Jürgen Behr

Der Vatikan als Antipode, als Konzernherr

Der Vatikan als Antipode, als Konzernherr

 

Neulich traf ich auf meinem Heimweg Daniel. Ein alter Schulfreund. Sein Gesicht war bleich – so richtig grünlich-weiß. Auf meine Frage hin, ob es ihm nicht gut ginge und was er doch so mache, antwortete er: „Ja, doch mir geht es super, ich habe mir soeben einen Glücksrausch verpasst. Du, ich fühle mich jetzt so richtig tierisch super geil, es ist so ein richtig vertiefter sexueller Rausch, der meine sexuelle Empfindung verstärkt“.

 

Auf meine weitere Frage, was er denn für eine Droge nähme, sagte er: „Eine ganz harmlose Naturdroge, es ist der dunkelbraune Teil einer Baumrinde, die abgeschält und in Stücke geschnitten wird. Sie wird auch scheibenweise verkauft wie Salamiringe. Schon für 12 Mark kannst du das kaufen. Allerdings, wenn du zu viel von dieser Naturdroge nimmst, trübt sich ein wenig deine Verstandesfunktion. Diese Rauschdroge trübt dich in deinem Willen, deiner Durchsetzungskraft und deinem Verstand.

Übrigens, weißt du, dass die Naturdroge in Rom und in Europa bis ins heutige Jahrhundert unbekannt war. Nur die schottischen und keltischen Hexen wussten schon von Pflanzen, die, wenn sie sie in einer bestimmten Mixtur tranken, „auf Besen rumreiten ließen“. Ähnliches findet man ja auch in Goethes Faust.

Erst später und zwar in den 40ger Jahren wurde eine neue Form von Droge erfunden: die chemische Droge LSD. Sie wirkt schon bei sehr geringer Dosis –man bekommt sie in winziger Tablettenform- Halluzinationsfördernd. Weiterhin führt sie zur gewissen Abhängigkeit, zur starken negativen Persönlichkeitsveränderung, immer stärker zieht sie dich nach unten bis zum Elend. Ganz abgesehen davon, was das Zeug so an Geld kostet. Außerdem ist das Risiko viel, viel höher wie noch vor fünf Jahren. Denn derjenige, der das Zeug nimmt, denkt nicht mehr an die AIDS-Gefahr, die Gefahr für sein und das andere Leben.

Aber belassen wir es dabei, ich nimm ja nur die leichte Naturdroge, um mir für einen Moment einen Glücksrausch zu verpassen“.

 

Mit diesen Worten und einem feuchten Händedruck verabschiedete sich Daniel.

 

Bis ich wieder was von Daniel hörte, verstrich eine recht lange Zeit. Ein Bild von Daniel in der regionalen Zeitung zeigte mir unmissverständlich, dass er tot war. In einer Toilette einer Dorfrandkneipe hatte er sich den Goldenen Schuss gesetzt. Mit einem kurzen Atemstocken war in mir das Empfinden der Zeit ausgelöscht. Daniel ist tot – und nichts geschah. Kein Vorhang riss. Nur eine kleine Randbemerkung mit Bild in der Zeitung. Das ist doch immer so und deswegen geschieht nichts, deswegen änderte sich nichts. Was wiegt schon Daniels Tod gegenüber den viel größeren Profit mit der Droge auf, den man daraus schlagen kann. Was wiegt schon ein Menschenleben gegenüber der Gewinnsucht auf. Heute Daniel! Morgen DU?

 

In scharfer Form spiegelt die Droge die Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft. Die eigentliche Wahrheit über die Droge als Waffe wird von der Presse totgeschrieben.

 

Die Droge: eine neue Art der Kriegsführung.

 

Es war im Jahre 1991. Da veröffentlichte der damals recht angriffslustig schreibende Schriftsteller Heiko R. ein Buch mit dem Titel: „AUFKLÄRUNG TUT NOT“.

Dieses Buch hatte Heiko offensichtlich nicht von ungefähr geschrieben und veröffentlicht. Das Buch erzielte eine erstaunlich hohe Auflage.

 

In einem Brief an mich erklärte er, es seien ihm von Seiten der Leserschaft derart viele Drohungen ausgegangen, eine starke Macht, die gegen seine Anschauungen war, hatte ihn gefährdet, dass er sogar zeitweise in akuter Lebensgefahr war. Hauptgegner seiner Aufklärungsschrift waren vor allem die katholische Kirche und verschiedene Gruppen aus den Rängen der konservativen Parteien. Sie kritisierten und attackierten ihn, der sich mit dem zeitgenössischen Problem: eine neue Art Kriegsführung tiefsinnig auseinandersetzte.

 

Die Last der Doppelexistenz.

 

Das kapitalistische Machtkartell wollte keine Wiederholung der 68ger. Statt Berufsrevolutionäre hatten wir plötzlich Berufsdealer vor uns, die die Droge in die Hand der jungen Menschen legten, die entschlossen aus der kapitalistischen Gesellschaft ausbrechen wollten. Sie brachten die Droge, die dämonische Freiheit, in die Gemeinschaft der Gegner des kapitalistischen Systems. Und das Geschäft lebte durch die freiwillige Abnahme der jungen Menschen, der Gegner des kapitalistischen Machtkartells. Diese neugewonnene dämonische Freiheit stellte den jungen Menschen über alle anderen, sie hob ihn gewissermaßen ab. Aber damit begann die ernste Gestaltung des Konflikts von Droge: Sie schafft ein Bild des Wahns und macht im fortgeschrittenen Stadium die Verstümmelung des Menschen ganz sichtbar. Billigend nahm das kapitalistische Machtkartell das in Kauf. Lieber ein Rudel handlungsunfähiger Menschen als ein ernstzunehmender revolutionärer Haufen junger freidenkender Menschen, die eine Gefahr für ihr kapitalistisches System darstellen.

Das Geschäft mit der Droge entwickelte sich rasch zu einem ertragreichen Handel. Neben dem kapitalistischen Machtkartell entwickelte sich das Drogenkartell, ein Großbetrieb, an dessen Stelle der Vatikan als Antipode inzwischen bis zum Konzernherrn aufgestiegen ist und nun mit demagogischer Begabung zum Schein nicht nur Kritik gegen Korruption, sondern auch gegen die Methode der Korruption übte.

Das ertragreiche Geschäft mit der Droge verband das gemeinsame Grundinteresse von Funktionären der östlichen Welt und von Kapitalisten der westlichen Welt.

 

Heutzutage ist die Droge mehr denn je so treffend gesagt, ein ernstes Anliegen der Gegenwart. So würde ich jetzt gerne jedem dieses Buch mit dem Titel: „AUFKLÄRUNG TUT NOT“ wärmstens empfehlen, wenn es nur nicht vergriffen wäre. Schon kurz nach dem Erscheinen war es vergriffen. Heiko erwähnte in einem bitteren Nebensatz, dass seine hohe Auflage wohl von der Gegnerschaft aufgekauft wurde, weil die überhaupt keinerlei Interesse an tiefaufbrechender Aufklärung zeigt.

 

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