Regina Elfryda Braunsdorf

Hiobs Sterne

Es geschah zu der Zeit als es auf der ganzen Welt noch niemals geschneit hatte:

 

              Der junge Hiob sah wie jeden Abend in den Himmel, um die vielen Sterne zu bestaunen.

Am Tage hatte er seine Tiere auf die Weide geführt und ihnen beim Grasen zugeschaut. Danach war Hiob zu seiner Mutter gelaufen, um ihr beim Wasserholen zu helfen. Das tat er jeden Tag. Er war inzwischen 250 Jahre auf der Welt. Also hatte er schon sehr oft die Tiere gehütet und seiner Mutter geholfen. Nachmittags saß er stets beim Vater, um alles über den Himmel und die Erde zu lernen.

 

Der Vater hatte alles gewußt über den Himmel und die Welt, aber wie die Sterne oben blieben, ohne herunter zu fallen, wusste er nicht. Niemand hatte es gewusst. Es sollte aber genauso viele Sterne im Himmel gegeben haben wie Menschen auf der Erde. Also ungefähr 500.

 

Der junge Hiob sah also in den Himmel an diesem Abend und dachte bei sich, wie schön es doch wäre, wenn er einmal solch einen Stern in seiner Hand halten könnte.

Und wie er so saß und in den weiten schwarzen Himmel sah, bemerkte er plötzlich eine noch nie dagewesene Frische in der Luft. Schnell zog er die Decke, auf der er saß, über seine Schultern. Der Wüstensand rieselte dabei seinen Rücken hinunter.

 

Und dann geschah es. Der Himmel wurde heller und heller und die Sterne waren nicht mehr zu sehen. Hiob hob die Arme und hielt seine Hände auf, um Gott um Hilfe zu rufen.

Da waren die ersten Sterne auf einmal in seinen Händen. Weiß und leuchtend und zauberhaft schön.

Immer mehr fielen in seine Hände und auf die Erde, dass es überall leuchtete wie am hellen Tag.

 

Ein Wunder war es, weil auch am nächsten Abend noch viele Sterne am Himmel waren, obwohl sie herunter gefallen waren.

Jetzt erinnerten sich auch Hiobs Vater und seine Mutter an eine uralte Geschichte, die ihre Eltern und die Eltern der Eltern schon kannten. Das Weiße auf der Erde nannten sie: Schnee.

Es war ein Winterzauber.

 

Von dieser Zeit an, schneit es auf der Welt. Und weil es immer so viele Menschen wie Sterne gibt, leben inzwischen über sieben Miliarden Menschen auf der Erde.

Das hätte Hiob jedenfalls so gesagt und seine Eltern und die Eltern seiner Eltern, die noch alle Menschen kannten, die auf der Erde waren. Damals.

 

 

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