Gisela Welzenbach

Die Daglfinger Pferderennbahn in München

Neben der Musik und Tennis war auch die Pferdetrabrennbahn in Daglfing – manchmal auch die Galopprennbahn in Riem – eines der Hobbys meiner Eltern.

Die Trabrennbahn in Daglfing ist beinah eine fest etablierte Institution in München  und wurde von vielen Münchnern gerne besucht. Und auch von außerhalb strömten die Besucher heran. Die Galopper in Riem gehören natürlich auch zu München. Vor allem die Damen (wie meine Mutter) zogen sich in den 50iger/60iger Jahren bei einem Besuch gerne mal schick an. Vor allem bei besonderen Veranstaltungen auf der Rennbahn. Später wurde es kleidungsmäßig salopper.

Noch gibt es die Trabrennbahn in Daglfing. Wer weiß wie lange noch. Die Riemer Galoppbahn ist auch noch präsent.

Das Wettglück auf der Rennbahn für meine Eltern hielt sich in Grenzen; die Einsätze den eher geringeren Geldmitteln angepasst. Mein Vater hielt ein strenges Limit ein. Zumeist kam er des öfteren nach Hause mit den Worten: „Nichts gewonnen, nichts verloren.“ Wenn z.B. mal wieder ein Pferd oder „Heiter“ wie mein Vater das Pferd dann ärgerlich nannte auf das er gesetzt hatte disqualifiziert wurde, weil es gesprungen ist statt zu traben. Aber es ging trotzdem hauptsächlich um das Vergnügen. Natürlich freute man sich, wenn man mal was gewonnen hatte und ein bisserl mehr im Geldbeutel blieb.

Interessant war es wohl besonders, wenn ein bekannter Jockey im Sulky saß. Ich kann mich noch so ein bisserl an einen Jockey namens Obermayer (Vorname und die Schreibweise weiß ich leider nicht mehr) erinnern, den ich hörte. Papa sagte dann immer: „Heit fahrt der Obermayer“. Und es gab auch immer mal während des Jahres besondere Veranstaltungen auf der Rennbahn.

Während andere Familien öfter mal in den Sonntagsausflug z.B. in die Berge starteten, waren wir auf der Rennbahn.

So gern meine Mutter auch auf die Rennbahn ging, so ab und an hätte sie gerne auch mal sonntags einen Ausflug gemacht. Aber keine Chance. Nur einmal im Jahr bestand sie ganz energisch darauf, dass die Familie dann mal z.B. an den Tegernsee fuhr. Wir drängten uns zu fünft in unseren VW-Käfer und fuhren in die Berge und an den See. Das hat dann auch wirklich viel Spaß gemacht und war schön.

Ich als Kind musste immer zu meinem Leidwesen mit nach Daglfing und wurde jedes Mal auf den Spielplatz verfrachtet, wo ich mich eher langweilte. Viel lieber wollte ich den Pferden zusehen. Zumindest in der Rennpause durfte ich dann Pony reiten. Aber recht getröstet hat mich das auch nicht.

Als meine Oma noch bei uns wohnte, fuhr sie manchmal auch mit auf die Rennbahn. Damals fuhr mein Vater noch eine gelbe Isetta. Und ich frage mich heute noch, wie wir zu viert – meine Eltern, die Oma und ich (ich war damals so sechs bis sieben Jahre alt), Platz gefunden haben.

Was ich bis heute nicht vergessen habe, war eine ganz spezielle Fahrt von der Rennbahn in Daglfing zu uns nach Hause. Es war schon dunkel und es regnete in Strömen. Heute nennt man das „Starkregen“. Mitten auf der Autobahn (mussten diese kurz befahren) streikte die kleine Isetta und da standen wir nun. Zusammengequetscht im Auto. Ich auf dem Schoß der Oma mit der Windschutzscheibe dicht vor meiner Nase. Die Mutti fast plattgedrückt neben Vati. Meine Oma war ja recht gut beieinand, wie man so sagt. Die Tür des Autos konnte man nur von unten nach oben aufmachen.

Mein Vater stieg aus, um zu versuchen, das Autochen irgendwie zum Laufen zu bringen. Handy gab's ja damals leider nicht um die Pannenhilfe anzurufen. Ich kann mich beim besten Willen nicht an einen Schirm erinnern. Dieser Regen hat uns wohl überrascht.

Jedenfalls war mein Vater dann klatschnass und auch wir wurden feucht beim Öffnen der Tür. Gott sei Dank hat er das Auto irgendwie wieder zum Fahren gebracht und wir konnten heimfahren. Undenkbar heute so – ohne Gurt und überfüllt – in dieser Nacht- und Nebelaktion zu fahren. Es gibt Momente, die man nicht vergisst.

Als ich zu groß für den Spielplatz war und nur so zum Zuschauen keine Lust hatte, habe ich gestreikt mitzugehen. Da ich dann ja schon 12 oder 13 Jahre alt war, durfte ich daheim bleiben und ich genoss es, das Wohnzimmer für mich allein zu haben und im Fernsehen anzuschauen, was ich wollte.

Dafür waren dann meine kleinen Geschwister mit dabei. Ab und zu fuhr ich aber auch noch mit wenn das Wetter recht schön war. Und ich war mit dabei, als folgendes passierte:

Als mein Bruder so ca. 2 ½ Jahre alt war, lief er mit kurzen schnellen Schritten – so schnell konnte gar keiner schauen oder reagieren – durch die Gitterstäbe quer über die Rennbahn. Auf der anderen Seite sammelten sich schon die Pferde/Traber und bereiteten sich vor, an den Start zu gehen. Das Rennen musste jeden Moment anfangen. Ein entsetzter Schrei ging durch die Zuschauerschar, meine Mutter war ganz starr vor Schreck.
Mein Vater setzte mit einem Satz über den Zaun und rannte meinem Bruder nach. Rechtzeitig – die Pferde preschten bereits los – erwischte er meinen Bruder und raste mit ihm auf den Arm in Rekordgeschwindigkeit zum Zaun und in die Sicherheit zurück. Alle atmeten erleichtert auf, am meisten natürlich wir. Ich war da gerade zufällig auch mit dabei. Ich werde das nie vergessen. Meine Familie natürlich auch nicht.

Viele Jahre lang blieb die Rennbahn in Daglfing ein wichtiger Bestandteil – vor allem im Ruhestand - im Leben meiner Eltern, solange es gesundheitlich möglich war.

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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