Gisela Segieth

Frühjahrsmüdigkeit beginnt im Winter


Bald ist es wieder soweit: Die Sonne glitzert auf den Wellen, es grünt am Deich, an den Ufern und an Land breitet sich wieder das Leben aus. Der Frühling weckt die Lebenslust - doch was ist mit den Menschen? 
Viele sehen aus, als könnten sie jeden Moment einschlafen, nicht wenige fühlen sich krank. Aber da winken Mediziner und Wissenschaftler ab, und die Arzthelferinnen müssen schmunzeln. Denn überall leiden jedes Jahr aufs Neue Menschen unter dem Frühling.
Was aber steckt hinter der Frühjahrsmüdigkeit?
Heiß erwartet ist die Jahreszeit mit Sonne, Wärme und neuem Lebensmut. Doch mehr als die Hälfte aller Menschen in unseren Breitengraden klagt über Schwindel, Wetterfühligkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. 
Zu den Symptomen können Wissenschaftler wie Mediziner zwar einiges darstellen, aber immer noch nicht alles erklären. 
Ernährungsmediziner setzen die Frühjahrsmüdigkeit mit einem Defizit an Vitaminen und Spurenelementen gleich, Hormonexperten reden von einer hormonellen Fehlregulation. Für Schlafforscher liegt die Ursache in der Zeitverschiebung zwischen Tageslicht und Dunkelheit, vergleichbar dem Jetlag bei Flugreisen in andere Zeitzonen. Und Verhaltensforscher erklären, dass der Mensch durch seinen Ursprung als Säugetier auch weiterhin wie Bären eine Winterruhe bräuchte. 
Doch was passiert eigentlich im Winter?
Mit Beginn der lichtarmen Jahreszeit fahren entsprechende Schaltergene den menschlichen Organismus auf Sparflamme. Damit sinkt die Körpertemperatur von durchschnittlich 37 auf ca. 36,7 Grad Celsius. Sie steigt erst wieder, wenn die Tage länger und wärmer werden. Der Nebeneffekt ist: Menschen frieren im Winter schneller und bleiben lieber in ihrer lichtarmen, warmen Wohnung. 
Doch nicht nur die Körpertemperatur verändert sich. Der Blutdruck steigt, weil sich Arterien und Kapillaren bei Kälte zusammenziehen. Erst wenn der Körper Wärme abgeben muss, stellen sich die Blutgefäße wieder weit und der Blutdruck sinkt. Zudem kommt es im Winter es zu einer Verdickung des Blutes, die den Cholesterinspiegel ansteigen lässt. Und nicht mal die Hormonsituation bleibt wie im Sommer. Denn das „Glückshormon“ Serotonin weicht dem „Schlafhormon“ Melatonin, weil es eine hohe Lichtkonzentration braucht, die es wegen kurzer Tage, schwächerer Sonne und wenig Zeit im Freien im Winter kaum erhält. Melatonin aber macht nicht nur müde; es führt auch zur Ernährungsumstellung. 
Statt ausreichend frisches Obst und Gemüse essen viele Menschen in Norddeutschland in der Winterzeit lieber Birnen, Bohnen und Speck, Grünkohl mit Pinkel oder Steckrübeneintopf. Und auch in allen anderen Landstrichen gibt es typische, schwer verdauliche und fette Wintergerichte Denn in den meisten Regionen wird häufig noch so gegessen wie man es von früher her kennt, aus Zeiten schwerer körperlicher Arbeit. Das heißt: Viel und fett! Heute fördern solche Mahlzeiten Frühjahrsmüdigkeit und Speckröllchen. Zusätzlich führt falsche Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Spurenelementen, was den Körper zusätzlich schwächt. Die Folge daraus ist häufig zu wenig Bewegung im Freien.
Fit für den Frühling aber wird man schon im Winter. Wenn man sich auch in der kalten Jahreszeit regelmäßig draußen bewegt und möglichst viel Tageslicht tankt. Denn das versorgt uns mit UVB-Strahlen. 
Über die Augen aufgenommen regen sie die Bildung von Serotonin im Gehirn an. Außerdem führen sie zur Vitamin-D-Bildung unter der Haut. Beides bringt den „Gute-Laune-Effekt“, regt die Bildung körpereigener Opiate an und erhöht das Serotonin. Zwar fördern UVB-Strahlen in zu hoher Dosis Hautkrebs, aber ein gesundes Pensum täglich ist wichtig, für die lebenswichtigen Funktionen unseres Körpers. Nach dem Leitspruch Paracelsus': „Die Dosis macht das Gift!“ Denn hinter verschlossenen Fenstern gibt es kaum Tageslicht.
In einem beleuchteten Zimmer finden sich nur ca. 500 Lux. Und das ist einfach zu wenig. Dagegen bringt es die Sonne im Sommer auf eine Lichtstärke von bis zu 100.000 Lux. Selbst an trüben Herbsttagen erreicht sie noch 1.500 Lux. Um den Winter möglichst gut zu überstehen, und der Frühjahrsmüdigkeit ein Schnippchen zu schlagen, sollte man deshalb nach einer der drei bestehenden Möglichkeiten greifen.
Die Effektivste davon ist tägliche Bewegung an frischer Luft. Sie schenkt Tageslicht, fördert die Sauerstoffaufnahme und bringt gute Laune. Macht man es unseren nördlichen Nachbarn nach, dann braucht man dafür eine gute Vollspektrumlampe mit einer Leistung von 10.000 Lux. Mit ihr gönnt man sich morgens jeden Tag vierzig Minuten Bestrahlung, um den Körper in Schwung zu bringen. Die Anwendung zu einer anderen Tageszeit ist weniger effektiv und kann abends sogar zu schlechterem Einschlafen führen. Bleibt noch die Lichttherapie in der ärztlichen Praxis. Diese zahlt man allerdings in den meisten Fällen selbst. 
Eine weitere Anregung gab uns Winston Churchill. Er sagte: „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Das stimmt, denn einige Lebensmittel wirken sich positiv auf die Stimmung aus. Diese bieten die Supermärkte um die Ecke in Form von frischem Obst und Gemüsen zu jeder Jahreszeit an.
Was aber macht man im Frühjahr? 
Im Frühling treiben Sonne und Wärme den Organismus auf Hochtouren. Er muss sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen und die Sünden des Winters überwinden. Deshalb leistet die Leber jetzt Schwerstarbeit, beim inneren Frühjahrsputz. Zuviel Melatonin ist auch noch vom Winter im Körper, gegen das sich das Serotonin durchsetzen muss. Beides kostet Kraft. Gleichzeitig spielt die Durchblutung bei den laufenden Wetterwechseln verrückt. Es folgen Schwindelattacken und Kreislaufprobleme. Der Körper braucht unsere Hilfe! 
Schenken Sie ihm nun viel Geduld und regelmäßigen Schlaf. Zusätzlich braucht er eine vitalstoffreiche Ernährung, ohne Genussmittel. Anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit täglich unterstützen Stoffwechsel und Kreislauf. Wer viel schwitzt, oder einer körperlich anstrengenden Arbeit nachgeht, braucht allerdings mehr. Am besten sind Mineralwasser oder ungezuckerter Tee, sowie frische Frucht- und Gemüsesäfte. Gleich morgens im Bett ein Glas Wasser genossen macht munter und bringt schneller auf Touren. 
Fünf Minuten Gymnastik am offenen Fenster wirken in der Frühe wahre Wunder, Kneippgüsse beleben zusätzlich. Täglicher Ausdauersport rundet das Bild ab. Wie wäre es damit am Mühlendeich aufs Fahrrad zu steigen? Oder einfach mal raus ins Sonnensystem. Auf dem sechs Kilometer langen Planetenlehrpfad am Elbdeich sind im Maßstab von eins zu einer Million die Sonne und die sie umgebenden neun Planeten nachgebildet. Die Sonnenbrille sollte man allerdings zu Hause lassen, denn die Augen brauchen das direkte Tageslicht. Bunte Kleidung und flotte Musik verscheuchen die Wintergeister. Und mit ihnen die Frühjahrsmüdigkeit. 
Sollte es dennoch massive Probleme geben, oder hält die Frühjahrsmüdigkeit länger als drei bis vier Wochen an, dann ist der Arzt oder Heilpraktiker gefragt. Denn dann könnten Sie wirklich krank sein. 

© Text und Bild:  Gisela Segieth

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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