Hartmut Wagner

Urinieren strengstens verboten

So gegen 20 Uhr 30 verweste ein grauer Nebeltag des Novembers 2019 auf dem Parkplatz des Lidl-Supermarktes an der Schwerter Schützenstraße in trüber Finsternis.

Ödipus Lustig verstaute gerade umständlich einen großen Pappkarton gefüllt mit softem Lokuspapier, Freeway-Cola ohne Zucker, Tampons mittel, Biobananen, Schaumküssen, Schokolade- Rittersport-Marzipan, quadratisch, praktisch, gut, Strauchtomaten, Karotten, zwei Feinrippunterhosen mit Eingriff, ein Geburtstagsgeschenk für seinen Ex-Chef, und sonstigen unverzichtbaren Gebrauchsartikeln im Kofferraum seines 25 Jahre alten Mercedes C 180.

Lustig war ein ehemaliger Studienrat sowohl an kaufmännischen wie gewerblichen Berufsschulen und der Gefängnisschule für jugendliche Straftäter in der Jugendstrafanstalt Iserlohn-Drüpplingsen, jetzt 75jähriger Pensionär mit einer recht auskömmlichen Pension, für die er der Bundesrepublik Deutschland und ihren Politiker(inne)n sehr dankbar war, auch für den beinahe schon ewigen Frieden in West- und Mitteleuropa seit 1945. Vor allem aber gefiel Ödipus die politische Nachkriegserfindung der Europäischen Union, dieses äußerst erfolg- und zukunftsreichen Staatenbundes auf dem Weg zum einheitlichen, demokratischen Föderalstaat mit einer einzigen Sprache und nur einer Hauptstadt, und all das errichtet auf den ethisch-zivilisatorischen Fundamenten des Okzidents, der griechisch-römischen klassischen Kultur, Wissenschaft, Kunst, Philosophie und der Basis der goldenen Zeitalter der Renaissance, der Aufklärung als dem Weg aus der selbstverschuldeten Abhängigkeit des Menschen und der demokratischen Revolution in Frankreich.

Nun, im Augenblick gilt es in Deutschland als trendig, Politiker, ob auf Kommunal-, Landes-, Bundes- oder Europaebene pauschal als unfähige Pöstchenjäger und opportunistische Phrasendrechsler zu verleumden. Sehr gefährlich für die Demokratie und Wasser auf die Mühlen der AFD-Nazis und aller anderen mehr oder weniger verwirrter brauner Popelisten! Körperliche Angriffe auf Politiker gehören fast schon zum gesellschaftlichen Alltag. Noch der letzte versoffene politische Stammtischanalphabet bildet sich ein, er kann Politik besser als unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel.

Lehrer Lustig schätzt sie, obwohl er sie noch nie gewählt hat. Das eigene linke Denken, Handeln, Fühlen und so! Sie ist bescheiden, sachlich, lernfähig, unbestechlich, intelligent und kein bisschen pompös. Und wirklich, sie erinnert ihn an Mutti, seine eigene!

Als Ödipus den Kofferraumdeckel schwungvoll zuklappte und in die traurige Novemberfinsternis blickte, musste er obendrein an den eitlen Sauerländer CDU-Besserwisser Friedrich Merz denken. Das war unbedingt zu viel. Eine schwere Depression drohte. Aber wie herbei gezaubert fiel ihm unmittelbar danach ein französisches Gedicht ein, das er morgens beim Frühstücken auswendig gelernt hatte, ein wunderbares Renaissancexemplar, voller Poesie und Melancholie, genau das richtige Gegenmittel gegen Merzschmerz:

 

La Rose

von

Friedrich Merz - Ach Quatsch, Mann! - natürlich

de Pierre de Ronsard

 

Mignonne, allons voir, si la rose,

qui ce matin avoit desclose

sa robe pourpre au soleil.

A point perdu ceste vesprée,

les plis de sa robe pourprée

et son teint au vostre pareil.

 

Die Rose

von

Pierre de Ronsard

 

Geliebte, lass uns gehen, um zu sehen, ob die Rose,

die ihr Purpurgewand an diesem Morgen der Sonne geöffnet hat,

schon an diesem Abend

die Falten ihres königlichen Kleides verlor

und seine Farbe,

die der deinen gleicht. 

( Übersetzung: Hartmut Wagner )

 

Und! Was war denn das? Da, seine eigene kritische, poetische Vision von Europa bewegte auf einmal das Herz des Pädagogen. Sie würde irgendwann sicherlich als Text der Hymne des multikulturellen, aufgeklärten und religionsfreien Europas gelten:

 

Europa Trilogia

von Ödipus Lustig

I.Europa Barbaria

II.Europa Präsenzia

III.Europa Utopia


 

I. Europa Barbaria

Rächerjuristen verurteilten schon Sokrates zum Tode,

später Giordano Bruno und viele andere Opfer der Barbarenmode.

Auch Blutrichter Hans Filbinger liebte diese Schlachtmethode.

In Norwegen ganz kurz nach dem deutschen Hitlerkrieg

ließ der Nazi Matrosen erschießen für den braunen Sieg,

bevor er zum CDU-Ministerpräsidenten aufstieg.


 

Tausende Hexen verbrannten auf europäischen Scheiterhaufen höchst brutal.

Wegen roter Haare oder Unzucht mit dem Teufel! Oh, grausame Qual!

Mit kirchlichem Segen schnitt man den Frauen die Zunge aus dem Mund,

zerschlug ihnen die Knochen, peitschte ihre Rücken wund.

Um die Elenden tobte gesundes Volksempfinden,

dazu rauschten romantisch europäische Linden.


 

In Europa verfolgten Inquisitoren Ketzer mit großem Eifer,

von den Lippen frommer Sadisten tropfte stinkender Geifer!

Gestehe Gottlosigkeit! Lästermaul, elendes Ketzerschwein!

Oder ich breche dir auch noch das rechte Bein.

Es gibt nur einen allein selig machenden Glauben,

meinen eigenen, und den verkündeten den Aposteln weiße Tauben!“


 

Europäer gestatteten einst keinem das Anderssein,

pressten Abweichler dreist in Schablonen hinein:

Ja, abendländisch, blond und blauäugig, Christ, Faschist!

Aber Schwarzer, Fremder, Frau, Schwuler, gar Jude, Atheist!?


 

Europäer eroberten die dritte Welt mit Pulver und Schwert.

Indios und Kanaken nur als Sklaven von Wert!

Geld und Vieh haben europäische Räuber verehrt!

Engländer, Franzosen, Spanier, Deutsche, Holländer, Belgier, alle Kolonialisten,

schrieben Gold, Untermenschen und Edelholz auf ihre Einkaufslisten,

hissten ihre Flaggen in Afrikas Dörfern und auf Wüstenpisten.


 

Sklavenhändler jagten schwarze Menschen durch afrikanische Wälder,

verfrachteten sie in Käfigschiffen auf amerikanische Felder.

Dort schlugen Aufseher die „Nigger“ ohne Mitleid fast tot,

zu Essen bekamen sie meist nur verschimmeltes Brot.

Auf Märkten verkauften Sklavenhalter Kinder, Frauen und Männer,

Herr über Leben und Tod noch die letzten weißen Penner.


 

Schwarze können kein so kluges Gehirn wie Weiße haben

und dürfen sich nicht an Speisen ihrer Herren laben.

Schon diese Kohlenhaut! Wie eklig und hässlich!

Die Europäerfarbe so adelig blässlich!

Die Neger ähneln Gorillas mit ihren äffischen Schädeln

deswegen haltet sie fern von unsern hübschesten Mädeln.


 

Europäer gestatteten einst keinem das Anderssein,

pressten Abweichler dreist in Schablonen hinein:

Ja, abendländisch, blond und blauäugig, Christ, Faschist!

Aber Schwarzer, Fremder, Frau, Schwuler, gar Jude, Atheist!?


 

Europas Juden, finstere Kapitel mit Pogromen geschrieben,

werden wir nie und niemals lieben.

Sie ermordeten unsere Kinder mit tödlichen Hieben.

Kapitalisten und Kommunisten, so kennt man sie,

dreckiges, mauschelndes, entartetes Vieh.

Doch unseren Verfolgungen entkamen sie nie.


 

Sechs Millionen verreckten in deutschen Nazi-Lagern im Gas.

Das machte der deutschen Mehrheit sehr viel Spaß.

In dreckige Ghettos sperrten deutsche Soldaten und Polizisten sie ein.

Dort putzten jüdische Frauen mit ihren Schlüpfern Bürgersteige rein.

Diese Schikane dachten sich deutsche Familienväter aus.

Danach kehrten sie glücklich zurück nach Haus.


 

Nachdem die Alliierten endlich genug Nazis tot geschlagen hatten,

traten die übrig gebliebenen schon bald aus dem Schatten.

Alle waren als tapfere Widerständler knapp Nazihäschern entkommen,

hatten Juden versteckt, ja, russische Gefangene freundlich aufgenommen.

Millionen halb verhungerter Fremdarbeiter hatten sie Brot zugesteckt,

und sie im Winter mit wahrer Liebe und warmen Bärenfellen bedeckt.


 

Europäer gestatteten einst keinem das Anderssein,

pressten Abweichler dreist in Schablonen hinein:

Ja, abendländisch, blond und blauäugig, Christ, Faschist!

Aber Schwarzer, Fremder, Frau, Schwuler, gar Jude, Atheist!?


 

Auch heute noch leben Juden in Europa in steter Gefahr,

Attentate auf Synagogen, Kippaträger, jüdische Geschäfte jedes Jahr!

Durch Moslemkiller und Neonazis! Fast so schlimm, wie es schon vorher war.

Die EU jedoch zahlt Milliarden an Hamasmörder und die Judenfeinde der PLO.

Angeblich für Palästinas Infrastruktur! Macht dadurch die Waffenkäufer froh.

Die einzige Demokratie Israel in Nahost vernichten!? Das geht wirklich so.


 

II.Europa Präsenzia

Einen schweren Irrtum über Europa sollten wir beachten,

es ausschließlich als Riesenökonomie zu betrachten.

Diese Sichtweise ist falsch und zu verachten.

Europa umfasst mehr als Börsen und Banken.

Die halten Milliardäre fest in den Pranken.

Doch Menschenrechte und -würde dürfen niemals wanken.


 

Die Flüchtlingsflut ist seit 2015 in aller Munde.

Da bleibt ja nichts mehr für unsere Hunde!

Diese Massen fressen uns die Haare vom Kopf“,

lamentiert vor sich hin gar mancher Tropf.

Flüchtlinge strömten einst nach Restdeutschland, ca. 12 Millionen.

In dem Ruinenland konnten die alle noch wohnen.


 

2015 kommen 890000, 2016 200000 Verfolgte zu stinkreichen deutschen Menschen.

Schon bald müssen die Ausländer ihre Hoffnungen dämpfen.

Polen und Ungarn bieten keinem einzigen Flüchtling ein Notasyl.

Vielen Europäern fehlt für die Heimatlosen jegliches Mitgefühl.

Sie lassen Erniedrigte und Beleidigte lieber im Mittelmeer ersaufen,

denn für Hilfekosten können satte Bürger keine Anzüge kaufen.


 

2017, Europa? Alltag! Brexit, Kapitalismus und Not!

Doch keine Todesstrafe, Rechtsstaat, Frieden und Brot!

Trotz der Antidemokraten in Ungarn und Polen!

Europa ist stark und wird sich erholen.


 

Im Süden Europas darben jede Menge Arbeitslose.

Jeden Tag eine Sardine und ein Bier aus der Dose.

Den ganzen Monat ein und die selbe Hose.

Im Norden ist Shopping der allerliebste Sport,

Warenberge im Kleiderschrank und an fast jedem Ort.

So gedeihen Spaßgesellschaft und Wachstum fort und fort.


 

Wie soll man die Arbeitslosen beschäftigen? Ja, wie denn nur!?

Von Taten und Einsicht keinerlei Spur!

Eigentlich wäre es relativ einfach, genug Arbeit zu schaffen.

Dafür verfügen wir über einige wirtschaftliche Waffen:

Arbeitszeit kürzen, Löhne erhöhen.

Dann widersteht der Aufschwung den stürmischsten Böen.


 

Doch leider mögen europäische Raffkes diese schönen Pläne nicht.

Von Gleichmacherei und Kommunismus faselt jeder unbedarfte Wicht.

Wo bleiben Konkurrenz, freier Markt, die Freiheit, Unternehmertum, Fleiß?

Verschont uns bitte vor dirigistischem politischen Scheiß.

Europa, das heißt Wirtschaft, Ökonomie, und Handel,

Nur so schaffen wir, auch wenn es weh tut, den Wandel.


 

2017, Europa? Alltag! Brexit, Kapitalismus und Not!

Doch keine Todesstrafe, Rechtsstaat, Frieden und Brot!

Trotz der Antidemokraten in Ungarn und Polen,

Europa ist stark und wird sich erholen.


 

In Europa haben manche eine Wohnung, eine obendrein für freie Zeit,

andere Protzpaläste für sich selber und ein Haus für die Zeit zu Zweit.

Wem das zu viel ist nur für einen, ach, den treibt der schiere Neid.

Doch noch viel mehr Europäer suchen krampfhaft eine Bleibe,

eine Bruchbude als Heimat, Schulden auf dem kranken Leibe.

Meine Herren, das ist Wirtschaft und die Erde eine Scheibe!


 

Steuerverbrecher Hoeneß ist schon wieder hoch oben.

Bayrische Dummbeutel haben ihn dorthin gehoben.

Er schwingt fröhlich seinen Präsidentenstab,

für den FC Bayern München bis ans kühle Grab.

Die EU hatte Sultan Erdogan für Milliarden Euro sehr lieb,

weil aus diesem Grund jeder Flüchtling in Anatolien blieb.


 

Die Deutsche Bank, VW, Audi und Porsche,

alle Betrugsfirmen, und zwar ganz forsche.

Sie bestahlen ihre Kunden und verpesteten die Welt

raffgierig und dreist für einen Haufen Geld.

Angela Merkel ließ die Zügel viel zu lange schleifen:

Sägen wir sie endlich ab, samt ihren krummen Pfeifen!


 

2017, Europa? Alltag! Brexit, Kapitalismus und Not!

Doch keine Todesstrafe, Rechtsstaat, Frieden und Brot!

Trotz der Antidemokraten in Ungarn und Polen,

Europa ist stark und wird sich erholen.


 

Die EU, eine durchwachsene, sehr gemischte Bilanz!

Demokratie und Werte oft weit hinten am Schwanz!

Hell und Dunkel verklammert im hassliebigen Tanz!

Doch wir, wir geben niemals Kampf und Hoffnungen auf.

Nehmen Hin und Her, jeden Leerlauf geduldig in Kauf.

Humanismus als Basis und Europa bald mitten darauf!


 


 

III. Europa Utopia

Was fällt uns zur Zukunft Europas ein?

Die Idee so groß! Es soll was sein,

ein Leuchtturm, ein politischer Edelstein!

Deutsche Nazis haben einst die halbe Welt in Trümmer geschlagen.

Wie wollen wir weiter leben? So viele Fragen!

Doch einige Menschen wissen etwas darüber zu sagen:


 

Eine Utopie muss her! Europa gehört allen!

Kein Rassismus, Faschismus! Sie müssen fallen.

Toleranz, Humanismus, Solidarität

machen unser Dasein lebenswert.

Keine Grenzen für Freiheit und Demokratie!“

So viel Hoffnung, Vertrauen gab es noch nie.


 

Eine Sprache, eine Hauptstadt, viele Regionen!

Starke Einheit in der Vielfalt für Millionen!

Niemals wieder Krieg und Zerstörungswut!

Stattdessen Gelassenheit, Klugheit und Mut!

Frieden, Vernunft und Gerechtigkeit,

Bildung und Wissen, sie bringen uns weit.


 

Europa lebt. Es glänzt, strahlt, tanzt und singt,

bis es endlich Not, Leid, Angst und Krankheit bezwingt.

Europa, du wirst nie und niemals sterben,

bist ewig, weil dich Demokraten erben!


 

Sokrates', Platons, Aristoteles' Lichtgedanken,

logisches Denken ohne Schranken!

Dafür sollten wir Europäer danken,

mit Augenmaß Staat und Gesellschaft schaffen,

und Freiheit und Chancengleichheit, ganz ohne Waffen,

Kapitalisten, Milliardäre und fanatische Pfaffen.


 

Spielen, lernen, essen, kein Kind kennt Not,

auf jedem Tisch liegt mehr als trockenes Brot.

Weil du arm bist, musst du nicht mehr früher sterben.

Gleichberechtigt leben Frauen, Männer, Kroaten und Serben.

Jeder hat die gleichen Chancen und das Recht auf Glück,

jeder kann sich selbst verwirklichen, Stück um Stück.


 

Wir wohnen in Paris, London, Madrid, Rom, Berlin oder auf Rügen,

in Mehr- und Einfamilienhäusern, die über Bäder und Einbauküchen verfügen,

arbeiten dort oder sonst wo in einem Beruf, der uns gefällt,

reisen nach Mallorca oder Sylt grenzenlos durch die europäische Welt.

Mürrische Grenzbeamten, lange Warteschlangen vor Eisenschlagbäumen?

Niemals und nein! Sonne, blaue Luft, Meere leuchten in Sommerträumen.

´

Europa lebt. Es glänzt, strahlt, tanzt und singt,

bis es endlich Not, Leid, Angst und Krankheit bezwingt.

Europa, du wirst nie und niemals sterben,

bist ewig, weil dich Demokraten erben!


 

Götzen, veraltete Traditionen, abergläubischer Müll, Bürokraten?

Nein! Lebensfreude, Mitgefühl, Ich-Stärke, Kraft! Ja! Sie tragen unsere Taten.

Wissenschaft, Wissbegier, überall, bis hinein in die wilden Karpaten!

Jeden Tag heiraten Männer Frauen, Frauen ihrerseits Männer, klar,

in Europa auch Frauen Frauen, Männer Männer, was nicht immer so war.

Sexuelle Bevormundung, Doppelmoral!? Dagegen kämpft eine zahlreiche Schar.


 

Preise zu vergleichen hilft uns der Euro in allen europäischen Ecken,

beim Einkaufen ohne nervigen Geldtausch, wo immer wir stecken.

Wir essen italienische Pizza, trinken griechischen Ouzo, jugoslawischen Sliwowitz,

manchmal auch Sahnekaffee mit Zucker in Gütersloh bei Onkel Fritz.

Wir besuchen oft Partnerfamilien, -betriebe und -schulen in Hastings und Amiens.

In Amsterdam übernachten wir manchmal im Apartment der Freunde Antje und Jan.


 

Nationalismus- und Militarismusbretter fegt frischer Europawind von den Stirnen,

sorgt für politischen Schwung, Weltoffenheit, Solidarität in europäischen Hirnen!

Athen und Rom, Demokratie, Renaissance, Sozialismus, französische Revolution,

Sieg über die Nazimörder, europäischer Neubeginn war der Lohn.

Alles auf Anfang! Tausend Jahre Muff, alles weg aus Köpfen und unter Talaren!

Mitmenschlichkeit, Humanismus, Vernunft und Europa jubeln Fanfaren!


 

Europa lebt. Es glänzt, strahlt, tanzt und singt,

bis es endlich Not, Leid, Angst und Krankheit bezwingt.

Europa, du wirst nie und niemals sterben,

bist ewig, weil dich Demokraten erben!


 

Thales, Pythagoras, Anaximander, Sokrates, Herodot, Thukydides,

Geh mir bitte aus der Sonne, großer Alexander!“, sprach Diogenes,

Zerstöre meine Kreise nicht, Soldat!“, mit letzten Worten Archimedes.

Leonardo, Mona Lisa, Dürer, Ritter, Tod und Teufel, ließen Herzen und  Seelen beben.

Und sie bewegt sich doch!“ widersprach dem Papst Galileis stetes Streben!

Albert Schweitzer schließlich fand Europas Motto: „Ehrfurcht vor dem Leben!“

 

Nachdem diese poetischen Lichtstrahlen die vom Wetter und Gedanken Lustigs an Herrn Merz noch verdichtete Finsternis blitzartig erhellt hatte, hätte fast ein Urinstrahl die schicken,knallroten UOMO-Boxershorts des Pensionärs befeuchtet. Aber Ödipus bekam gerade noch die Kurve und mittels umständlichen Genestels sein bestes Teil aus der Hose, bevor ein dicker Strullstrahl in die freie Natur zischte, genauer gesagt auf einen wässrig-nassen Laubhaufen. Den hatten die Novemberstürme unter einem blätterlosen Bäumchen zusammen gefegt, das vor dem Grenzzaun des Parkplatzes zu einer Nebenstraße wuchs.

Auf deren Bürgersteig unmittelbar neben der Drahtbefestigung kam plötzlich ein großer, schlanker, junger Mann elastischen Ganges rasch daher geschritten. Der Jungschlanke war wohl auf dem Weg in die nahe gelegene griechische Imbissbude mit dem Namen: „Aphrodites Götterspeisen“, um sich dort eine kalte oder warme griechische Vorspeise, einen Taxi- bzw. Ottoteller,vielleicht auch ein mit Quark gefülltes Hack-Bifteki samt ein wenig Tarama plus Zaziki zum Mitnehmen zu kaufen oder er beabsichtigte, in der nahe gelegenen Kneipe „Sanders Schützenhof“ ein paar Flaschen Erdinger Weißbier für einen gemütlichen Abend vor der Glotze zu erwerben.Der Jungspund rief Ödipus laut zu: „Hier ist pinkeln strengstens verboten!“

Darauf bellte der Ex-Pädagoge: „Ach was! Ich sehe hier jedenfalls kein Schild, auf dem das geschrieben steht!“

Jedenfalls erleichterte sich Expädagoge Ödipus umständlich, genuss- und lustvoll. Danach war er gerade dabei, sein nicht gerade kleines Fleischrohr geduldig trocken zu schlackern, indem er es elegant umher spiralierte und rotierte, da kam der selbst ernannte Urinpolizist auf dem Rückweg erneut vorbei und bemerkte: „Pinkeln ist hier immer noch verboten.“ Lustig erwiderte ein bisschen angefräst: „Hier steht aber immer noch kein Verbotsschild! Doch freue ich mich immer wieder aufs Neue über die vielen selbst ernannten deutschen Privatpolizisten.“

Dann verließ er den Tatort und kehrte zu seinem Auto zurück. Er musste noch zur pompösen Zentrale der Schwerter Sparkasse, um einem Zimmermann die Reparaturrechnung über 700 Euro für einen Balkon zu bezahlen. Denn wegen der protzigen Zentrale und des bombastischen Gehaltes des Sparkassenchefs konnte sich das gemeinnützige kommunale Geldinstitut kein gut ausgebautes kundenfreundliches Filialnetz mehr leisten.

Lustig parkte in einer Seitenstraße. Dann wollte er das Portemonnaie aus seinem vieltaschigen Parka zupfen, doch vergebens. Er suchte und suchte. Nichts, und überhaupt gar nichts. Es musste aber doch da gewesen sein. Er hatte schließlich bei Lidl außer anderen wichtigen Dingen einen Feinrippschinkenbeutel gekauft. Da hatte er den Geldbeutel doch noch besessen. Wahrscheinlich war er ihm an der Kasse abhanden gekommen. Jetzt aber schnell zurück zu Lidl!

Als er durch die Einfahrt auf den Parkplatz fuhr, strahlte ihn der Supermarkt hell erleuchtet an. Er musste noch geöffnet sein. Aber nein, der Eingang war verschlossen. Doch da, hinter der Glastür, zwei Gestalten in Arbeitskitteln! Lustig klopfte heftig gegen das Glas.

Ein kleiner Mann öffnete. „Wollen Sie den Laden zerstören? Oder warum pochen Sie wie ein Wilder hier herum?“ „Nein, Entschuldigung! Aber haben Sie in Ihrem Kassenbereich oder sonst wo ein Portemonnaie gefunden, ein dickes, braunes?“ „Nein, leider nicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren mich, den Filialleiter, sofort, wennn sie irgendwas gefunden haben. Doch sicherheitshalber gucke ich zusätzlich in den Plastikbeutel, in dem sie Fundsachen immer deponieren. Wenig späte kehrte der Lidl-Leiter ohne das Geldbehältnis zuück: „Nein, nichts zu machen. Da war gar nichts.“ „Vielen Dank für Ihre Mühe. Sehe ich noch mal in meinen Taschen, in und am Auto nach!“

Inzwischen war der Parkplatz fast leer. Neben Lustigs Alt-Mercedes fummelte ein älterer Herr unter der aufgeklappten Motorhaube seines BMW-Cabrios an irgendwelchen Einzelteilen herum und dicht dabei saugte ein jugendliches Blondpärchen genüsslich an seinen qualmenden Sargnägeln.

Die Hände des Börsenfahnders fuhren nochmals durch alle Taschen des Parkas, ohne Erfolg. Der Mann des Pärchens fragte mitfühlend: „Portemonnaie weg?“ „Ja, Gottsverdammich! So ein Scheiß! Alles drin: Kfz.-Schein, Ausweis, Sparkassenkarten und jede Menge Geld. Was das für einen Ärger gibt! So ein Mist aber auch!“ „Ach, immer mit der Ruhe! Das finden wir sicher.“

Das Pärchen half Lustig bereitwillig beim Durchsuchen jeder Einkaufstasche, jeglichen Plastikbeutels, jedes Pappkartons, des ganzen Kofferraums und aller Ecken des Autos, aber das Geld tauchte nicht auf. Nachdem der Pädagoge sich bedankt hatte, verließen die zwei Helfer den Parkplatz und Lustig blieb allein mit dem BMW-Fummler zurück. Er schmpfte leise vor sich hin: „Das hat mir gerade noch gefehlt, überflüssige Kosten, der ganze Behördenquatsch, kostbare Lebenszeit!“

Vor lauter Ärger musste er wiederum. Vielleicht brauchte er ein Medikament zur problemlosen Entwässerung! Aber jedenfalls wusste er, wo ein Klo war und so beehrte er Laubhaufen und Bäumchen ein zweites Mal. Weder Verbotsschild, noch junger Mann tauchten auf. Lustig befreite sich lustvoll von seiner flüssigen Last, schlug also zum zweiten Mal an diesem unglückseligen Abend sein Wasser über dem nassen Laubballen ab.

Nach der zweiten Straftat an diesem Tag blickte er keineswegs reumütig noch einmal zum Tatort zurück. Da, Mensch, das war doch, ja überhaupt nicht auszuschließen! Das konnte sogar ganz gut sein! Obwohl, er wollte es auch unbedingt glauben. Und einen Versuch war es auf alle Fälle wert.

Ödipus kehrte auf dem Absatz um. Er stocherte mit der rechten Fußspitze im pitschnassen, klebrigen Faullaub herum. Da, was war denn das, ein Stein? Nein, etwas Weiches, Braunes, Nasses! Halleluja!

Das war sein Portemonnaie! Erlöshob er es auf und säuberte es  provisorisch. Da war noch alles drin. Glücklich lief Lustig zum Auto zurück.

Der BMW-Onkel murkste immer noch an dem Cabrio herum. Er hielt ein Starterkabel in der Rechten. „Springt er nicht an?“ „Nein, verflixter Elendsmist. Aber vielleicht können Sie mir Starthilfe geben?“ „Natürlich, meine alte Karre ist noch nie nicht angesprungen. Gleich werden Sie los brausen wie Michael Schumacher!“ „Dann hoffen wir mal das Beste!“

Ödipus stieg ins Auto und drehte den Schlüssel um. Ein schwächliches „Knatterknittertwitter“ krächzte aus dem Motorraum.

Verlegen wand er sich aus dem störrischen Mercedes und stotterte: „Ehrlich, das gab es noch nie! Ich kann Ihnen nur Starthilfe geben, wenn Sie mich vorher anschieben! Sehen Sie, hier geht es ein klein wenig bergab.“

Lustig nahm erneut auf dem Fahrersitz Platz, schaltete die Zündung ein und trat auf das Kupplungspedal. Am Heck des Wagens leistete der BMW-Monteur Herkulesarbeit. Der schwere Wagen rollte langsam an und Ödipus legte den zweiten Gang ein. Kurzes Geholper, dann heulte der Motor kraftvoll auf.

Nachdem der Pädagoge die Motorhaube des Mercedes neben jene des BMW manövriert hatte, öffnete er sie und suchte die Batterie. Wo zum Teufel...? Ach, die ist ja hinten im Kofferraum.

Neue umständliche Manöver und endlich stand der C180 mit dem Kofferraum und der Batterie neben dem geöffneten Motoraum des Cabrio, wo sich auch dessen Batterie befand. Die zwei Pech- und Glücksvögel legten die Starterkabel an die vier Batteriepole und bald darauf verließen die zwei Nobelkarossen mit den beiden glücklichen Fahrern den Lidl-Parkplatz.

Irgendwas stimmte nicht mit den Batterien, aber was, das zu klären, dazu war auch noch morgen oder übermorgen Zeit.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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