Gisela Welzenbach

Zwei Urlaubsanekdoten aus dem Jahr 1973

 

Woran ich mich gerne erinnere, ist der Urlaub im Sommer 1973 den ich mal nicht in Wunsiedel, sondern mit meinen Eltern zusammen verbrachte. Meine jüngeren Geschwister waren bei der Oma in Wunsiedel und ich hatte die Eltern mal für mich alleine, was ich sehr genossen habe.

Im Sommer also (ich war 16 Jahre alt) fuhren wir für vierzehn Tage nach Mörbisch ins Burgenland, nahe der ungarischen Grenze am Neusiedler See. Die Umgebung erinnerte auch schon sehr an die Puszta.

Als wir in Mörbisch waren begegneten wir bei unserem ersten Spaziergang einem Bauern, der sich gleich über das heiße Wetter beklagte, was schon so lange andauerte und womöglich die Ernte in Gefahr wäre. Mein Vater beruhigte ihn damit, in dem er sagte: „Machen Sie sich keine Gedanken; wir sind heute angekommen und morgen wird es garantiert regnen“.

So was passierte leider schon öfter, wenn meine Eltern am Urlaubsort ankamen, egal wo. Am nächsten Tag kühlte es tatsächlich etwas ab und es regnete. Wir liefen wieder dem Bauern über den Weg, der uns aber nur scheu anschaute und nichts mehr sagte sondern sich schnell verkrümelte. Anscheinend hielt er meinen Vater für einen Wetterpropheten, Wahrsager oder so was ähnliches.

Wir mussten natürlich lachen und hofften sehr, dass das Wetter wieder besser wurde. Nun ja, der Bauer hatte seinen Regen für die Ernte und wir freuten uns später, dass das Wetter wieder schön wurde.

 

Es gibt noch eine, etwas ungewöhnliche, Anekdote, die wir erlebt haben.

Wir machten an einem heißen Tag einen Busausflug mit Reiseleitung nach Wien und hatten zwischen den Führungen auch etwas Zeit zur freien Verfügung. Es wurde uns auch ein Cafè genannt, wo wir z.B. hingehen konnten.

Meine Eltern und ich und noch ein paar andere Leute aus unserer Reisegruppe waren in der Nähe des Stephansdoms und schauten uns nach dem Café um. Die Hitze und der Durst war groß und mein Vater entdeckte ein Schild mit der Aufschrift „Löwenbräu“; der Münchner in ihm brach mit Macht hervor und er marschierte zielstrebig und durstig, die Gedanken schon auf das kühle Bier gerichtet, auf das Café mit dem Schild darauf los. Wir anderen folgten ihm alle brav.

Als wir eintraten, drehten sich alle, die schon drin waren, nach uns um und schauten uns etwas merkwürdig an. Wir dachten uns nichts dabei, sondern wir lechzten nach was Trink- und auch Essbarem und meine Mutter und ich freuten uns auch auf einen Kaffee. Und so warteten wir eine Weile auf die Bedienung, die auf sich warten ließ. Man hatte schlicht den Eindruck, dass wir ignoriert wurden.

Ein Teil unserer Reisegruppe und meine Eltern und ich saßen verteilt an zwei Tischen.

Wir sahen uns in dem Café um und bemerkten mit leichtem Erstaunen, dass einige recht stark geschminkte und auffällig gekleidete Damen mit einigen Herren (die meine Mutter und mich interessiert beäugten) um uns rum saßen und diese Damen meine Mutter und mich, im Gegensatz zu den Herren, recht ärgerlich anschauten.

Wir hatten natürlich zuerst keine Ahnung warum. In unserer Nähe war ein Telefon an der Wand angebracht und wenn es klingelte, sprang immer eine der Damen auf und ging ran.

Das kam uns dann doch alles recht merkwürdig vor. Schließlich kam ein Kellner an unserem Tisch und sagte zu uns: „Gell, die Herrschaften gehören bestimmt zu einer Reisegruppe“. Wir bejahten das erstaunt und er entschuldigte sich, dass er sich nicht schon früher um uns gekümmert hatte und nahm die Bestellung auf.

Wir stellten dann fest, dass es sich bei dem Café um einen Treffpunkt handelte, wo die Damen aus dem horizontalen Gewerbe verkehrten und dort per Telefon ihre „Geschäfte“ vereinbarten. Meine Mutter und ich wurden erst als unliebsame Konkurrenz angesehen und dass mein Vater wohl in deren "Revier einbrach".

Später haben wir über unser Erlebnis natürlich gelacht und unser Reiseleiter, dem wir das erzählten, amüsierte sich sehr. Er kannte nämlich das Lokal. Inwieweit er die "besonderen Dienste" in Anspruch nahm, kann ich natürlich nicht sagen!
So hat mein Vater also seine unschuldige sechzehnjährige Tochter und seine Ehefrau samt einen Teil der Reisegruppe, die zu Hause auch was zu erzählen hatten, unwissentlich in ein anrüchiges Lokal geführt. Meine Mutter und ich fanden das alles recht interessant. Ich habe dies bis heute nicht vergessen und amüsiere mich über unser Abenteuer in Wien.

 

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