Christa Astl

Ganz bewusst glücklich sein

 

 

 

Bewusst leben kann man eigentlich nur allein. Nur auf sich achten, auf jede Tätigkeit, nichts so „nebenbei“, wie es heute meist üblich ist. Beim Frühstück muss man die Zeitung lesen, Radio hören oder gar fernsehen, das Essen, Trinken geschieht nebenbei. – bis man die leere Tasse zum Mund führt und gar nicht registriert, dass der Kaffee bereits ausgetrunken ist.

Allein in meinem Refugium versuche ich dieses „bewusste Leben“. Es beginnt beim Aufwachen, ich strecke mich, spüre meinen Körper, merke wie sich im Schlaf verspannte Glieder lockern, manchmal helfe ich durch einfache Übungen nach. Noch im Liegen ziehe ich den Vorhang zurück und sehe den Himmel. Manchmal geht gerade die Sonne über dem Berg auf. Da setze ich mich auf und warte vom ersten Röten des Himmels an gespannt, welchen Gipfel sie erklimmt, es ändert sich je nach Jahreszeit sehr. Dann stehe ich auf, barfuß gehe ich auf verschiedenen Böden, verschiedenen Teppichen, die sich wohlig an die Fußsohlen schmiegen, ins Bad.

Ich spüre das Prickeln des kalten Wassers, das wohlige Gestreichelt werden des warmen Wasserstrahles auf der Haut, die sanfte Weichheit des Handtuches.

Während ich Kaffee koche, nimmt sich die Nase bereits eine Prise des Aromas, das Zischen der Kaffeemaschine tönt wohlklingend und erwartungsvoll in mein Ohr. Wenn ich Brot schneide, fühle ich die Kruste, rieche die enthaltenen Gewürze, warte mit dem Streichen, bis die Butter temperiert ist, überlege, welche Marmelade ich für welches Brot mag. Dass der Tisch schön gedeckt ist für mich allein, versteht sich von selber Alle Sinne werden angesprochen und beglückt. Blumen vom Garten dürfen den ganzen Sommer über nicht fehlen.

Mein Blick gleitet zum Fenster und den nahen Bergen, um das Wetter zu bestimmen. Bei der zweiten Tasse Kaffee habe ich dann richtig Zeit, mich zurück zu lehnen, die aufgehende Sonne zu begrüßen oder die vorbeiziehenden Wolken zu betrachten. Wunderschön, den Tag so begrüßen zu dürfen. Ich freue mich über jede Witterung. Vom Wetter hängt mein weiterer Tagesplan ab.  Erst frage ich im Notebook meine e-Mails ab und freue mich, wenn wer schon zur Morgenstunde an mich denkt. Dann suche ich mir im Garten eine Arbeit oder im Haus, untätig bleibe ich nicht lange. Ich kann überlegen, was ich tun will, es drängt mich niemand, es hält mich niemand ab. Ein glücklicher Zustand, den man sich im Berufsleben gerne herbei sehnen würde.  Manchmal lese ich auch eine Stunde und lasse mich durch nichts stören, alles kann warten.

Zum Essen richte ich mir was, wenn ich hungrig bin, es muss nicht um 12 Uhr mittags sein. Ich lasse nicht beim Zwölfuhrläuten mein Werkzeug fallen, wenn ich gerade mitten in einer Tätigkeit bin. Dann freue ich mich, wenn ich fertig bin.

Die Mittagspause dauert je nach Wetter oder vorangegangener Tätigkeit manchmal bis zu drei Stunden, hin und wieder lege ich mein Buch beiseite und schlafe ein wenig. Noch ein Kaffee mit was Süßem dazu, dann bin ich bereit für die kommenden Stunden.

Bei der Gartenarbeit bin ich völlig mit der Natur verbunden, wenn ich die Erde rieche und an Händen oder in den Schuhen spüre. Jede Pflanze kenne ich oder betrachte sie genau. Zwischendurch schaue ich den beiden Rotschwänzchen zu, wie sie Insekten vom Boden aufpicken und schnell aufs nächste Dach fliegen.

Ich mag es auch, wenn mir der Schweiß über Gesicht und Rücken rinnt, suche dann für kurze Zeit Abkühlung oder trinke Wasser. Auch den Wind liebe ich, der die Gräser und Blumen zerzaust, und natürlich meine Haare.

Feierabend wird es meistens sehr spät, wenn ich rechtschaffen müde bin. Dankbar, dass ich so viel schaffen konnte, blicke ich zurück. Die Sonne verabschiedet sich vor mir und geht hinter den Bergen unter. Aber schon vorher suche ich mein Werkzeug zusammen, denn abends wird es oft recht schnell kühl.

Inzwischen kommt auch der Hunger, nachmittags überlege ich bereits, was ich kochen könnte und freue mich über die Vorfreude. Einfache Gerichte sind es meist, die schnell gehen, Obst oder Gemüse ist immer dabei. Das Abendessen zelebriere ich geradezu mit Kerzenlicht und manchmal einem Glas Wein. Welch glücklicher Moment, wenn ich mich dankbar zu Tisch setze und wirklich bewusst jeden Bissen genieße. Hin und wieder lasse ich mich von ruhiger Musik unterhalten.

Dann freue ich mich auf einen Abend für meine Träume und Gedanken. Ich schreibe was oder nehme eines meiner zahlreichen Musikinstrumente zur Hand und lasse mich ins Reich der Töne entführen. So klingt ein schöner ausgefüllter Tag ruhig aus. Der Körper gibt sich der Müdigkeit hin und das Aufstehen und ins Bett gehen kostet mich direkt Überwindung und ich bin glücklich, mich nun ganz bewusst der erholsamen Nachtruhe hingeben zu können.

 

 

ChA 10.07.19

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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