Jürgen Behr

Ich will schlafen

Ich möchte schlafen. Viele Tage haben mich müde gemacht, und ich habe zu viel Nacht gesehen, und Nacht ist das, was bleibt, wenn nichts mehr ist.

Warum muss es nur immer Winter sein? Ich mag die Kälte nicht, die einen frieren macht, die die leeren Häuser füllt, die leeren Zimmer und die leeren Hände.

Wohin führt der Weg, auf dem ich gehe? Ich habe Menschen gesehen, und Menschen haben mich gesehen. Wohin führen all die Wege?

Und in den Gärten blühen Blumen ganz aus Eis. Sie sind wie gefrorenes Licht, und wenn man sie greift, zersplittern sie zu feinen Nadeln aus Kristall.

Ich möchte Hände haben, wie samt, sie zu halten, schön wie sie sind, ohne dass sie leiden. Weshalb werft ihr mit Steinen nach den Blumen, ihr ohne Zeit und ohne Ziel? Auch ihr geht ins Nichts, auch ihr braucht Blumen.

Und all die Kinder, die wie Sommerfalter sind, die ihr auf Wege schickt, auf steinige Wege, ohne Ziel - warum?! Seht ihr nicht, dass sie Flügel haben zu fliegen? Sie lieben die Sonne, und ihr schickt sie in den kalten Winter, ohne Ende.

Wüsste ich den Fluch, der Welt zu fluchen, würde ich ihn sprechen? - wozu? Ist denn nicht Fluch genug?

Oh, ich bin so müde. Wie gerne würde ich doch schlafen. Doch der Weg führt vor mir bis zum Horizont; vielleicht ist er dort zu ende. Aber nach tausend Schritten wird er scheinbar tausend Schritte länger. Und ginge er auch zu ende, er bleibt dennoch ohne Ziel.

Ich bin schwach; kaum noch bin ich losgegangen und bin schon müde. 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.01.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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