Sonja Soller

Gefangen in Stawropol 10 u. 11.

Eine etwas andere Liebeesgeschichte

Alexander und Franziska

Von Batumi nach Trapzon (Türkei)

 

Batumi, nicht nur schöner Strand und Badefreuden. Nein, Batumi ist das Las Vegas des Ostens.

Das Glücksspiel ist in der Türkei und in den meisten muslimischen Ländern verboten, so ist Batumi zum Mekka für Glücksspieler geworden, eine aufblühende Stadt. Das Glücksspiel hat Batumi Glück gebracht. Einige Spieler sehen das wahrscheinlich ganz anders.

Franziska und Alex genossen in vollen Zügen das Bad im Schwarzen Meer, zusammen sich so ausgelassen zugeben war die reinste Wonne. Das blaue Wasser, Berge im Hintergrund, einfach herrlich, die Sonne fantastisch, sie fühlten sich leicht und unbeschwert; keine Flucht, keine Gefahr, alles einfach wunderbar. So richtig wollte keiner von beiden aus dem Wasser, es war einfach zu herrlich. Alex tippte auf seine Uhr, Franzi nickte , sie schwammen ans Ufer, um sich noch einen Moment von der Sonne bescheinen zulassen.

Sie sahen sich tief in die Augen, „Bald haben wir es endgültig geschafft,“ Alex küsste Franzi auf die Nase, „du siehst aus wie eine panierte Meerjungfrau, Alexander sah Franzi verliebt an, „komm du kleine Nixe, ich möchte dir den Sand von deinen Schuppen putzen.“ Alexander nahm Franzi an die Hand, „ lass uns zu unseren Anzügen gehen, dort hinter den Sträuchern kann uns niemand beobachten.“..............

An der Bushaltestelle angekommen schlängelten sie sich im Bus durch den Mittelgang und setzten sich ganz nach hinten (unsichtbar), in die äußerste Ecke. Bis Trabzon waren es ca. 175 km, ungefähr 4 Std. Fahrt. Dann könnte man vielleicht etwas schlafen. Baden macht müde.

Franziska rüttelte Alex wach, „wir sind da, wir sind in Trapzon, wir haben die ganze Fahrt verschlafen, jetzt aber raus.“

Die meisten Passagiere waren bereits ausgestiegen. Sie streckten sich erst mal nach dem Schlaf und der langen Busfahrt. „Wollen wir gleich den Flughafen ansteuern oder erst eine Tour durch Trapzon machen?“ Alexander war am Überlegen, „es ist ja nicht meine Art, aber wir könnten noch einmal unsichtbar „einkaufen“ gehen.

Etwas passendes zum Anziehen, dann könnten wir hier wirklich etwas länger bleiben, teilweise auch ohne Tarnung.“ „Alex, du bist ein Schatz, du bist mein Held,“ Franziska war ganz euphorisch , sie tänzelte um Alexander herum, sie wusste gar nicht wohin vor Freude, „ich würde sagen, lass uns einkaufen gehen.“ „ Einfache und zweckmäßige Kleidung, nichts auffälliges, dass ist dir klar Franzi?“ Alexander sah Franziska fragend an.

Ok, ist sowieso zu warm um sich aufzubrezeln.“

Sie waren total angetan von Trapzon, teilweise so ursprünglich und dann wieder der mit Hochhäusern, Hotels und den vielen Cafe's moderne Teil der Stadt.

In einem Laden fanden sie Hosen und Kaftan, Sandalen, mehr war nicht nötig. Alexander schob unbemerkt einige Rubel, beim Hinausgehen unter die Kasse. Ohne zu bezahlen wollte er den Laden nicht verlassen. „Wir suchen uns einen Platz, wo wir wieder Mensch werden können (da hatten sie ja schon Übung drin), und dann stürzen wir uns ins Abenteuer Trapzon“. „Die Rubel, die wir dabei haben, müssten wir allerdings erst umtauschen. Eine Wechselstube wird es hier bestimmt geben.“

An der Bushaltestelle lief so ein Typ rum, ich glaube der tauscht Geld,“ Franziska war schon auf dem Weg, sie hatte den kleinen Rucksack von ihrem Tarnanzug abgeknöpft und hing ihn sich vorsichtig über die Schulter, unter anderem waren dort die „Souvenirs“ aus Armawir verstaut. Tatsächlich lief an der Bushaltestelle immer noch der Mensch mit der großen Geldtasche herum. „Ob der gerecht umtauscht?“ 1 Rubel sind ca. 0,10 türk. Lira, da werden unsere Taschen wieder so richtig voll. Mit den ganzen Währungen komme ich nicht klar,“ Franziska sah etwas ratlos aus. Da Alexander die Börse schon in der Hand hatte, machte er den Umtausch. Er bekam 5.000 türk. Lira. „Das müsste reichen, da können wir uns eine schöne Zeit in Trapzon machen, ein oder zwei Übernachtungen wären auch drin.“ Alexander war mit dem Umtausch zufrieden.
Dieses ungute Gefühl, das ihn auf der Flucht begleitet hatte, war einem befreiten, glücklichem Gefühl gewichen.

So, nun haben wir genügend Lira in der Tasche und können die Stadt am Fuße des Bosporus ausgiebig erkunden............"

Fortsetung folgt...............


11.

Franziska und Alexander
Die Heimat ist ganz nah

Alex und Franzi schlenderten ohne Ziel am Strand entlang. Befreit von aller Last der Flucht konnten sie unbeschwert ihren Aufenthalt in der Hafenstadt Trapzon genießen.

Die Landschaft war malerisch anzuschauen und die bunten Fischerboote, die am Strand darauf warteten aufs Meer hinauszufahren. Trapzon war unter anderem auch bekannt als alte Fischerstadt. Im Hafen lag ein Fischtrawler vor Anker, der sicher gerade von einer Fahrt zurück kam, geschäftig wurden Holzkisten, vollgepackt mit Fisch ausgeladen.

Wollen wir uns einen kleinen Wagen mieten, dann können wir uns die Gegend um Trapzon herum auch anschauen.“ Franziska würde gerne eine Haselnussplantage besuchen, sie hatte davon gehört, dass die Türkei der größte Haselnussexporteur der Welt ist. Das Felskloster Sumela würde sie auch gerne sehen. Trapzon hatte einige interessante Sehenswürdigkeiten, die es lohnte sich anzuschauen.

Gesagt, getan. Alexander nahm hier ausnahmsweise das Steuer in die Hand. sie fuhren etwas außerhalb von Trapzon, in die Region um Cumayeri. Soweit das Auge reichte, Haselnüsse, riesige Felder Haselnüsse. Jetzt war Alex neugierig geworden, „wenn wir jetzt einen Bauern finden würden, der uns ein bisschen von seiner Arbeit zeigen könnte, das wäre das Tüpfelchen auf dem I.“

Wie gut ist denn dein Türkisch?“ „Genauso gut wie mein Russisch,“ Alex zeigte mit Händen und Füßen.

Na, super, aber du hast Recht, mich interessiert das auch,“ Franziska hielt Ausschau. Dort hinten ging ein Plantagenarbeiter durch die Nussbaumreihen.

Es hatte dann doch etwas länger gedauert bis der Bauer verstand was die beiden wollten. Er gab ihnen zu verstehen ihm zu folgen. Vor Ihnen tauchte eine Erntemaschine, ähnlich wie ein Maishäcksler, auf, bloß das die Maschine mit einem Saugrohr verbunden war und die losen, auf dem Boden liegenden Haselnüsse (Massen) aufsaugte, die noch anhaftenden Blätter flogen durch die Luft und die Nüsse in Jutesäcke. Es duftete herrlich nussig – erdig. In der Saison wurden ganze Familien als Lohnarbeiter eingestellt, um die Tonnen von Nüssen, die an den Ästen hingen, von den Bäumen zu pflücken.

Sie schlugen dann am Rande der Felder ihr Zeltlager auf, wohnten quasi auf den Feldern. „Wenn die Saison dann vorbei ist, gehen sie wieder zurück in ihren Heimatort.“

Franzi atmete tief ein. Es war ein reines Vergnügen hier zuzuschauen. Nach der Ernte wurden die Nüsse in Kisten an einem trockenen Ort gelagert. Der Bauer lud die beiden ein  doch mit auf den Hof zukommen. Sie ließen sich nicht zweimal bitten. Obwohl sie Fremde wahren wurden sie herzlich begrüßt und zu einem Imbiss eingeladen. Franziska und Alexander waren überwältigt von dieser Gastfreundschaft. Zum Abschied bekamen sie noch einen kleinen Beutel Haselnüsse mit auf den Weg.

Es wurde sich in den Arm genommen; noch einmal winken und jeder ging wieder seiner Wege.

 

Noch ganz beeindruckt von dem Erlebten, gingen sie zurück zu ihrem Fahrzeug.

Wow, das war ein sehr schönes Erlebnis,“ Franzi nahm Alex in den Arm, „ohne dich hätte ich das alles nicht erleben und sehen können, eigentlich müsste ich dir dankbar dafür sein, wenn man von dem Gefangenenlager absieht war die Reise nach Stawropol ein einziges, tolles Abenteuer, so etwas werden wir sicher nicht noch einmal erleben.“

An ihrem Wagen angekommen, fuhren sie immer noch beeindruckt von allem, eine ganze Weile schweigend dicht beieinander sitzend durch diese atemberaubende Landschaft.

Für heute haben wir glaube ich genug gesehen,“ unterbrach Alex das Schweigen, wir suchen uns ein kleines Hotel, wo wir auch etwas zu Abend essen können und eine schöne Flasche Wein dazu, was hältst du davon, Franz?“ „Das ist eine sehr gute Idee, da bin ich dabei.“

Das Abendessen war köstlich. Jeder ein Türkisches Fleischröllchen und Türkische Hackbällchen in Joghurtsoße, dazu Türkischen Tee „Den Wein nehmen wir mit aufs Zimmer.“

Im Hotelzimmer waren sie sehr wortkarg. Franziska schenkte den Wein ein, „ gern würde ich mir noch mehr Sehenswürdigkeiten ansehen, aber ich habe auf einmal solch ein Heimweh bekommen, lass uns morgen zum Flughafen fahren und die Tickets buchen, wir waren jetzt lang genug von zuhause fort.“ „Danke Franzi, genau diesen Gedanken hatte ich auch. Morgen geht es ab in die Heimat.“

 

Am nächsten Tag haben sie ausgecheckt, die Tarnanzüge hatten sie auf dem Zimmer gelassen. Ob die jemals gefunden werden? Mit einem Taxi haben sie sich auf dem kürzesten Weg zum Flughafen fahren lassen. Haben Tickets für den nächsten Flug nach Nürnberg gebucht; sie hatten Glück, in 90 Min. sollte ein Direktflug starten.

Hand in Hand gingen sie zum Gate, die Heimat war zum Greifen nah.

In Stadtprozelten wartete außerdem noch ein leckres Abendessen auf Alexander..........

Ende

Gemeinschaftswerk: Sonja Soller/Mark Widmaier
08.02.2020

 

 

 

 

 

 

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