Katja Baumgärtner

Das Grab

EINE KINDERHORRORGESCHICHTE


Das Grab

 

 

Es war gerade Mittag. Ich kam schlecht gelaunt von der Schule, weil ich mit meiner Religionsnote nicht zufrieden war. Nachdem ich längere Zeit telefoniert hatte, ging ich in den Garten, wo meine Mutter arbeitete. Sie rechte die Blätter vom Erdbeerbeet zusammen. Das war sehr anstrengend für sie, denn ihr Rücken tat weh.

Der Winter war zu Ende. Krokusse und Schneeglöckchen blühten im Garten.Vögel kehrten gerade aus dem Süden in ihre Heimat zurück.

Auf der Terrasse sah ich von weitem eine Katze. Sie war nicht unbedingt schlank. Da ich keine Lust hatte, meiner Mutter zu helfen, und ich mich ärgerte, näherte ich mich wütend der Katze, die aufgepustert vor einem Mauseloch hockte.

Ich machte zwei große Schritte und wollte die Katze fortjagen. Es knisterte. Die Katze griff mit ihren Tatzen gierig in das Mauseloch und wühlte. Vermutlich wollte sie ihre gefundene Beute auf keinen Fall verlieren. Sie war sehr hastig in ihren Bewegungen . Als sie sich aufrichtete, erkannte ich, dass sie schwanger war. Sie bekam bald ihre Jungen. Ich ließ sie deswegen in Ruhe. Sie fauchte mich dann noch an, als ich ihr zum Spaß zu miaute.

Ich hätte ihr gerne Milch zu Trinken gegeben, machte es aber nicht, weil die Katze immer wieder kommen würde. Wenig später sah ich die Katze wieder. Sie war tot. Ihre Kinder musste sie zur Welt gebracht haben. Etwas entfernt von ihr lag eines ihrer Jungen. Es war cirka zwei Tage alt und war sehr mitgenommen aus. Die anderen Jungen sind vermutlich gefressen worden. Es waren lediglich nur noch Blutspuren zusehen. Die junge Katze war nicht wie die Mutter eine normale Hauskatze, sondern sie war eine Art Perserkatze, was ich sehr seltsam fand. Sie war hilflos und weinte. Vermutlich hatte sie großen Hunger.

Ich nahm das Katzenbaby mit nach Hause und gab ihr etwas Milch. Einen Tag später war es gestorben. Meine Hilfe, das Junge am Leben zu halten, war zu spät gekommen.

Ich nahm die Bettdecke von meiner Puppe Susi und deckte die kleine Katze zu. Sie schlief sanft.

Ich begrub die kleine Katze und legte Krokusse und Schneeglöckchen auf ihr Grab. Warum die Mutter gestorben war, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich hatte den Leichnam damals liegen gelassen. Später war er spurlos verschwunden.

Nach einigen Jahren erinnerte ich mich wieder an das Kätzchen. Ich ging an die Stelle, wo ich es beerdige hatte. Es wuchsen auf dem Grab nun Krokusse und Schneeglöckchen anderer Art.

Nicht weit vom Grab saß eine Katze an der Stelle, wo ich seinerseits die schwangere Katze entdeckt hatte. Die Katze war nicht unbedingt schlank. Sie saß vor einem Mauseloch, war aufgepustert und lauerte auf eine Maus.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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