: Total geschwächt auf der Liege des Tierarztes – Dir wurde behutsam etwas Fell von der rechten Vorderpfote entfernt, damit man Dir dort eine Spritze geben konnte, eh Du dann in den Rotlichtraum verschoben wurdest, da Du Untertemperatur hattest, so man Dich aufwärmen könnte.

 

Das letzte Mal, dass ich Deinen toten kleinen Katerkörper sah, war im Aufbahrungsraum des Tierkrematoriums, wo wir eine Viertelstunde Zeit hatten, uns von Dir zu verabschieden, von Deinem Körper, der eine Woche lang gekühlt und konserviert worden war, um vorzeitige Verwesung zu verhindern.

Dennoch warst Du kalt, eingefallen, Deine beige Nase hatte sich in ein Bordeauxrot verfärbt, die Augen waren geschlossen, wirkten aber stumpf und leer und vertrocknet. Dein edles Fell war gepflegt und glatt doch fühlte sich nicht mehr lebendig an.

 

Wir ließen uns ein kleines Gläschen mit einem Büschel Deines unvergleichlich weichen Wunderfells aushändigen, versiegelt, verkorkt, mit einem kleinen Metallherzchen inklusive Spruch drauf.

Auf den Pfotenabdruck verzichteten wir. Wir wollten eine schöne, würdevolle Urne stattdessen. Man fragte uns, ob wir den Moment des Schiebens der Katzenleiche in den Ofen miterleben wollten, wir lehnten zunächst ab, stimmten aber schließlich zu. Der Tierkremator schob Dich, Deine leblose Hülle, nicht Deine Seele, die hoffentlich noch irgendwo ist, in den glühenden Ofen, schloss dessen Tür (die nicht aus hitzefestem Glas besteht wie beim heimischen Herd, sondern aus intransparentem Metall. Wir verließen den Kremierungsraum, weinten viel, ich ließ mir ein Glas Wasser bringen, schließlich dehydrierte ich durch die Tränen. Meine Liebste tröstete mich, man tröstete sich gegenseitig.

 

Nach etwa einer Stunde war die Einäscherung abgeschlossen. Man überreichte uns die Urne.

 

Verschiedene Personen meinten, man sähe sich im Paradies/Himmelreich Gottes wieder, doch es tut mir leid. Ich glaube nicht (mehr) an diese versprochene Ewigkeit. Trost kommt aus dieser Quelle nicht für mich. Ich glaube daran, dass meines Katers Seele noch lebendig ist, das ist alles. Sie schwebt, wie Milliarden anderer Tier- und Menschenseelen, umher.

 

Alles wird zum Humus, Asche und Staub. Ich bewahre sie auf in dieser Urne, die Asche. Die Urne wird einen Ehrenplatz erhalten. Und gedenke danach meines Katers. Auf meine Weise.

 

Die wenigen Videoschnipsel, das mal mithilfe der Diktiergerätfunktion meines Smartphones aufgenommene Schnurren, werde ich mir ansehen und –hören – es wird nie Dasselbe sein.

 

Ob  ich ein neues Tier will? Gewiss! Keines jedoch kann dieses Wunderwesen ersetzen. Darum geht es mir auch nicht. Vielleicht muss einfach der leergewordene Platz in meiner Seele gefüllt werden. es ist dennoch nicht so wie bei einer CD, derer ich so viele in meiner riesigen Sammlung habe. Geht da eine kaputt, kann sie i.d.R. durch ein neues Exemplar völliger Gleichheit ersetzt werden, es sei denn, es handelt sich um uralte CDs, die in sehr geringer Auflage erschienen sind und somit womöglich nicht mehr oder nur sehr hochpreisig zu erstehen, Stichwort: Sammlerpreis(e).

 

Ich zitiere: "Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt,

und auch wenn das jetzt kitschig klingt,

ich hab heut Nacht um Dich geweint,

ich wünsch Dir, dass die Sonne für Dich scheint."

(FARIN URLAUB, "Sonne", 2005)

 

Apropos Musik: Mein Leben ist auch ein permanenter, ständig fluider Soundtrack, wechselnd in der Präferenz doch immer da. Dementsprechend findet sich hier meine Songliste, die man auf YOUTUBE als Musik finden und genießen kann, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ohne die Absolutheit dessen, dass Text und Melodie 1:1 akkurat passen, doch sind es erlesene Trauerlieder, die meinen Abschied verdeutlichen und für mich zur Verarbeitung des schmerzlichsten Verlustes der letzten Jahre beitragen können:

 

- Alexandra – "Illusionen" (1969)

- Bob Dylan – "Knockin' On Heaven's Door" (1973)

- Die Toten Hosen – "Nur zu Besuch" (2002)

- Elvis Presley – "Always On My Mind" (1972)

- Eric Clapton – "Tears In Heaven" (1992)

- Evanescence – "My Immortal" (2000)

- Everything But The Girl – "Missing" (1995)

- Farin Urlaub – "Sonne" (2005)

- Frederic Chopin – "Trauermarsch" (1839)

- Guns 'N' Roses – "November Rain" (1992)

- Herbert Grönemeyer – "Der Weg" (2002)

- HIM – "The Funeral Of Hearts" (2003)

- Jeff Buckley – "Hallelujah" (Cover des LEONARD-COHEN-Klassikers, bessere Interpretation) (1994)

- Johann Sebastian Bach – "Air – Orchestersuite Nr. 3" (1723)

- Judy Garland – "Somewhere Over The Rainbow" (1939)

- Louis Armstrong – "What A Wonderful World" (1968)

- Puff Daddy with Faith Evans – "I'll Be Missing You" (1997)

- Queen – "The Show Must Go On" (1991)

- Queen – "Who Wants To Live Forever" (1986)

- Robbie Williams – "Angels" (1998)

- Sarah Brightman – "Time To Say Goodbye" (1996)

- Simon & Garfunkel – "Bridge Over Troubled Water" (1970)

- The Offspring – "Gone Away" (1997)

- Thomas D – "Solo" (1998)

- Toni Braxton – "Un-Break My Heart" (1996)

- Xavier Naidoo – "Abschied nehmen" (2002)

 

Mein liebster Kater, mein kleiner Liebling, Du sollst wissen, dass meine Liebe Dich begleitet, egal wo Du bist. Ob ich an die Geschichte, diese Legende von der Regenbogenbrücke glauben soll, diesen Übergang, den Du in den Himmel nehmen musst, weiß ich nicht, doch falls es wahr sein sollte, bin ich in Gedanken bei Dir.

 

Gehe dem Licht entgegen, so es existiert.

 

Ich liebe Dich, ruhe sanft und selig, mein lieber kleiner Kerl.






(14.01.2020) (Copyright: Karl-Konrad Knooshood, 2020)



Auf den Tag genau zwei Wochen ist es jetzt her, dass mein geliebter Kater, ein Europäisch-Kurzhaar in
seiner ganzen Fellpracht, friedlich einschlief und nie wieder wach wurde. Es fühlt sich an, als sei einem
ein Kind genommen worden, als sei ein wichtiger Teil des eigenen Lebens verschwunden. Herausgerissen
worden. Ich brauchte einige Zeit, um über diesen Verlust hinwegzubekommen.
Jeder Verlust ist furchtbar. Nicht mal ein Jahr zuvor ist ein Verwandter einer mir nahestehenden Person
verstorben, unerwartet und plötzlich - so hier eines unsrer drei geliebten Haustiere, das schönste, liebste
und zärtlichste Wesen, das es je gegeben hat. Ein Teil unsres Kosmos drehte sich nur um diese
Fellkreatur, diesen wunderbaren Wundergott. Er war der gesündeste, vitalste und süßeste Prachtkater,
den man sich nur wünschen und vorstellen kann. Doch innerhalb weniger Tage, einen Tag vor Silvester
fing es schleichend an, war er nicht mehr derselbe. Lethargisch, apathisch, beunruhigend ruhig,
zurückgezogen, nicht mehr nach Leckerlis schnappend, appetitlos, schlapp. Am 03.01.2020 zum Tierarzt
gebracht, nicht ahnend, wie schlimm es bereits stand. Beim Tierarzt über Nacht geblieben, die Chancen
stünden schlecht, sagte man uns, doch wir schöpften Hoffnung, als man mir bei meinem Rückruf am
Samstagmorgen, den 04.01.2020, vorsichtig optimistisch angab, es ginge ihm besser, er sei munterer,
könne wieder besser laufen, seine Untertemperatur, die man festgestellt hatte (34 Grad Celsius statt bei
Katzen normalen 38) sei verschwunden. Da ich am Tag zuvor nicht hatte arbeiten können (da wir zu der
Zeit beim Tierarzt warten mussten), holte ich dies nach. Frohen Mutes wollte ich uns ein paar
Kleinigkeiten beim Aldi käuflich erwerben, auch für die Katzen, zur Feier, dass es dem Kater wieder
besser ginge. Der Anruf meiner Freundin erreichte mich, als ich mich gerade an der Kasse anstellen
wollte. Fassungslosigkeit ob dessen. Ich musste mich zusammenreißen, bezahlte die Waren und stürzte
hinaus, in die Kälte, in der es zu allem Überfluss noch regnete. Fuhr nach Haus per Fahrrad, man lebt ja
umweltbewusst hier. Sofort rief ich erneut beim Tierarzt an, er bestätigte es. Am Sonntag dann, nach
einem grauenhaften Samstagabend voller Weinen und Trauer, wollten wir ihn abholen, seine sterblichen
Überreste sahen wir dann nochmal. Man veranlasste, ihn von einem Tierbestattungsinstitut abholen zu
lassen, ihn zu kühlen und konservieren, bis wir ihn kremieren lassen können. Eine Woche später, also
genau letzten Samstag, wurde er dann eingeäschert. Seine muntere Art, seine Lebhaftigkeit, die großen,
neugierigen, seelenvollen Augen, die ich liebte wie nichts sonst auf der Welt, das Krähen, Gurren,
Schnurren, sein Springen aufs Bett, mich zu wecken, seine epischen Kämpfe mit seinem kleineren Art-
und Geschlechtsgenossen, der ihn gern herausforderte, indem er den "Fehdehandschuh" hinwarf, sein
Genuss des Futters und Fisches und mehr - das alles wird nicht mehr da sein. Ich vermisse es für immer.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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