Doris E. M. Bulenda

Am Zoll in Tansania

Bei einer Rucksack-Rundreise in Ostafrika passierte ich die Grenze zwischen Burundi und Tansania an einem winzigen Grenzübergang am Tanganjika-See. In diesem Dorf gab es zwar einen Immigration-Officer, der mir das Visum ausstellte und die Einreise bestätigte. Was es nicht gab, war ein Zollbüro. Man erklärte mir, ich müsse das im nächstgrößeren Ort nachholen. Gut, okay … Leider hatte ich vom Zoll in diesem Städtchen schon einiges gehört, und zwar nur Schlechtes. Dass die Zollabfertigung dort mindestens zweieinhalb bis drei Stunden dauern würde, manche Reisende, vor allem Rucksackler, hätten dort schon den ganzen Tag verbracht, wären bis aufs Hemd gefilzt und übel schikaniert worden.

Am nächsten Tag, nach der Übernachtung in einer kleinen Bambushütte, fuhr ich drei Stunden lang mit einem Boot die 30 Kilometer zum nächsten Ort. Dieses Boot hielt wirklich an jeder Kokospalme ... Endlich angekommen, schnappte ich mir ein Taxi und ließ mich zur Zollbehörde fahren. Ich betrat die Hütte und stand einen sehr grimmig blickenden Zollbeamten gegenüber.

Natürlich grüßte ich freundlich, erklärte in einer Mischung aus Kisuaheli und Englisch, dass ich gestern Abend über die kleine Grenze gekommen wäre und jetzt den Zoll machen wolle. Der Zollbeamte zog den Reißverschluss meiner Reisetasche auf. Dort lag ganz oben zufälliger- und glücklicherweise eine Plastiktüte mit Medikamenten. Er schaute mich fragend an, ich sagte: „Das ist Medizin, verschiedene Sachen“. „Aha“, kam es zurück. „Wissen Sie Madam, ich habe seit langem einen Dauerschnupfen, immer muss ich niesen, die Nase läuft ständig, ich fühle mich schlecht ...“

Natürlich verstand ich den Wink mit dem Zaunpfahl sofort. Ich nahm dem Zöllner den Plastikbeutel ab, kramte wichtigtuerisch darin und brachte dann eine Packung mit Tabletten zum Vorschein. Das waren übriggebliebene Schnupfenmittel, zwei oder drei verschiedene Sorten, die ich in eine Packung gesteckt hatte. Warum ich das mitgeschleift hatte, war mir sowieso nicht klar gewesen. Aber jetzt war es optimal. Deshalb streckte ich dem Zollbeamten diese Schachtel entgegen und meinte: „Da, das ist sehr gute Medizin. Morgens und abends eine Tablette, dann ist der Schnupfen bald vorbei.“

Das grimmige Gesicht verzog sich zu einem strahlenden Grinsen, die Schachtel verschwand in der Hosentasche. „Thank you Madam. Very nice, Madam.“ Er nahm mir den Plastikbeutel aus der Hand, stopfte ihn zurück in meine Reisetasche, zog den Reißverschluss zu und malte schwungvoll mit Kreide ein großes Kreuz darauf. Dann packte er meinen Rucksack, den er noch nicht geöffnet hatte und malte ebenfalls ein großes Kreidekreuz darauf. „Everything okay, Madam. Bye, bye, have a nice stay.“

Ich verabschiedete mich ebenfalls grinsend und suchte mir ein Hotel. Keine fünf Minuten waren das gewesen. Aber als ich anderen Rucksacklern davon erzählte, glaubte mir keiner. Wie ich das gemacht hätte, wollten sie wissen. Ich sagte nur, man muss eben die kleinen, feinen Winke verstehen...

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Doris E. M. Bulenda).
Der Beitrag wurde von Doris E. M. Bulenda auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Doris E. M. Bulenda als Lieblingsautorin markieren

Buch von Doris E. M. Bulenda:

cover

13 Gifts of Lady Santa von Doris E. M. Bulenda



Marcel Hillhat eine Handvoll der schrägsten Autoren versammelt, die für siffiges Lametta und vergammelten Christstollen zu bekommen waren, um gemeinsam herauszufinden, was Lady Santa, die uneheliche Tochter des Weihnachtsmannes,in ihrem Sack verbirgt...Ralf KorPECCATUM MORTIFERUMNici HopeDER KRANZCassandra SchwartzDIE LEGENDE VON POPPY POPWINKLEAzrael ap CwanderayALTER SACKDoris E. M. BulendaDER TRUTHAHN UND DIE SUPPEAlida GersondeJINGLE BALLSThomas TippnerDER WELTEN LOHNDavid HeineNUR DER SCHNEEMANN WAR ZEUGEJean RisesSATAN KLAUS – EIN WEIHNACHTSGEDICHTRachel RavenIM NAMEN DES VOLKESANGEKLAGT: DER WEIHNACHTSMANNNici HopeBLOCKHÜTTEMarkus KastenholzS – O – SMarcel HillDREIZEHN UND EINE

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Reiseberichte" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Doris E. M. Bulenda

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schimpansen im Zoo von Doris E. M. Bulenda (Tiergeschichten)
Pilgertour XI. von Rüdiger Nazar (Reiseberichte)
Der Türsteher von Goren Albahari (Krimi)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen