Hans Fritz

In der Berghöhle

VORSPIEL - SZENEN EINES SCHÖPFUNGSTHEATERS

Im Anfang herrschte Chaos, woraus sich Licht und Finsternis, Erde und Meer abtrennten, Gestirne und Pflanzen, dann Wassertiere und Vögel, schliesslich Landtiere entstanden. Als Krönung dieser Schöpfung tritt der Mensch auf den Plan, mit dem Auftrag, sich die Erde untertan zu machen, 'zu hüten und zu bebauen'. Dabei wurde die Erde in sieben symbolischen Tagen erschaffen, eine Beschreibung, die im Rahmen menschlicher Vorstellungskraft liegt. Wenn nun ein biblischer Tag im reellen Evolutionsgeschehen einem Zeitraum von einigen hundert Millionen Jahren entspricht, so ist das für den Versuch einer wissenschaftlichen Interpretation des Gesamtablaufs der Schöpfung relevant. Im kosmischen Geschehen ist ein Erdentag so gut wie nichts.

Die Annahme von Evolutionsmechanismen, die von einer hypothetischen Schöpfungskraft mit dem Entstehen der Urformen des Lebens samt ihrem 'genpool' eingeleitet worden sind, steht nicht in direktem Widerspruch zur Theorie einer progressiven Komplexität der Lebenssysteme.

Im Perm sind, so wird geschätzt, über 90% aller Arten und etwa die Hälfte aller Pflanzen- und Tiergattungen ausgestorben. Die überlebenden Organismen bildeten die Ausgangsformen für neue Lebenssysteme, wobei 'latente' Baupläne umgesetzt wurden, auch, oder insbesondere mit dem Ziel der Entwicklung der Primaten und damit des Menschen. Ob der Mensch in Gestalt des Homo sapiens ein 'letzter Zweck' der Evolution der Lebenssysteme ist, sei dahingestellt. War nun der markante, sich allerdings über Jahrmillionen erstreckende Umbruch des Klimas im Perm in einer Art von - ja, Weltenplan - vorgesehen oder nicht? Eine Frage, die sich weder mit ja noch mit nein beantworten lässt. Besonders interessant ist, dass die als Vorläufer der Säuger geltenden, an Land lebenden Theromorpha überlebten, ihrerseits aber gegen Ende der Trias ausstarben, nach dem sie als 'Basisgruppe' der Säuger ihren Zweck im Evolutionsgeschehen erfüllt haben könnten. In einer späteren Periode der Erdgeschichte, vor etwa 65 Mio Jahren sind die Dinosaurier, samt ihrer Riesenformen, innerhalb einer nach geologischen Massstäben sehr kurzen Zeitspanne ausgestorben. Bekamen die Säuger durch einen Meteoriteneinschlag zufallsbedingt oder gezielt eine Chance der weiteren Entfaltung?

Die Frage wie das Leben auf der Erde entstand, bleibt bei allen diesen Überlegungen offen. Die Annahme der Entstehung des Lebens auf einem erdfernen Planeten und/oder des Transports einer Urform im Eis eines Kometenkerns zur Erde, verschiebt die Frage ins All, ohne sie konkret zu beantworten. Primitive Organismen, wie sie auf rätselhafte Art auf die Erde gelangt sein mögen, kamen vielleicht auch in sogenannten habitablen Regionen anderer Planeten an, wo die Chancen einer Evolution ähnlich wie auf der Erde waren, oder, alternativ, Grundbedingungen der Entfaltung des Lebens gänzlich fehlten. Nach einem Zufallsprinzip mögen solche Urorganismen gerade auf der Erde optimale Lebensbedingungen vorgefunden und somit die Basis der Stammlinie aller höher organisierten Formen gebildet haben.

 

OFFENBARUNG – VERSUCH EINES DIALOGS

Es könnte die Meinung vorherrschen, dass es auf der Erde keine unerforschte Höhle gibt. Der Erkunder (kleine Bühnenpartie) findet jedoch irgendwo in den Karpaten eine Höhle, die angeblich noch nie ein Mensch betreten hat. Da wäre es also durchaus möglich, auf etwas noch Unentdecktes zu stossen. Beim Aufleuchten einer Kristalldruse vernimmt er eine wohlklingende Stimme (grosse Bühnenpartie).

***

STIMME «Der Mensch schickt sich an, die Natur durch Raubbau zu vernichten. Bald bestehen nur noch Relikte eines Regenwaldes, die Meere könnten bald ganz ohne Leben sein».

ERKUNDER «Was können wir Menschen dagegen tun?»

STIMME «Der Mensch bekam in seiner Eigenständigkeit den Auftrag alles Leben auf der Erde zu achten, zu deuten und helfen es zu bewahren. Ein ungeschriebenes Gesetz entbindet die Urheber der Schöpfung von jeglicher Verpflichtung vom Menschen verursachte Schäden und Versäumnisse zu korrigieren. Ihm wurde eine Verantwortung aufgetragen, die er wahrnehmen muss, nicht zuletzt um selbst zu überleben. Es gilt ein Gesamtsystem des Lebens zu erhalten, wobei die Vielgestaltigkeit nicht unbedingt das oberste Ziel ist».

ERKUNDER «Wie steht es mit anderen, sagen wir belebten Planeten?»

STIMME «Dort ist die Entwicklung hin zu vernunftbegabten Wesen teils weniger, teils weiter fortgeschritten. Im letzteren Fall zeichneten sich ähnliche Phänomene wie auf der Erde ab, konnten aber, als die Mehrzahl der Organismen von Aussterben bedroht war, kompensiert werden».

ERKUNDER «Durch vermutlich höchstentwickelte Vernunftbegabte?»

STIMME «Ja, so ist es. Der Erdenmensch muss sich den fortschreitenden Änderungen im Naturgeschehen einer noch lange nicht abgeschlossenen Erdwerdung stellen und sich neuen Gegebenheiten anpassen».

ERKUNDER «Besteht noch eine Hoffnung?»

STIMME «Der Mensch kann das allmähliche Annähern an einen Höhepunkt einer Warmzeit nicht aufhalten, darf aber den Prozess nicht durch Schädigung der Umwelt intensivieren oder katalysatorähnlich beschleunigen. Vor allem muss der Rodung riesiger Waldflächen allen zu erwartenden heftigen Widerständen zum Trotz Einhalt geboten werden».

ERKUNDER «Zählt die Nutzung so genannter fossiler Brennstoffe zu unseren Todsünden?»

STIMMME «Nein. Fossile Brennstoffe bescherten dem Menschen über eine lange Zeit technischen Fortschritt und trugen massgeblich zum Erreichen eines gewissen Wohlstands bei. Es wäre nicht gerecht sie im Nachhinein zu verdammen. Dann ist aber die Zeit gekommen, wo die Technik den Zugriff auf die praktisch unbegrenzte direkte Sonnenstrahlung ermöglicht. Auch die Nutzung des Wasserstoffs ist geboten. Die Übergänge zur Nutzung solcher Energiequellen müssen allerdings schrittweise erfolgen.

Bei allen Ideen zum Schutz der Umwelt darf nicht übersehen werden, dass in der nun anbrechenden Phase der Erdwerdung eine erhöhte seismische Aktivität zu erwarten ist, die der Mensch nicht beeinflussen kann. Vulkanausbrüche könnten häufiger und mit grosser Heftigkeit auftreten. Die zunehmende globale Erwärmung sorgt für ein Auftauen und damit Aufweichen Permafrostbodens nicht nur in nördlichsten Breiten sondern auch in den Hochgebirgen der Kontinente. Was Erd- oder Steinmassen im Innersten zusammenhält verliert an Konsistenz. Abgesehen von, sagen wir statischen Gefahren, müssen die Folgen der Abgabe grosser Mengen an Kohlendioxid und Methan berücksichtigt werden».

ERKUNDER «Inwieweit betreffen Klimaänderungen die Ozeane?»

STIMME «Die Erwärmung der Meere vermag das globale Klima insofern zu beeinflussen, als sich heftige Unwetter häufen, das heisst zum Beispiel, dass Tornados und so weiter öfter auftreten. Ganz abgesehen von krassen Eingriffen in das ökologische Gleichgewicht der Lebenssysteme einschliesslich dem allmählichen bis völligen Aussterben von Arten. Es ist nicht zu übersehen, dass auch die Vermüllung der Meere mit Plastikteilen unweigerlich zum beschleunigten Aussterben der Arten führt. Bevor wir Plastik generell verteufeln – es ist gut, wenn heutzutage beim Bau einer Yacht anstelle von Holz Plastik bevorzugt wird. Nur müsste beim irgendwann fälligen Abwracken die Plastikmasse fachgerecht entsorgt, sprich unschädlich gemacht werden».

ERKUNDER «Was können wir zur Rettung der Umwelt noch tun?»

STIMME «Es hilft weder Resignieren noch Ignorieren, noch Panikmache. Es heisst mit den Gegebenheiten fertig zu werden. Wechsel der Energiequellen und sorgsamer Umgang mit neu erschlossenen. Überdenken neuer Anbaumethoden für Feldfrüchte bevor es zu spät ist. Bei massiven Ernteausfällen auf den Import von Getreide aus fernen Gebieten zu setzen wäre verfehlt. Denn der Klimawandel macht nicht vor Ländergrenzen oder Zonen anderer Kontinente halt.

Der Mensch sollte sinnlose militärische wie paramilitärische Auseinandersetzungen vermeiden und sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weltweit in konzertierten Aktionen jener gravierenden hausgemachten Kofaktoren des Klimawandels annehmen. Der Kampf gegen Umweltmiseren sei die zeitgemässe Art der Kriegsführung einer Gesellschaft, die aus Fehlern früherer Generationen gelernt haben sollte. Um es noch einmal zu betonen, dem unkontrollierten rücksichtslosen Roden der Wälder muss Einhalt geboten werden».

ERKUNDER «Das wird sich in einer gnadenlos profitorientierten Welt kaum verwirklichen lassen. Die Geschäftemacher werden sich durch nichts überzeugen lassen».

STIMME «Wenn überzeugenwollende Worte nichts bewirken, müsste Zwang ausgeübt werden, was aber hoffentlich nicht nötig sein wird. Es bleibt die Hoffnung, dass auch dort Vernunft einkehrt, wo wir sie derzeit gar nicht erwarten. Vielleicht gewinnt die Einsicht Oberhand, dass das Leben auf der Erde mehr ist als die Kommerzialisierung allen Geschehens».

ERKUNDER «Habe eine letzte, eher ins Praktische gehende Frage. Wie könnte man aus Ihrer Sicht den abendlichen Wärmestau in den Zentren der Grossstädte verhindern?»

STIMME «Zum Ersten - Kohlendioxidausstoss, der das Entweichen der Wärme nach oben verhindern kann, soweit wie möglich vermeiden. Zum Zweiten – Bebauungen mehr nach den üblicherweise vorherrschenden Windrichtungen ausrichten, das heisst für eine bessere ‘natürliche’ Durchlüftung der Strassenschluchten sorgen und nicht zum Beispiel einen von den Bergen kommenden Hauptwindstrom durch gigantischen Verbau aufhalten. Und zum Dritten – mehr Grün wagen».

Die Stimme ist verstummt, das Licht der Kristalldruse erloschen.

 

NACHSPIEL

Der Erkunder hat das Gespräch mit einem zwar archaischen, aber immer noch funktionsfähigen Gerät aufgenommen, das er in seiner offenen Jagdtasche verstaut hatte. In geselliger Runde, im Freundeskreis, spielt er es ab. Helle Begeisterung der Zuhörer bleibt aus. Ausser Allgemeinplätzen habe die ‘Stimme’ nichts Neues zum Thema Umweltschutz beigetragen, ist der allgemeine Tenor. Eine politisch sehr engagierte Lehrerin wirft dem Erkunder gar vor, zumindest am Anfang des Gesprächs, die falschen Fragen gestellt zu haben. Die ‘Stimme’ habe jedoch stets mit bewundernswertem Stoizismus reagiert.

Ohne Wissen des Erkunders machen sich drei Freunde auf den beschwerlichen Weg zur Höhle, um die Quelle der geheimnisvollen Stimme ausfindig zu machen. Dort, wo sich der Pfad in einen steinübersäten Steig fortsetzt, begegnen sie einem der letzten Bären. Kurz vor dem Ziel überrascht sie ein kräftiger Hagelsturm. Der Eingang zur Höhle ist durch herabgestürzte Gesteinsmassen zugeschüttet. Unverrichteter Dinge treten die Männer den Rückweg an.
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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