Sephran Laxey

Selbstreflexion

Ein kleiner Junge steht im Bad und putzt sich die Zähne.
Er grübelt.
Es scheint, als ließe ihm etwas keine Ruhe.
Gedankenverloren schaut er sich im Raum um, als sein Blick schließlich auf den Spiegel über dem Waschbecken fällt. Mit verzweifeltem Kopfschütteln fragt er:

 

Spiegel, wie sind Menschen?“
Menschen sind wie Spiegel!“,

lautet die prompte Antwort.

Der Junge senkt den Blick und denkt einige Zeit über diese Worte nach.
Seine Miene verfinstert sich und Zorn erfüllt sein Gesicht. Erneut schüttelt er den Kopf und entgegnet harsch:

Mensch! Das sehe ich aber nicht so!“
So nicht? Aber ich sehe das, Mensch!“

Den Jungen überkommt ein seltsames Unbehagen. Verunsichert richtet er den Blick auf seine zitternden Hände.

Schau, ich bin real, nicht so wie du glaubst! Das Spiegelbild, das ist falsch!“
Falsch ist das Spiegelbild, das glaubst du? Wieso nicht? Real bin ich, schau!“

Der Junge beugt sich vor und betrachtet sein altes Gesicht im kalten Glas.
Mit greiser Stimme raunt er:

Ich verstehe jetzt. Feind, kein Freund bist du!“
Du bist Freund, kein Feind! Jetzt verstehe ich.“

Doch ihn erreichen die Worte nicht mehr, die sein Spiegelbild aus der Ferne in die Vergangenheit ruft.

Ein alter Mann steht vor zerbrochenen Spiegeln.
Er grübelt nicht.
Es scheint als hätte er seine Ruhe gefunden.

 

Selbstreflexion, das könnt ihr nicht. Bis ihr zerbrecht und sich hunderte Scherben gegenseitig zeigen, was einmal ganz war“, sagt er leise.

Der Mann hebt eine Scherbe auf und hält sie sich an den Hals.

 

Menschen sind wie Spiegel“, lauten seine letzten Worte.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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